Bekannte

Der Kommentar von Heide hat mich eben dazu bewegt mal wieder einen tiefsinnigen Text der Kategorie “nachgedacht” zu verfassen. Ganz ohne China-Zeug!

Ich habe den Eindruck, dass sich der Begriff “Freund” mehr und mehr verändert und sich dabei hin zum “Bekannten” verschiebt. Mir kommt es vor, als haben die Leute kaum mehr “Bekannte”, sondern alle sind irgendwie gleich “Freunde”. Klar, klingt ja auch besser. Solch gar schrecklichen Erfindungen, wie das Studi-Verzeichnis, verschlimmern das alles noch. Jeder, mit dem ich mal einen Satz geredet, oder den ich auch nur mal in einer Vorlesung gesehen habe, wird als “Freund” hinzugefügt. Es gibt keine Abstufung. Irgendwann haben Leute da 100 Freunde, wovon sie von 70 gerade mal wissen wie sie heißen und was sie studieren (Grobe Schätzung).

Auch rein auf Internetbasis hat man plötzlich “Freunde”, obwohl man sich nie im Leben vorher getroffen hat. Früher hat man da von “ich hab da so nen Internetbekannten aus Argentinien…” geredet, heute ist derselbe plötzlich “einer meiner Freunde in Argentinien”.

Was ist der Grund? Vielleicht liegt es daran, dass die deutsche Sprache da mal wieder anglistiziert wird und man eben nun genauso schnell “Freund” wird, wie man “friend” ist. Zwar gibt es auch im Englischen das Wort “aquaintance”, aber das benutzt ja kein Mensch. Und hier der überzeugende Beweis dafür. Googlet man die vier Begriffe und bildet das Verhältnis, ergibt sich:

114.000.000 mal Freund / 8.220.000 mal Bekannter = 13.9
1.200.000.000 mal friend / 11.400.000 mal aquaintance = 105.3

Aha! Mathematisch bewiesen!

Der gute alte Bekannte wird aussterben.

(*HUST* Im Chinesischen übrigens: 376.000.000 mal 朋友 (Freund) / 3.840.000 mal 熟人 (Bekannter) = 98)

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1 Kommentar zu “Bekannte”


  1. 1 Meep

    Passend dazu: Dunbar’s number… hth

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