Passiert mir selten, aber gestern habe ich mich ziemlich aufgeregt. Da sitzt André Rieu bei Johannes B. Kerner in der Sendung und es wird munter darüber diskutiert wie gut es allen geht und wie man trotzdem noch die Welt ein Stück verbessern könnte. Rieu schlägt vor, man könne ja mal die Gewerkschaften abschaffen, weil wir etwas ganz anderes brauchen: Eine neue Arbeitsphilosophie. Der Chef sollte auch ganz ohne Gewerkschaften immer das Wohl des Arbeiters suchen. Er muss für diesen freiwillig sorgen und das für den Rest des Lebens dieses Arbeiters. Schließlich zieht er als Beispiel ausgerechnet Japan heran, wo das alles ja schon so sei.
In der Runde kommt man zu dem Konsens, dass ja irgendwie zu viel gejammert wird und man als freischaffender Künstler schließlich auch kein Weihnachtsgeld bekäme. Ohne zu bewerten, ob so etwas wie Weihnachtsgeld wirklich nötig ist, ich vermute einige der Gäste dort gestern haben in ihrem Leben noch nichts anderes als Bühne und Kamera gesehen. Wer jeden Tag um 4 aufstehen muss, dann (zu Recht!) mit schlechter Laune in ein Firma geht, wo einen die Arbeit nervlich völlig herunterzieht und einem die Kollegen auf den Sack gehen, der lässt sich nun mal (zu Recht!) nicht auch noch sein Weihnachtsgeld mit freudestrahlender Miene wegnehmen.
Irgendwie kommt Rieu dann noch dazu sein “Unternehmen” (ein Orchester!) mit der aktuellen Regierung zu vergleichen, wo ja bei beidem viel ausgehandelt werden muss und jeder irgendwie zu Recht sein Bestes geben soll und darf. Der Vergleich hinkt hinten und vorne. Schließlich weiß man, dass nur Vergleiche zwischen Regierung und aktueller Leistung der Fußball-Nationalmannschaft legitim sind!
Sowas ist auffällig angenehm, gerade weil ich als Kontrastprogramm zu dem noch das Methodenseminar mache… *hust*
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