Archiv für Juli 2006

文化革命

Aus dem Artikel zur Kulturrevolution:

Da das Züchten von Blumen und das Halten von Haustieren als bourgeois galt, wurden Parks und Gärten in Getreide- und Gemüsefelder umgewandelt. Auch vor Skurrilitäten schreckten die Roten Garden nicht zurück. Da Rot und links als revolutionär galten, entschieden sie, dass der Rechtsverkehr durch Linksverkehr ersetzt werden sollte und dass an Ampelkreuzungen künftig Rot das Zeichen für freie Fahrt sein sollte. Rote Garden stellten sich an Kreuzungen zusammen mit Polizisten auf, um den Verkehr nach ihren Vorstellungen umzuleiten, was zu Chaos und zahllosen Unfällen führte und schließlich von Premier Zhou Enlai verboten wurde.

Hehe.

Morgen ist mündliche Zwischenprüfung und mein Thema wird vor allem die Kulturrevolution sein.

Konrad Seitz – China: Eine Weltmacht kehrt zurück

Zugegeben, mir fehlen noch knapp 60 Seiten bis zum Ende. Trotzdem wage ich, ein paar Worte darüber für nachfolgende Generationen zu hinterlassen, vor allem, weil ich den Rest auch nicht so schnell lesen werde. Wie schon bei meinen Worthülsen über “Chinas Weg in die Moderne” vom Herrn Spence angedeutet, sehe ich Konrad Seitz’ Werk recht kritisch. Es hat seine Höhepunkte, es ist ziemlich praktisch, aber es hat auch derbe Schwächen.

Zu knapp geraten ist mir eigentlich die gesamte Zeit bis zur Gründung der Volksrepublik. Der Autor wagt es tatsächlich, Chinas Geschichte von der Ming-Zeit bis zum Jahre 2015 (eine Prognose!) zu beschreiben. Spence startet auch mit den Ming und kommt bis Deng Xiaopings Tod im Jahr 1997. Das aber auf knapp doppelt so vielen und deutlich größeren Seiten. Hier müssen also Informationen wegfallen und das merkt man auch. Yuan Shikais Herrschaft von immerhin vier ziemlich interessanten Jahren wird z.B. auf einer halben (!) Seite abgehandelt. Stellenweise wird es durch so drastische Verkürzungen auch unklar und manche Zusammenhänge erschließen sich nicht. “War Yuan Shikai damit etwa eine unwichtige Nebenperson?”, fragt man sich. Sicher nicht!

Später verändert sich das aber und das Buch wird besser. Da nicht so arg um die wichtigen Punkte herumerzählt wird, Seitz also viel schneller auch mal zum Punkt kommt, ist sein Werk zum Lernen einfach besser geeignet als Spence’. Die Kapitel werden wie gesagt mit Beginn der Volksrepublik auch länger und lassen sich besser in einen Gesamtzusammenhang einordnen. Besonders ausführlich ist das Werk ab der Zeit nach Maos Tod und dem Beginn von Deng Xiaopings Reformprogramm. Allerdings muss ich zugeben, dass mir das alles zu wirtschaftlich wurde und deshalb uninteressanter für mich ist als die Zeit vorher. Inflation hier, Deflation da, Wachstum soundsoviel Prozent… langweilig! Für Leute, die sich mehr für Chinas Volkswirtschaft und das ganze Reformprogramm im Detail interessieren, ist dieser Teil sicher höchst interessant. Wirtschaftswissenschaftler mit Chinabezug sind womöglich hellauf begeistert davon. Ich bin es nicht, werfe das aber nicht dem Buch vor. Nein, ganz im Gegenteil: Diese Aktualität ist sicher der größte Vorteil von “China: Eine Weltmacht kehrt zurück”. Wer sich gerade mit der jüngsten Vergangenheit beschäftigen möchte, kann hier getrost zugreifen.

Natürlich ermutige ich auch jeden, der einfach mal in die chinesische Geschichte hineinblicken will, das Buch zu lesen. Chinas Geschichte ist ganz schön interessant, gerade auch weil man ja sowohl in der Schule als auch in den Medien nie etwas darüber erfährt. China wird immer als Land mit sehr alter, wenn nicht ältester Kultur überhaupt bezeichnet, so richtig weiß aber niemand, was das eigentlich bedeutet. Und hey, nebenbei kostet das Buch auch nur sagenhaft günstige 12€. :)

Schriftzeichen im Boden

Schonmal so etwas gesehen? Sicher nicht. ;)

为人民服务
毛主席万万岁!
排除万难去争取胜利

Ok, für alle, die diese Links aus welchen Gründen auch immer nicht direkt anklicken wollen: Da sind riesige, mit etwa 50m Durchmesser große chinesische Schriftzeichen auf den Satellitenbildern von Google-Earth in Xinjiang.

Hab ich leider nicht selbst entdeckt, sondern bin über das schanghai.com-Forum darauf gestoßen. Dort konnte am Ende auch nicht wirklich geklärt werden, ob die nun tatsächlich da reingemeißelt wurden, oder ob hier ein Hacker im Spiel war. Wenn demnächst jemand mal nach Urumqi und Umgebung kommen sollte, bitte nachprüfen!

JA2: Wildfire

Mangels irgendeiner sinnvollen Beschäftigung an diesem Samstag Abend (Party, Alkohol) kam ich vorhin dazu, mein günstig erstandenes Jagged Alliance 2: Wildfire zu installieren und ein Stück weit zu spielen. Wildfire ist eine gepimpte Version von JA2, was ich schon vor gefühlten 150 Jahren, als es erschien, besitze und was sicherlich zu meinen Top-3-Lieblingsspielen gehörte. Da konnte meine militaristische Ader nämlich voll zur Geltung kommen.

Schockiert habe ich aber festgestellt, dass es mir eben kaum Spaß gemacht hat. Allerdings erst nach dem Spielen. Viel zu aufregend, viel zu frustrierend, da mir offenbar nun sogar der mittlere Schwierigkeitsgrad zu hoch ist und jetzt bin ich sogar noch darüber verärgert, dass ich in der Zeit besser etwas sinnvolleres getan hätte (Party, Alkohol).

Ich glaube, ich bin zu alt für Computerspiele.

Nun habe ich aber gerade heute Nachmittag einen Text gelesen, der erschreckend exakt auf genau das alles passt:

[...] Nach Abschluß der Tätigkeit, also etwa nach Ausschalten des Fernsehers, fühlen wir uns nicht nur – im Gegensatz zu den genannten Alternativtätigkeiten – besonders unbefriedigt, sondern unsere Zeiterfahrung erleidet eine einzigartige Metamorphose: Die Zeit schrumpft in der Erinnerung zusammen, vom Fernsehen oder Computerspielen bleibt in aller Regel nichts zurück, die Zeit “schnurrt” zusammen, sie schrumpft buchstäblich dahin. Sobald wir den Computer herunterfahren, wissen wir dabei schon, daß wir diese Zeit “verloren haben”, und dieses Wissen beruht nicht nur auf schlechtem Gewissen, sondern auf einem wenigstens im Prinzip nachweisbaren raschen Verlöschen von Erinnerungsspuren.

Und dann später die Erklärung dazu:

Die Attraktivität des Fernsehens liegt ja bekanntlich darin, daß es eine relativ hohe sofortige Befriedigung bei minimalem zeitlichen und psycho-ernergetischen Aufwand und ohne zeitliche Vor-Investition ermöglicht. Ein solches Konsummuster scheint in der kapitalistischen Gesellschaft systematisch begünstigt zu werden, so daß das Verfolgen anderer Muster nicht aus individueller Willensschwäche, sondern aus struktureller Notwendigkeit immer schwieriger wird.

Also erkennen wir daraus: Richtig handelt, wer den Computer gar nicht erst herunterfährt und Schuld an allem ist wieder mal der Kapitalismus.

BLCU

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Wie lange habe ich gewartet und musste ich vor Ungewissheit leiden, um endlich dieses Posting schreiben zu können? Ich werde ab September in China studieren und zwar an der

Beijing Language & Culture University

Vielleicht erinnert sich ja noch jemand und weiß daher, dass das meine erste Wahl gewesen ist.

JAAA! :-)

Ich werde mich nun für den Rest des Abends mit den Webseiten zur Stadt und zur Uni beschäftigen.