Mir ist aufgefallen, dass ich noch überhaupt nichts zur Verkehrssituation in Peking geschrieben habe und dabei ist das sicher eines der Dinge, die dem ordnungs- und sicherheitsliebenden Deutschen als erstes auffallen werden. Ich sage es ganz ohne Übertreibung: Die Situation ist nicht einfach nur schlimm und lebensgefährlich, sondern das blanke Chaos.
Kommt man hier her, glaubt man zunächst einmal, dass eigentlich gar nicht bei Rot angehalten wird, was so aber nicht stimmt. Die Autos, die geradeaus fahren wollen, halten sehr wohl an, jedoch können weiterhin einige sowohl nach links, als auch nach rechts abbiegen. Da die Straßen sehr breit sind, ist es als Fußgänger schwierig zu erkennen, was nun dabei Abbiegespur ist. Wo darf nun noch gefahren werden und wo wird vermutlich angehalten? Außerdem wird so schnell von Grün wieder auf Rot geschaltet, dass man eh fast immer bei Rot über die Straße geht. Bei den abbiegenden Autos kann man manchmal einfach nur hoffen, dass sie vor einem anhalten, wenn man ein Stück zu weit gegangen ist. Manchmal muss man auch inmitten der Straße stehenbleiben, wobei hinter und vor einem Busse und Lastwagen vorbeirauschen.
Auf kleineren Straßen allerdings geht bei Überfüllung dann auch dieses letzte bisschen Ordnung durch rote Ampeln verloren und jeder fährt wie er möchte. Falls es eng wird, hupt man und fährt dann einfach. Oder fährt einfach los und hupt dabei. Vor allem Busse und Taxis benutzen die Hupe dabei oftmals nicht in einer noch einigermaßen gesitteten Art und Weise, also mal kurz draufdrücken, sondern permanent über mehrere Sekunden. Selbst wenn genug Platz da ist, wird gehupt. Prävention, dass auch ja keiner da noch vorbei will. Die Hupe ersetzt auch in vielen Fällen den Blinker.
Erschwert wird all das durch die zahlreichen Fahrradfahrer. Ich bin schon länger auch einer von diesen, benutze das Rad aber jedes Mal mit mulmigem Gefühl im Magen. Die Straßen sind verhältnismäßig gut fürs Fahrradfahren ausgebaut, denn es gibt auf beiden Seiten immer eine extra Fahrradspur. Natürlich wird auch diese manchmal einfach von hektischen Autofahrern zum Überholen mitbenutzt, Busse halten darauf an und Taxis stehen darauf, um auf Fahrgäste zu warten. Zwar ist es eigentlich nicht erlaubt mit dem Fahrrad auf der linken Fahrradspur zu fahren, getan wird es natürlich trotzdem. So kommen einem also auch Fahrräder entgegen, wobei ich bisher noch nicht ein einziges Fahrrad mit Licht gesehen haben. Nicht eins.
Mittlerweile habe ich mich an all das einigermaßen angepasst und fahre auch zwischen den im Stau stehenden Fahrzeugen hindurch, nutze blockierte Kreuzungen auch bei Rot und überhole bereits anfahrende Busse, wenn es so aussieht, als könnte ich es schaffen. Tut man all das nicht, kann es passieren, dass andere Fahrradfahrer einem hinten rein fahren oder man wird, so wie ich letztens, einfach von Autos “angeschoben”.
Ich habe auch bereits erlebt, wie eine Fahrradfahrerin an einer Kreuzung von einem Auto umgefahren wurde, wobei sie allerdings gerade nicht auf ihrem Rad saß. Ihr ist nichts weiter passiert, der Autofahrer hat sich daraufhin aber nicht einmal bemüht, aus dem Auto auszusteigen und wollte einfach weiter fahren. Die Fahrradfahrerin hat sich nun direkt vor das Auto gestellt, um sich zu Recht lautstark zu beschweren. Das ging dann eine Weile so, bis das Auto doch noch irgendwie an ihr vorbei kam und weiterfuhr.
Es stellt sich bei mir nun die Frage, ob das alles daran liegt, dass hier in der Öffentlichkeit schlichtweg zu wenig Rücksicht genommen wird oder ob es – schlau gesagt – systembedingt die schiere Masse an Verkehrsteilnehmern ist. Ersteres ist nicht gerade abwegig. Ich habe schon von mehreren Stellen die These gehört, dass Chinesen zwar überaus freundlich und rücksichtsvoll zwischen Familienmitgliedern, Freunden und unter bloßen Bekannten sind, dieses in der anonymen Öffentlichkeit aber vollkommen fehlt. Auf jemanden, den man nicht kennt, muss auch keine Rücksicht genommen werden. Eine sicher beobachtenswerte Angelegenheit.
Hi,
mein Kommentar passt nicht unbedingt zum obigen Thema, aber egal. Meinen Blog ‘Die Chinesische Welt’ gibt es nicht. Noch einmal danke für’s verlinken.
Gruß
Florian