Eigentlich hat die Babic-Geschichte vor über einem Jahr ja schon gereicht. Bei uns läuft jetzt ein Kerl herum, der ganz offensichtlich rechtsextrem ist. Reden gehört habe ich ihn noch nie, aber der Kleidungsstil ist wirklich eindeutig. Springerstiefel mit weißen Schnürsenkeln zieht niemand einfach mal so an. Der Rest der Kleidung passt ebenfalls ganz ins Klischee. Außerdem ist er der neue Kumpel eines Bekannten und auch der sieht das so.
Gerade an Universitäten hätte ich ja die Quote an offen zur Schau stellenden Neonazis auf ziemlich genau Null geschätzt. Dem ist offensichtlich nicht so, denn hier handelt es sich ja nicht mehr um verdecktes rechtsradikales Gedankengut, das man erst durch tief gehende Gespräche, die vielleicht sogar nur rein zufällig auf Politik zu sprechen kommen, erfährt und sich danach dann nicht mehr wundert, woher Leute wie Babic ihre Stimmen erhalten. Nein, es ist in diesem Fall eine offene Provokation.
Der Vorteil an der Sache ist wohl, dass man selbst da gleich von Anfang an Abstand nehmen kann und nicht erst später, wenn man dann von zu einem selbst völlig inkompatiblen Ansichten überrascht wird, wie es mir zumindest schon einmal passiert ist. Allerdings steht auf der anderen Seite, dass so jemand total überzeugt zu sein scheint. Da kann man nicht mehr sagen, dass das alleine von Unwissenheit herrührt. Ich selbst würde bei dem Typen nicht versuchen zu argumentieren, sondern ganz im Gegenteil, nicht mal mehr überhaupt kommunizieren.
Jemand meinte noch, solche seien die Gefährlichsten und da ist mit Sicherheit etwas dran. Ein Neonazi mit Hochschulabschluss kann, im Gegensatz zu rechsradikalen Volltrotteln ohne Bildung, Leute (nämlich genau diese Volltrottel) hinter sich versammeln. Seine Parolen werden angehört, weil er Lesen, Schreiben und Reden kann und die Idioten werden sagen: “Er hat Politik studiert. Er muss es ja wissen.”
Aber womöglich bricht er das Studium ja auch noch ab. Zumindest wenn er weiterhin so rumläuft, wird er in der notorisch linken Uni-Umgebung sicher nicht viel Spaß haben.
Das einzig ungewöhnliche daran ist eigentlich, dass die Universitäten der letzten Jahrzehnte ausschließlich durch radikalen und teilweise gewalttätigen Linksexstremismus geprägt waren – woran man sich in der Regel wenig gestört und die B Betreffenden sogar nicht selten in die studentischen Gremien gewählt hat. Da sollte es nicht wirklich verwundern, daß auch das andere Ende des politischen Spektrums sich an der Universität tummelt; letztendlich kommt’s eh auf dasselbe heraus, wie man – nicht nur – an Herrn Mahler sieht, der von ganz links außen weitgehend bruchlos nach ganz rechts außen gewandert ist.
Sicher, für die letzten Jahrzehnte stimmt das sicher. Aber mittlerweile hat sich das doch auch stark abgeschwächt. Zwar dominiert immer noch die Linke, aber das reicht dann von linken SPD-Anhängern bis zu PDS-Freunden, die kaum als extrem zu bezeichnen und schon gar nicht gewalttätig sind. Die kommunistische Hochschulgruppe bei uns hat bei der letzen Wahl nicht mal mehr den Einzug ins StuPa geschafft.