Mangels irgendeiner sinnvollen Beschäftigung an diesem Samstag Abend (Party, Alkohol) kam ich vorhin dazu, mein günstig erstandenes Jagged Alliance 2: Wildfire zu installieren und ein Stück weit zu spielen. Wildfire ist eine gepimpte Version von JA2, was ich schon vor gefühlten 150 Jahren, als es erschien, besitze und was sicherlich zu meinen Top-3-Lieblingsspielen gehörte. Da konnte meine militaristische Ader nämlich voll zur Geltung kommen.
Schockiert habe ich aber festgestellt, dass es mir eben kaum Spaß gemacht hat. Allerdings erst nach dem Spielen. Viel zu aufregend, viel zu frustrierend, da mir offenbar nun sogar der mittlere Schwierigkeitsgrad zu hoch ist und jetzt bin ich sogar noch darüber verärgert, dass ich in der Zeit besser etwas sinnvolleres getan hätte (Party, Alkohol).
Ich glaube, ich bin zu alt für Computerspiele.
Nun habe ich aber gerade heute Nachmittag einen Text gelesen, der erschreckend exakt auf genau das alles passt:
[...] Nach Abschluß der Tätigkeit, also etwa nach Ausschalten des Fernsehers, fühlen wir uns nicht nur – im Gegensatz zu den genannten Alternativtätigkeiten – besonders unbefriedigt, sondern unsere Zeiterfahrung erleidet eine einzigartige Metamorphose: Die Zeit schrumpft in der Erinnerung zusammen, vom Fernsehen oder Computerspielen bleibt in aller Regel nichts zurück, die Zeit “schnurrt” zusammen, sie schrumpft buchstäblich dahin. Sobald wir den Computer herunterfahren, wissen wir dabei schon, daß wir diese Zeit “verloren haben”, und dieses Wissen beruht nicht nur auf schlechtem Gewissen, sondern auf einem wenigstens im Prinzip nachweisbaren raschen Verlöschen von Erinnerungsspuren.
Und dann später die Erklärung dazu:
Die Attraktivität des Fernsehens liegt ja bekanntlich darin, daß es eine relativ hohe sofortige Befriedigung bei minimalem zeitlichen und psycho-ernergetischen Aufwand und ohne zeitliche Vor-Investition ermöglicht. Ein solches Konsummuster scheint in der kapitalistischen Gesellschaft systematisch begünstigt zu werden, so daß das Verfolgen anderer Muster nicht aus individueller Willensschwäche, sondern aus struktureller Notwendigkeit immer schwieriger wird.
Also erkennen wir daraus: Richtig handelt, wer den Computer gar nicht erst herunterfährt und Schuld an allem ist wieder mal der Kapitalismus.
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