Archiv für September 2006

Badaling

Badaling heißt ein Stück der Chinesischen Mauer, das in der Nähe von Peking liegt. Dort war ich am Samstag zusammen mit zahlreichen anderen ausländischen Studenten von der BLCU, weil die diesen Ausflug organisiert hat. Dort angekommen habe ich dann noch mehrere Mädels unterschiedlicher Nationen getroffen und wir sind dann gemeinsam über die Mauer gelaufen und haben Fotos gemacht.

Changcheng

Badaling ist der wahrscheinlich bekannteste Abschnitt der Mauer und dementsprechend viele Menschen waren auch dort. Zumal der Ausflug auch noch am Wochenende stattfand. Dadurch ist das ganze auch deutlich weniger spektakulär geworden, als ich eigentlich erwartet habe. Zwar ist das Mauerwerk und wie es sich über die Berge schlängelt schon sehr toll anzusehen, die Übermenge an Touristen senkt die Stimmung aber schon deutlich, denn dauernd muss man sich an Menschenmassen vorbeischlängeln. Auf der Mauer sprechen einen natürlich auch die üblichen Händler an, die Postkarten und Souvenirs verkaufen wollen.

Da bleibt einem eigentlich nichts anderes übrig, als an ein anderes Mauerstück zu fahren. Es soll sehr viel schönere Stellen als Badaling geben.

Vieles verboten

Rasenverbot

Haha, die haben etwas vergessen! Mit dem Fahrrad darf ich drüber fahren über diesen Rasen!

Aber was ist denn eigentlich das unten in der Mitte?

Wudaokou Kino

Gestern waren wir in einem chinesischen Kino und haben den neuen Film “The Banquet” gesehen. Im Prinzip lief das dort genauso ab, wie ein Kinobesuch bei uns. Allerdings sind es immer die Kleinigkeiten, die dennoch extrem auffallen.

So steht auf der Karte zwar Reihe und Platz, in diesem Kino sind aber weder an Reihen, noch Plätzen überhaupt Nummern. Nachgefragt wurde mir mit 随便你 (Wie du willst) geantwortet. Man darf sich also hinsetzen, wohin man möchte. Da wir recht spät kamen, weil man so etwas nicht wissen kann, mussten wir uns dann etwas an den Rand setzen, wobei das immer noch ein recht guter Platz war. Weiter oben waren auch noch Plätze frei, wobei die absolut null Beinfreiheit hatten. Man konnte sich da, solange man nicht mehr Kleinkind ist, eigentlich überhaupt nicht hinsetzen. Ansonsten ist bemerkenswert, dass der Film wirklich genau dann begonnen hat, wie es auch draußen angegeben war, nämlich um 21:30 Uhr. Die Werbung kam vorher schon.

Definitiv problematisch ist es gewesen, dass es viele Leute nicht geschafft haben, ihre Handys auszuschalten und die bimmelten dann fröhlich mehrmals während des Films. Mal aufgrund von SMS, mal wegen Anrufens. Ganz schlimm war dann aber das Ende. Exakt als der Abspann begann, wurde das Licht voll aufgedreht, alle stehen sofort auf und laufen in Richtung Ausgang. Wir blieben dann wenigstens noch zwei, drei Minuten sitzen, um dann zu sehen, dass noch vor Ende des Abspanns einfach alles ausgeschaltet wurde. Bamm. Schluss. Jetzt sofort nach Hause gehen.

Besta N910

Gestern habe ich mir folgendes neues Spielzeug gekauft:

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Das Gerät ist ein elektronisches Wörterbuch für Chinesisch und wie mit vielem zur Zeit, bin ich auch damit nicht so recht zufrieden. Die Störpunkte in Kurzform:

  • Bei Dunkelheit erkennt man überhaupt nichts mehr.
  • Schriftzeichen lassen sich zwar auf dem Display malen, ob das Gerät das Zeichen dann tatsächlich erkennt, scheint mir aber Zufall zu sein. Außerdem ist das Schreibfeld zu klein.
  • Bei “Chinesisch -> Englisch” steht kein Pinyin (also die Aussprache) dabei. Dafür muss man dann erst wieder umständlich auf “Chinesisch -> Chinesisch” umschalten.
  • Mehrere Schriftzeichen über Tatstatur markieren ist auch umständlich.
  • Schriftzeichen werden nach (nicht angezeigtem!) Pinyin und nicht nach Häufigkeit sortiert; so darf man dann auch bei häufig auftachenden Zeichen schön durch die Gegend scrollen.
  • Aber am allerallerschlimmsten: per Pinyin lassen sich nur einzelne Zeichen und keine ganzen Wörter eingeben und ich muss den richtigen Ton angeben! WAAH!

Das alles spricht definitiv nicht für das Gerät. Hinzu kommt eine allgemeine Umständlichkeit in der Bedienung, die deutlich einfacher sein könnte. Hat denn noch nie jemand einfach mal Wenlin in ein solches Gerät reingebaut? Ich würde es sofort kaufen. An sich sind die Dinger ja eine super Idee, nur muss dann auch die Software stimmen. Wenn ich durch die Bedienung länger brauch als fürs Nachschlagen im Buch, ist es überflüssig.

Gut finde ich aber das “Chinesisch -> Chinesisch”-Wörterbuch. Kennt man ja vom Oxford Learner’s Dictionary. Chinesische Zeichen werden auf Chinesisch erklärt, was wirklich gut zum Lernen ist. Noch halte ich das aber für zu schwierig. Die Erklärung muss ich ja wenigstens komplett lesen können, sonst bringt das auch nichts. Später ist das aber bestimmt die beste Art Zeichen nachzuschlagen.

Aus diesem Grund werde ich es auch behalten. Wobei… etwas anderes bleibt mir eigentlich ja eh nicht übrig.

Zum ersten Mal Unterricht

Heute Vormittag war zum ersten Mal richtig Unterricht. Der dauert mit kurzen Pausen dazwischen immer von 8:30 Uhr bis 12:30 Uhr, was einen also leider schonmal zum frühen Aufstehen zwingt. Gut dabei natürlich, dass dadurch der Nachmittag immer frei ist.

Nach den nun ersten Stunden bin ich noch völlig unschlüssig, was ich davon halten soll. Wir hatten heute zunächst Hanyu Jiaocheng, also stinknormaler Chinesischunterricht bei Frau Cao und später dann Hanyu Yuedu Jiaocheng, was im Prinzip fürs Leseverständnis gedacht ist. Das ist immer bei unserer anderen Lehrerin Frau Gao. Diese beiden Lehrerinnen haben wir immer und wir sind auch alle immer die selben Schüler in immer demselben Unterrichtsraum. Morgen kommt dann noch Tingli, also Hörverstehen dazu, was auch von Frau Cao geleitet wird. Leider sind wir doch relativ viele Schüler in der Klasse, somit besteht also auch hier die Gefahr, dass man sich in der Menge versteckt.

Das größte Problem, was ich im Moment sehe, ist der krasse Unterschied zwischen den beiden Lehrerinnen. Bei Frau Cao versteht man annähernd alles, was sie sagt. Sie wiederholt, spricht langsam und kommt mit simplen Sätzen zu dem, was sie sagen will. Überhaupt wird selbstverständlich ausschließlich Chinesisch geredet. Inhaltlich war ich aber gestern bei der Vorbereitung enttäuscht. Das, was dort im Buch steht, sind alles mir bekannte Dinge. Ich wusste fast alle Zeichen schon und es wurde ein Grammatikteil erklärt, den ich schon lange kenne. Im Unterricht bestätigte sich das dann zumindest teilweise, wobei ich dennoch merke, dass ich, wenn es darum geht, Sätze auch mal selbst zu formulieren, schon bei recht simplen Dingen ins Straucheln komme und nur einfachste Sätze formuliere. Insofern könnte es also durchaus sein, dass ich trotzdem richtig in diesem Kurs bin, auch wenn ich das Lehrbuch als deutlich zu einfach empfinde.

Das Alternativprogramm bei Frau Gao. Sie spricht schnell, benutzt viele verschiedene Ausdrücke, lange Sätze und erzählt um das herum, was sie eigentlich aussagen will. Es ist kaum möglich, diesem Tempo zu folgen und man kann sich schon freuen, wenn man die Grundaussage ihres Redens mitbekommt. Ich und auch meine Mitschüler fühlten sich völlig überfordert. Der Text, den wir heute im Buch gelesen haben, war jedoch auf dem passenden Niveau, denke ich.

Wovor schon vorher gewarnt wurde, war das elende Lesen als Gruppe. Die Lehrerin liest einen Satz und die gesamte Klasse wiederholt ihn im Chor. Das ist der größte Unsinn überhaupt, aber er wird immer und immer wieder gemacht. Bei uns von beiden Lehrerinnen, “weil ja nunmal nicht jeder Lesen kann, weil es zu viele sind und wenig Zeit ist”. Man muss das glaube ich anders sehen: Chorlesen ist die eigentliche Zeitverschwendung. Lieber lässt man einige einzeln lesen und den Rest erst beim nächsten Mal, als diesen Mist zu machen. Eine Universität, die sich auf das Lehren von Sprache spezialisiert hat und auf diesem Gebiet auch Forschung betreibt, sollte es eigentlich besser wissen.

Innerhalb dieser Woche könnte ich den Kurs noch wechseln. Wenn, dann würde ich versuchen eine Stufe nach oben zu kommen. Aber wenn ich mir so Frau Gaos Stil anschaue, dann bin ich hier offensichtlich genau richtig. Ich bin gespannt, wie morgen die Hörübung sein wird, denn gerade das will ich unbedingt so schnell wie möglich verbessern. Egal, was ich Reden kann, wenn ich die Antwort des Gegenübers sowieso nicht verstehe, ist es sinnlos.

Exportiert

Vorhin guck ich ein bisschen chinesisches Fernsehen und was seh ich da auf CCTV 10? Das da:

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Chinesisch synchronisiert, aber das Deutsche noch leicht im Hintergrund zu hören. :)

Houhai

Gestern waren Florian und ich mal ein kleines Stück von Beijings Nachtleben austesten und sind dafür mit dem Taxi in Richtung Innenstadt nach “Houhai”, nördlich des Beihai Parks, gefahren. Dort ist ein See, um den herum sich kilometerweit eine Bar an die nächste reiht. Die Auswahl war dann dermaßen groß, dass wir erstmal an allem vorbei gegangen sind. Wie immer wurden wir aufdringlich mit “Hello, how are you?” angesprochen. Vor den meisten Bars stehen mehrere Personen, die Gäste anlocken sollen, wobei dieses Verhalten zumindest für mich vielmehr abstoßend ist. Ich möchte gerne selbst aussuchen wo ich hingehe, was ich tue und was ich kaufen will. Mit diesem Problem habe ich hier aber eben nicht nur an solchen Touristenanziehungspunkten wie Houhai oder am Tiananmen-Platz zu kämpfen, sondern auch im Supermarkt. Bloß nicht zu lange auf irgendwelche Produkte schauen! Ansonsten wird man sofort beraten.

Angepriesen wurden auch immer wieder mal “Lady Bars” mit “Massage”. Nun wäre ja durchaus mal interessant zu erfahren, was genau das sein soll. Ich hab dann mal gefragt, wieviel denn sowas kostet und man antwortete mir “100元”, also gerade mal 10€. Ist das nun einfach nur “billig” oder tatsächlich nur “Massage”? Und was wird da massiert? Irgendwie werde ich das noch herausfinden. ;)

Wir gingen dann irgendwie bis zum Ende des Bargebiets und fanden uns dann plötzlich in einem ganz anders aussehenden Teil Pekings wieder. Schutt und Asche, Lastwagen und 24-Stunden-Baustellen, Obdachlose und Ecken, wo man glaubt, direkt im Kriegsgebiet zu sein. Ohne Karte hätten wir uns sicherlich übelst verlaufen, so aber konnten wir ausfindig machen, welcher Weg zurück zu den Bars führt. Dort kamen wir aber nicht an, da wir auf dem Weg eine, ich würde sagen mittelgroße, Disco fanden. Auch dort standen wieder Leute davor, die uns diesen großartigen Ort anpriesen. Als dann erklärt wurde, dass es keinen Eintritt (für uns?) kostet, entschieden wir, doch mal reinzuschauen. Der Laden war mindestens Mittelklasse und die Preise für Bier waren happig, also so wie in Deutschland und die Aufmachung war schon durchaus westlich orientiert. Das Ding hätte sicherlich durchaus auch in Berlin, London, New York oder Shanghai ;) seinen Platz gefunden.

Gut, was die Musik angeht, war das logischerweise nicht ganz mein Stil. Üblicher Disco-House und -Pop. Peking soll aber auch eine blühende Punk-Rock-Szene haben, die ich bald mal noch auschecken muss. In dem Club blieben wir dann doch ziemlich lange, gaben deutlich zu viel Geld aus und fuhren nachher heim, ohne in einer einzigen Houhai-Bar gewesen zu sein.

China-Bilder

Ich habe ganz vergessen zu erwähnen, dass ich ein paar meiner bisher geschossenen Bilder nun in der Galerie abgelegt habe. Ich werde auch versuchen, das regelmäßig dort zu erweitern, dann aber nicht jedes Mal ankündigen. Also ruhig immer mal wieder reingucken, wenn ihr wollt.