Heute morgen hatte ich meine mündliche Zwischenprüfung in Politik und bin nun der glücklichste Mensch der Stadt.
Gefragt wurde ich fast ausschließlich über das Bundesverfassungsgericht, was mir ja eigentlich überhaupt nicht gepasst hat, weil ich mich damit verhältnismäßig wenig auskenne und da gar nicht mein Lernfokus drauf lag. Insbesondere als ich dann auch noch nach konkreten Urteilen gefragt wurde, musste ich gehörig überlegen. Ein ziemliches Gewürge war es dann, den Unterschied zwischen konkreter und abstrakter Normenkontrolle zu rekonstruieren. Das hatte ich einmal irgendwo im Vorbeigehen gelesen und konnte es nun nicht mehr vernünftig erklären. Die beiden Prüfer haben dann solange nachgefragt, bis ich mir es zusammenreimen konnte.
Nach der Hälfte der Zeit wurde das Thema hin zur Außenpolitik gewechselt und ich dachte schon naiverweise, dass sich das jetzt mit diesem unsympathischen Gericht mal erledigt hätte. Die Hoffnung wurde zunächst bestätigt, als ich gefragt wurde, wer denn in der BRD hauptsächlich für die Außenpolitik zuständig sei. Das beantwortete ich, um gleich danach die Frage zu hören: “Ja, richtig. Aber inwiefern kann denn eigentlich auch das Bundesverfassungsgericht an der Außenpolitik mitwirken?”
Allerdings lief das dann recht flüssig und ich erzählte von Bosnien, Kosovo, dem Europäischen Gerichtshof, EU-Haftbefehl und der Bundeswehr. Gut, dass ich mir gerade noch gestern Abend angeschaut hatte, wo und wann die Bundeswehr Auslandseinsätze hatte und um was es dabei eigentlich ging. Kommt immer gut, wenn man hier und da mal eine korrekte Jahreszahl überzeugt ins Gespräch einfließen lässt, glaube ich.
Nachdem ich den Eindruck hatte, dass mir doch recht oft Nachfragen gestellt wurden und ich einige Male erst durch Hinweise auf die richtige Antwort kam und ich außerdem nicht wusste, dass das BVG auch die Verwirkung von Grundrechten durchführen kann (da habe ich dann auch echt gesagt: “Oh, das wusste ich gar nicht” – Kam sicher super rüber), hatte ich dann das Ergebnis wirklich nicht erwartet. Sehr gut.
Jetzt bin ich ganz offiziell im Hauptstudium.
Politik eben: Hauptsache, man hört nicht auf zu reden
Mein Geschichtslehrer meinte immer, Politik sein ein “Laberfach”.
Herzlichen Glückwunsch natürlich trotzdem.
Herzlichen Glückwunsch!
Danke! Dass das ein Laberfach ist, stimmt schon irgendwie, weil es schlichtweg kaum ein Richtig und ein Falsch gibt. Wenn man irgendeine Theorie einwirft und das damit dann einigermaßen passend begründet, stimmt es auch oft. Insofern kann man Inkompetenz gut durch Laberei ausgleichen. Aber man darf es auch nicht übertreiben. Einem Kollegen von mir wurde am Ende der Prüfung gesagt: “Na Sie überlegen wenigstens mal, bevor Sie anfangen zu Reden.”
(Uh, ich kann kaum mehr gerade ohne Tippfehler schreiben. Ich geh jetzt doch besser erstmal schlafen.)