Houhai

Gestern waren Florian und ich mal ein kleines Stück von Beijings Nachtleben austesten und sind dafür mit dem Taxi in Richtung Innenstadt nach “Houhai”, nördlich des Beihai Parks, gefahren. Dort ist ein See, um den herum sich kilometerweit eine Bar an die nächste reiht. Die Auswahl war dann dermaßen groß, dass wir erstmal an allem vorbei gegangen sind. Wie immer wurden wir aufdringlich mit “Hello, how are you?” angesprochen. Vor den meisten Bars stehen mehrere Personen, die Gäste anlocken sollen, wobei dieses Verhalten zumindest für mich vielmehr abstoßend ist. Ich möchte gerne selbst aussuchen wo ich hingehe, was ich tue und was ich kaufen will. Mit diesem Problem habe ich hier aber eben nicht nur an solchen Touristenanziehungspunkten wie Houhai oder am Tiananmen-Platz zu kämpfen, sondern auch im Supermarkt. Bloß nicht zu lange auf irgendwelche Produkte schauen! Ansonsten wird man sofort beraten.

Angepriesen wurden auch immer wieder mal “Lady Bars” mit “Massage”. Nun wäre ja durchaus mal interessant zu erfahren, was genau das sein soll. Ich hab dann mal gefragt, wieviel denn sowas kostet und man antwortete mir “100元”, also gerade mal 10€. Ist das nun einfach nur “billig” oder tatsächlich nur “Massage”? Und was wird da massiert? Irgendwie werde ich das noch herausfinden. ;)

Wir gingen dann irgendwie bis zum Ende des Bargebiets und fanden uns dann plötzlich in einem ganz anders aussehenden Teil Pekings wieder. Schutt und Asche, Lastwagen und 24-Stunden-Baustellen, Obdachlose und Ecken, wo man glaubt, direkt im Kriegsgebiet zu sein. Ohne Karte hätten wir uns sicherlich übelst verlaufen, so aber konnten wir ausfindig machen, welcher Weg zurück zu den Bars führt. Dort kamen wir aber nicht an, da wir auf dem Weg eine, ich würde sagen mittelgroße, Disco fanden. Auch dort standen wieder Leute davor, die uns diesen großartigen Ort anpriesen. Als dann erklärt wurde, dass es keinen Eintritt (für uns?) kostet, entschieden wir, doch mal reinzuschauen. Der Laden war mindestens Mittelklasse und die Preise für Bier waren happig, also so wie in Deutschland und die Aufmachung war schon durchaus westlich orientiert. Das Ding hätte sicherlich durchaus auch in Berlin, London, New York oder Shanghai ;) seinen Platz gefunden.

Gut, was die Musik angeht, war das logischerweise nicht ganz mein Stil. Üblicher Disco-House und -Pop. Peking soll aber auch eine blühende Punk-Rock-Szene haben, die ich bald mal noch auschecken muss. In dem Club blieben wir dann doch ziemlich lange, gaben deutlich zu viel Geld aus und fuhren nachher heim, ohne in einer einzigen Houhai-Bar gewesen zu sein.

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