Natürlich kann ich nicht weiterleben, ohne einen Kommentar zum Supi-Duell abzugeben. Damit ich auch wirklich kompetent erscheine, habe ich mir während der Show sogar Notizen gemacht und es sind satte zwei DIN-A4-Seiten zusammengekommen. Dazu muss ich erwähnen, dass ich über die gesamte Zeit ARD gesehen habe.
Der Anfang des Duells war wirklich elend langweilig. Es ging um Steuern, Finanzen und den Arbeitsmarkt. Hier wurde extrem gut deutlich, wie sehr Politik abhängig von Fachwissen ist. Es ist unmöglich für einen normalen Zuschauer zu verstehen, welches nun das bessere Steuermodell ist, ob 1% da und dort die Milliarden hier und da einbringen, wo die hingehen und letztlich wem nun eigentlich das alles etwas bringt. Dadurch ist es auch völlig ausgeschlossen, dass Durchschnittsbürger so etwas beurteilen können. Nichtsdestotrotz tun es viele, aber den meisten nehme ich ihre Scheinkompetentz in diesen Fragen nicht ab. Ähnlich sieht es mit 1000 verlorenen Arbeitsplätzen hier und 1500 gewonnen dort aus – Es ist schlichtweg nicht nachvollziehbar. Selbst nachdem Schröder die beiden Zahlen erklärt hat, habe ich das Ganze nicht verstanden, gescheige denn sagen können, was nun “wahr” ist. Aber vielleicht geht es da auch nur mir so.
Der Wirtschaftsteil hat geschlagene 60 Minuten in Anspruch genommen und bereits zu diesem Zeitpunkt konnte ich sagen, dass mir wichtigere und interessantere Themengebiete zu kurz kommen würden. Und so war es auch. Mein Lieblingsgebiet, die Außenpolitik, wurde sehr kurz mit US-Überschwemmung und Türkei abgehandelt. Ersteres war allerdings sehr interessant, weil Merkel hier einen riesen Fehler machte und Schröder das sofort erkannte und sich dementsprechend profilieren konnte. Gut kam dann auch die Frage einer der Moderatoren, was denn nun eigentlich eine “Priviligierte Partnerschaft” genau sei. So etwas erhoffe ich mir eigentlich ständig bei solchen Diskussionen. Weg vom sprachlichen Wischwasch, hin zum Konkreten. Das kam auch bei dem Duell wieder zu kurz. Merkel antwortete daraufhin auch sehr konkret, dass es ein Ja zur ESVP, aber ein Nein zum Binnenmarkt bedeutet. Schröder ist für die Mitgliedschaft auf längere Sicht und bezieht sich dabei auf die geostrategische Bedeutung und Sicherheit Deutschlands. Zum europäischen Verfassungsvertrag sagt Merkel, Frankreich hätte eher zugestimmt, wenn die Grenzen Europas deutlich klarer gemacht worden wären. Mit Verlaub, das ist Blödsinn. Der Vertrag wurde primär aufgrund von erwarteter sozialer Kälte und Neoliberalismus in Frankreich abgelehnt und nicht der Türkei wegen.
Gut war zum Schluss noch von Merkel, dass sie darauf hinwies, dass Schröders Fraktion offensichtlich nicht mehr hinter ihm steht. Hier hätte sie stärker darauf eingehen können, warum er eigentlich mit solch einem Hintergrund nochmals Bundeskanzler werden will und davon ausgeht, eine stabile Mehrheit hinter sich versammeln zu können.
Thematisch zu kurz kamen mir wie gesagt die Außenpolitik, aber auch Dinge wie Gesellschaftspolitik, also etwa Freiheitsrechte und persönliche Entfaltung. Dabei hätte mich insbesondere Merkels Einstellung interessiert. Daneben ging es auch kein Stück um Bildung, wozu ich gerne etwas gehört hätte.
Jetzt komme ich zu meinem Eindruck der beiden Duelllanten. Also im Gegensatz zu den Journalisten, die nachher ihre Meinung kundttun durften, habe ich Gerhard Schröder als deutlich souveräner empfunden. Ganz zu Anfang wirkten seine Aussagen zwar auswendig gelernt, aber das war bei seiner Herausforderin nicht anders und änderte sich auch recht schnell. Einwände Merkels begegnete er flott und überzeugend. Inhaltlich ist das aufgrund des erwähnten Fachwissenproblems nicht zu beurteilen, aber seine mediale Wirkung war meiner Meinung nach ziemlich perfekt. Angela Merkel dagegen wirkte des öfteren für mich unsicher, was besonders an ihrer Mimik zu sehen war, wenn sie gerade zuhören musste. Andererseits hat auch sie schnell geantwortet, weichte aber manchmal mit ihren Antworten thematisch in ein anderes Gebiet aus, oder antwortete gleich gar nicht zur Frage, wie bei dem Südstaatenunwetter und Bushs Reaktionen darauf. Zudem fielen mir bei ihr mehr Worthülsen auf als bei Schröder. Ganz ehrlich, bei sowas wie “Vorfahrt für Arbeit” und “Sozial ist, was Arbeit schafft” dreht sich bei mir mittlerweile der Magen um. Und das gleich merhmals. Aber das scheint mir ein allgemeins Unionsproblem zu sein. Volker Kauder ist da der absolute Spezialist.
Die Umfragen ergaben, dass die Zuschauer hier einen ähnlichen Eindruck gewonnen haben. Komischerweise kam Merkel aber bei den Journalisten ganz anders an. Entweder sie war fast genauso gut wie Schröder oder hat ihn sogar angeblich geschlagen. Ich kann mir noch nicht erklären, wie so etwas kommt. Sind die jetzt plötzlich alle konservativ eingestellt, oder wie? Oder soll bloß suggeriert werden, dass das Duell ja doch gar nicht so voraussehbar war und dem Ganzen im Nachhinein mehr Spannung zugeredet werden, als tatsächlich und vorhersehbar nicht da war?
Laut einer der Umfragen würden sich bei einer Direktwahl des Kanzlers 51% vor dem Duell für Schröder, 54% danach für ihn entscheiden. Davor wählten 36% Merkel, danach 38%. Hehe, beide haben gewonnen. Das sagt viel über die Auswirkung eines solchen Duells auf die Wahlentscheidung aus. Sie ist wohl gering.
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