Zum ersten Mal bin ich aus Peking raus, um mit dem Zug nach Tianjin zu fahren (Bilder dort). Wir haben uns entschlossen doch nur einen Tag dort zu bleiben und abends dann wieder zurückzufahren. Das geht problemlos, weil die Zugfahrt auch gerade mal anderthalb Stunden dauert. Wie so viele Städte in China ist auch Tianjin riesig, aber wir sind in Gegenden gekommen, die sehr angenehm ruhig sind. Der Lonely-Planet-Reiseführer hat uns zunächst zum Gebiet geführt, wo zahlreiche Gebäude aus der Kolonialzeit noch stehen und wo es dadurch aussieht, als befände man sich in Europa. Die meisten dieser Gebäude waren früher Banken der ausländischen Mächte. Heute sind teilweise immer noch chinesische Banken dort drin oder diese Gebäude wurden z.B. in Restaurants umgewandelt.
Danach haben wir dann die wirklich riesige Einkaufspassage entdeckt, die sich aber natürlich kaum von denjenigen hier in Peking unterscheidet. Sehr viel Krach, Menschen und Zeug, das niemand braucht. Wir haben uns dann entschlossen nach einer Antiquitätenstraße zu suchen, die sich ganz in der Nähe befinden musste. Wie aber schon so oft, mussten wir länger als erwartet suchen, gerade auch, weil die Karte im Reiseführer nicht gerade vor Übersichtlichkeit strotzt. Endlich angekommen befanden wir uns aber urplötzlich wieder in der totalen Stille. Alte Männer, die rauchend in kleinen Geschäften sitzen und alte Dinge verkaufen. Vieles war garantiert nicht alt, sondern gefälscht. Gut sah es trotzdem aus. Ich überlegte, mir eine Mao-Bibel mitzunehmen, ließ es dann aber doch sein.
Später sind wir dann noch mit dem Taxi zu einer weiteren Straße gefahren, die wirklich sehr schön war und wo traditionelle Gegenstände wie Fächer, Schwerter, lokale Süßigkeiten und Jade-Figuren verkauft werden. Will man wirklich mal viel Geld hier ausgeben, kann man sich dort problemlos mit 5.000 €-Jadeschmuck eindecken. Diese Straße war auch nicht so dermaßen pseudo-traditionell gestaltet, wie z.B. die Qianmen-Gegend in Peking, wo ein paar alte wirkende Häuser stehen, in den Geschäften dann aber trotzdem Socken verkauft werden. Das hier war mir viel sympathischer. Übrigens haben wir während des gesamten Tages gerade mal fünf Ausländer gesehen.
Das Vorurteil, dass alle Städte in China gleich seien, kann ich, nach dem Besuch Tianjins so erstmal nicht bestätigen.
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