Archiv für Januar 2007

Beim Friseur

Ich war gestern wieder beim Friseur. Man begrüßte mich freundlich, ließ mich zum Haare waschen nach hinten gehen, hinlegen und wusch. Dabei wurde ich gefragt woher ich komme, ich antwortete. Ich wurde gefragt, wie lange ich schon da sei. Ich antwortete. Ich wurde gefragt, wie lange ich noch bleibe. Ich antwortete wieder. Ich wurde außerdem gefragt, ob ich an der Beiyu studiere. Ich bejahte dies. Ich wurde gefragt, ob es in Deutschland kalt sei. Ich sagte Nein. Nicht so kalt wie in Peking. Ich wurde gefragt, ob ich in den Ferien nach Hause fliegen würde. Ich verneinte.

Danach ging ich zu dem Stuhl, wo mir die Haare geschnitten werden sollten. Der Friseur kam. Ich wurde gefragt woher, wie lange schon, wie lange noch, wo ich studiere, wie das Wetter in Deutschland ist, wann ich nach Hause fahren werde. All das beantwortete ich nochmal. Und ergänzte, dass ich auf den Taishan klettern will. Der Friseur war noch nicht dort.

Dann sollte ich nochmal nach hinten gehen, um die Haare nach dem Schneiden ein weiteres Mal waschen zu lassen. Warum auch nicht? Eine andere Mitarbeiterin war nun da und fragte mich… woher, wie lange schon, studieren an Beiyu, ob Chinesisch schwierig zu lernen sei. Aha, eine Änderung! Sie hat sicher vergessen, nach dem Wetter zu fragen. Ich beantwortete alles noch ein drittes Mal und sagte, dass Chinesisch schwierig ist.

Ich war nun zum Dritten Mal in diesem Friseurladen und es war jedes Mal fast genauso.

Es ist nicht so, dass mich die immer wieder gleichen Fragen aufregen würden. Man gewöhnt sich ja dran und beantwortet sie irgendwann im Schlaf. Ich verstehe auch gut, dass das nunmal die ersten Dinge sind, die man einen offensichtlichen Ausländer fragt. Aber warum ist das eigentlich so? Müsste man die “Ausländerthemen” aufgrund von Political Correctness nicht erstmal weglassen und z.B. über das Wetter in China reden? Ist es unhöflich zu fragen, wie lange ich bleibe? Vier verschiedene Gründe fallen mir für all das ein:

Einigen wir uns auf Unentschieden

Ich habe jetzt drei Tage Kampf mit einer SD-Speicherkarte hinter mir. Wir beide haben uns nun dazu durchgerungen diese Schlacht endlich zu beenden, um uns weitere Verluste von Nerven zu ersparen.

Mein uralter Thomson Lyra MP3-Player kann mit SD-Karten vergrößert werden. Bisher hatte ich nur eine geradezu winzige 256MB-Karte dort drin, was eben nur gerade mal für die aktuellen Smash-Hits, die ich den ganzen Tag hören könnte, reicht. Für die Reise wollte ich mir dann spontan eine größere 2GB-Karte kaufen. Das Ding hat mich gerade mal umgerechnet 15 Euro gekostet.

Nach dem Ausprobieren und den ersten draufgespielten 592MB Daten plötzlich die Fehlermeldung es könne nichts mehr kopiert werden. Genau die Fehlermeldung, die kommt, wenn ein Datenträger voll ist. Der Computer behauptete aber weiter, es wären noch gut drei Viertel der Karte frei. Danach dann formatiert, wieder probiert, anders formatiert, im Netz gesucht, nochmal formatiert – immer noch nichts. Stillstand bei 592MB. Linux angeworfen und gemerkt, dass sich die Karte nicht einmal mounten ließ (was ich bis jetzt immer noch nicht verstehe).

Bekannte

Der Kommentar von Heide hat mich eben dazu bewegt mal wieder einen tiefsinnigen Text der Kategorie “nachgedacht” zu verfassen. Ganz ohne China-Zeug!

Ich habe den Eindruck, dass sich der Begriff “Freund” mehr und mehr verändert und sich dabei hin zum “Bekannten” verschiebt. Mir kommt es vor, als haben die Leute kaum mehr “Bekannte”, sondern alle sind irgendwie gleich “Freunde”. Klar, klingt ja auch besser. Solch gar schrecklichen Erfindungen, wie das Studi-Verzeichnis, verschlimmern das alles noch. Jeder, mit dem ich mal einen Satz geredet, oder den ich auch nur mal in einer Vorlesung gesehen habe, wird als “Freund” hinzugefügt. Es gibt keine Abstufung. Irgendwann haben Leute da 100 Freunde, wovon sie von 70 gerade mal wissen wie sie heißen und was sie studieren (Grobe Schätzung).

Auch rein auf Internetbasis hat man plötzlich “Freunde”, obwohl man sich nie im Leben vorher getroffen hat. Früher hat man da von “ich hab da so nen Internetbekannten aus Argentinien…” geredet, heute ist derselbe plötzlich “einer meiner Freunde in Argentinien”.

Was ist der Grund? Vielleicht liegt es daran, dass die deutsche Sprache da mal wieder anglistiziert wird und man eben nun genauso schnell “Freund” wird, wie man “friend” ist. Zwar gibt es auch im Englischen das Wort “aquaintance”, aber das benutzt ja kein Mensch. Und hier der überzeugende Beweis dafür. Googlet man die vier Begriffe und bildet das Verhältnis, ergibt sich:

114.000.000 mal Freund / 8.220.000 mal Bekannter = 13.9
1.200.000.000 mal friend / 11.400.000 mal aquaintance = 105.3

Aha! Mathematisch bewiesen!

Der gute alte Bekannte wird aussterben.

(*HUST* Im Chinesischen übrigens: 376.000.000 mal 朋友 (Freund) / 3.840.000 mal 熟人 (Bekannter) = 98)

Reiseroute

Endlich steht unsere Reiseroute für die Ferien und so sieht sie aus:

Zunächst geht es nach Shandong zum bekannten Tai Shan, auf den wir hochwandern werden. Das soll laut Lonely Planet etwa 8 Stunden dauern und sowohl kalt, als auch anstrengend sein. Danach geht es mit dem Zug weiter nach Luoyang, wo wir unter anderem die Longmen-Grotten besichtigen werden. Anschließend fahren wir nach Xi’an mit der absoluten Megaattraktion: Qin Shihuangdis Terrakottaarmee. Unsere letzte Station soll dann Shanghai sein, wo wir allerdings hinfliegen wollen, da die Zugfahrt hier sehr lange (mindestens 18 Stunden) dauern würde. In Shanghai wollen wir einige Zeit bleiben und dabei je einen Tagesausflug nach Hangzhou und Suzhou machen. Hangzhou soll die schönste Stadt Chinas sein. Das gilt es natürlich nachzuprüfen. Mit dem Zug fahren wir danach dann nach Peking zurück. Ingesamt haben wir dafür 20 Tage einkalkuliert, wollen dabei natürlich nicht nur die gerade erwähnten Hauptsehenswürdigkeiten, sondern auch noch die etwas unbekannteren Orte anschauen, wenn wir schonmal dort sind.

Leider wird es damit also erstmal nichts mit Hongkong, Macao, Hainan und Yunnan – also der Süden. Das Land ist einfach zu groß, um all das auf einmal zu sehen und gerade für Yunnan muss man wohl auch etwas mehr Zeit einplanen.

Start der Reise ist am 21.01.

Offline

Ui, ich komme zur Abwechslung mal wieder auf meine Seite. Genau eine Woche ist es jetzt her, dass ich nicht mehr vernünftig auf ausländische Webseiten zugreifen kann. Das bedeutet, dass ich weder an meine E-Mails herankomme, noch welche schreiben kann, noch auf diese Webseite komme. Erst dachte ich, es läge am Netzwerk des Wohnblocks. Man schickte mir einen Spezialisten hoch, der dann erklärte, alle hätten momentan diese Probleme, chinesische Webseiten (und Google…) funktionierten aber problemlos. Ich fragte ihn, woran das denn läge, mit seiner Erklärung konnte ich aber nichts anfangen, weil ich zu diesem Zeitpunkt das Wort 地震 (Erdbeben) noch nicht kannte.

Letzte Woche gab es vor Taiwan ein Erdeben, was zwei Kabel zerstört hat. Nun ist die Geschwindigkeit ins Ausland so dermaßen langsam, dass es oftmals überhaupt nicht klappt. Auch Telefonanrufe übers Festnetz sollen betroffen sein.

So wie ich es mitbekommen habe, kann das ganze auch noch ein Weilchen dauern, bis es wieder normal funktioniert. Wundert euch also nicht über die lang andauernde Stille hier.