Wo ich vorhin schon etwas zu DVDs hier in China erzählt habe, ist mir eingefallen, dass ich unbedingt auch etwas zu Zhongguancun schreiben muss. Gerade hier finde ich, zeigt sich deutlich, welch große Unterschiede es marktwirtschaftlich (Oh! Ein zu großes Wort für einen so kleines Posting…) gibt.
Zhongguancun ist der größte Technologiepark in China. Es gibt dort zahlreiche riesige Geschäfte, in denen alles von Akkus bis Zip-Laufwerken verkauft wird, was man sich vorstellen kann. Diese Gebäude sind nicht nur groß, sondern haben 4, 5, 6 Stockwerke. Gut, soweit sind das erstmal nur überdimensionierte Mediamärkte ohne Besonderheiten, aber ganz ehrlich: Ich vermisse den Mediamarkt sogar.

Die Gründe dafür sind folgende. Zunächst mal herrscht in diesen Märkten keinerlei Ordnung. Die Stockwerke sind zwar angeblich nach Laptops, Mobiltelefonen usw. geordnet, das hilft bei dieser riesigen Verkaufsfläche aber überhaupt nicht. Nun ist es auch nicht so, dass es Regale gibt, in denen zu verkaufende Dinge, womöglich sogar noch mit Preisen dran, gibt. Nein, vielmehr ist die Verkaufsfläche in winzig kleine Minigeschäfte innerhalb des Marktes aufgeteilt. Es gibt also Ecken, in denen Lenovo etwas verkauft, Ecken mit Sony, Ecken mit chinesischen Firmen, die niemand kennt und Ecken, wo nicht klar ist, woher die Sachen nun eigentlich kommen.
Innerhalb dieser Minigeschäfte gibt es nun aber auch wieder kaum zu verkaufende Gegenstände. Die Auswahl ist auf den ersten Blick sehr beschränkt. Hinter den Theken stehen eigentlich einfach nur Leute herum, die Beratungsfunktion haben und Leute anbrüllen, damit sie etwas bei ihnen kaufen. Also wie ist das zu deuten?
Einkaufen läuft dort eben völlig anders ab. Ich muss wissen, was ich kaufen will und von welcher Marke es sein soll. Für mich erscheint es unmöglich in einen solchen Markt einfach reinzugehen, um mal zu schauen, was es denn so gibt. Weiß ich, was ich will, gehe ich zur entsprechenden Marke, die ich eben auch wissen muss, und frage dort nach. Weiß ich die Marke nicht, oder ist sie egal, frage ich irgendjemanden, wo ich das gesuchte Gerät bekommen kann. Dann wird mir erzählt, ich müsse ein bisschen warten und man holt das entsprechende Gerät von irgendeiner anderen Stelle. Woher auch immer…? Dann kann man das Gerät ausgiebig betrachten und sich sogar vorführen lassen. Schließlich sind immer gleich mehrere Leute da, die einen beraten können.
Wobei hier auch einschränkend gesagt werden muss, dass immer alles, was man kaufen möchte, entweder “gut”, “sehr gut” oder “noch viel besser” ist. Beratung im eigentlichen Sinne bekommt man nicht. Viele Verkäufer sind auch schlichtweg völlig inkompetent und überfordert. Als ich einmal eine Deutsch-Chinesisch-Steckkarte für mein elektronisches Wörterbuch haben wollte, die es defintiv gibt, musste ich erst ewig warten, bis dann der Verkäfer mit einer SD-Karte zurückkam, wobei deutlich zu sehen ist, dass in das Gerät nur die viel größeren CF-Karten hineinpassen. Er hat dann tatsächlich versucht die SD-Karte dort unterzubringen, wovon ich ihn gerade noch abhalten konnte. Dann wollte er die richtige Karte holen, hat mich nochmal warten lassen und kam dann zurück und hat sich entschuldigt, dass das nicht ginge. Sie hätten keine CF-Karten mit der entsprechenden Deutsch-Chinesisch-Software drauf. Tja.
Schließlich wird dann bei Gefallen der Preis für das Gerät ausgehandelt (!). Man fragt also, was es kosten soll und bekommt im Regelfall erstmal einen viel zu hohen Preis genannt, worauf man etwas herumhandelt, um dann den Eindruck zu machen, man sei nun wirklich wütend und wolle jetzt ohne das Gerät zu kaufen, gehen. Dann macht der Verkäufer nochmal ein niedrigeres Angebot und man kauft es schließlich doch.
Unterschiede zu unseren Elektronikmärkten also: Unordnung, kein “nur mal Gucken” möglich, keine festen Preise, viel Beratung, Ausprobieren gleich im Geschäft ist der Normalfall. Leider überwiegen hier die Nachteile deutlich, denke ich. Das “in Ruhe Einkaufen” fehlt hier wirklich an vielen Stellen. Nicht nur im Elektronikmarkt. Ich vermisse es.
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