Irgendwie stehe ich ja total auf diese “Self-Help”-Bücher, die einem helfen wollen, sein Weltbild abzuändern, über sein und das Verhalten anderer nachzudenken und ganz generell ein besserer Mensch zu werden. Nun habe ich den Klassiker schlechthin und, soweit ich mitbekommen habe, auch das erste Buch in dieser Art überhaupt durchgelesen und will hier ein paar Wort dazu verlieren.
Dale Carnegies “How to make friends & influence people” gehört wahrscheinlich zu den erfolgreichsten Büchern aller Zeiten. Es erschien bereits im Jahre 1936 das erste Mal und hat sich seither (laut wikipedia) über 16 Millionen mal verkauft und war über zehn Jahre hinweg in der Bestsellerliste der New York Times.
Der Titel des Werkes ist für Deutsche womöglich etwas irreführend. Ich denke nicht, dass es darin tatsächlich darum geht, Freunde zu gewinnen. Eher sind damit wohl “Geschäftsfreunde” gemeint und vielleicht ist ja auch schon bekannt, dass Amerikaner das Wort “friend” schon benutzen, wenn sie gerade ein einziges Mal mit jemandem geredet haben.
(Gibt es überhaupt ein englisches Wort für “Bekannter”?)
“Influence people” trifft es da schon eher. Es geht hauptsächlich darum, seine eigenen Interessen durchzusetzen. Allerdings nicht mit Zwang oder Gewalt, was Carnegie wohl nicht nur moralisch sondern auch rein praktisch ablehnen würde, sondern vor allem dadurch, dass man sich in den anderen hineinversetzt und ihn dazu bringt, das auch tatsächlich zu wollen, was man selber möchte. Dabei liegt ganz offenbar vor allem wirtschaftlicher Erfolg in seinem Fokus. Das Buch ist sicherlich Grundlagenwissen für jeden, der irgendwas verkaufen will. Wenn man etwas von jemandem möchte (z.B. sein Geld), bringt es laut Carnegie rein gar nichts, ihm breit zu erklären, warum man selbst das will, sondern man muss ihm klar machen, warum er das wollen sollte und was er davon hat. Eine Erkenntnis, die banal klingt, aber ich glaube trotzdem meistens nicht beachtet wird.
Carnegie stellt zahlreiche Prinzipien (hier zu sehen) auf, die man beachten muss und erläutert diese mit Beispielen von Politikern, Wirtschaftsgrößen aber auch aus dem Leben von Durchschnittsbürgern. Dabei verwendet er unzählige Zitate, so dass man das Buch auch recht gut zum Klugscheißen benutzen kann. Im Prinzip kann man einfach irgendeine Seite aufschlagen und etwas davon zitieren. Es klingt eigentlich immer gut. Zum Beispiel gerade von mir selbst durchgeführt:
When Alfred Lunt, one of the great actors of his time, played the leading role in Reunion in Vienna, he said, “There is nothing I need so much as nourishment for my self-esteem.”
Klar, gibt noch bessere, aber irgendwie klingt alles tiefgründig genug, um es selber zu verwenden. Was es bedeutet, ist ja letztlich mal egal.
Zugegebenermaßen sind die Tipps, die er gibt, zum Teil recht trivial. So z.B. dass man sich die Namen der Leute merken soll und sie auch möglichst häufig mit diesem direkt ansprechen muss oder dass ein Lächeln immer recht gut ankommt. Vom Alter des Buches her kann es natürlich durchaus möglich sein, dass diese Dinge damals noch nicht so trivial waren und das Buch womöglich sogar die Entwicklung mit beeinflusst hat. Andererseits ist er bei einigen Dingen doch so radikal, dass man schon überlegt und darüber nachdenken muss. Beispielsweise meint er, man solle grundsätzlich darauf verzichten, mit dem anderen zu argumentieren, selbst wenn man weiß, dass dieser Unrecht hat. Oder er meint auch, man solle auf die Fehler anderer lieber nur indirekt hinweisen, als es ihnen einfach ins Gesicht zu sagen.
Das passt dann eben auch zum Teil überhaupt nicht zum Anspruch unserer Gesellschaft, die verlangt, zu seiner Meinung und zu seinem Recht zu stehen, zu sagen, was man denkt und was es nicht noch alles gibt. Dass es nun oftmals zielführender ist, einfach mal seine Prinzipien für einen Moment zu vergessen, denke ich aber auch. Gerade dann, wenn man es mit fremden Leuten zu tun hat, von denen man irgendetwas will. Für den privaten Bereich und gerade unter Freunden sollte man diese Dinge aber lieber nicht dauernd anwenden, glaube ich. Das wäre wohl nicht nur unehrlich, sondern auf die Dauer auch ziemlich langweilig.
« Zuklappen
kommentiert