Beim Friseur

Ich war gestern wieder beim Friseur. Man begrüßte mich freundlich, ließ mich zum Haare waschen nach hinten gehen, hinlegen und wusch. Dabei wurde ich gefragt woher ich komme, ich antwortete. Ich wurde gefragt, wie lange ich schon da sei. Ich antwortete. Ich wurde gefragt, wie lange ich noch bleibe. Ich antwortete wieder. Ich wurde außerdem gefragt, ob ich an der Beiyu studiere. Ich bejahte dies. Ich wurde gefragt, ob es in Deutschland kalt sei. Ich sagte Nein. Nicht so kalt wie in Peking. Ich wurde gefragt, ob ich in den Ferien nach Hause fliegen würde. Ich verneinte.

Danach ging ich zu dem Stuhl, wo mir die Haare geschnitten werden sollten. Der Friseur kam. Ich wurde gefragt woher, wie lange schon, wie lange noch, wo ich studiere, wie das Wetter in Deutschland ist, wann ich nach Hause fahren werde. All das beantwortete ich nochmal. Und ergänzte, dass ich auf den Taishan klettern will. Der Friseur war noch nicht dort.

Dann sollte ich nochmal nach hinten gehen, um die Haare nach dem Schneiden ein weiteres Mal waschen zu lassen. Warum auch nicht? Eine andere Mitarbeiterin war nun da und fragte mich… woher, wie lange schon, studieren an Beiyu, ob Chinesisch schwierig zu lernen sei. Aha, eine Änderung! Sie hat sicher vergessen, nach dem Wetter zu fragen. Ich beantwortete alles noch ein drittes Mal und sagte, dass Chinesisch schwierig ist.

Ich war nun zum Dritten Mal in diesem Friseurladen und es war jedes Mal fast genauso.

Es ist nicht so, dass mich die immer wieder gleichen Fragen aufregen würden. Man gewöhnt sich ja dran und beantwortet sie irgendwann im Schlaf. Ich verstehe auch gut, dass das nunmal die ersten Dinge sind, die man einen offensichtlichen Ausländer fragt. Aber warum ist das eigentlich so? Müsste man die “Ausländerthemen” aufgrund von Political Correctness nicht erstmal weglassen und z.B. über das Wetter in China reden? Ist es unhöflich zu fragen, wie lange ich bleibe? Vier verschiedene Gründe fallen mir für all das ein:

  • Das ist eine kulturelle Angelegenheit. Einen “Ausländer”, der 20 Jahre in Deutschland gelebt hat und fließend Deutsch spricht, würde ich nicht mehr als Ausländer betrachten. Wer in China nicht wie ein Chinese aussieht, ist aber Ausländer. Selbst wenn ich den Rest meines Lebens in China verbringen würde, ich würde immer Ausländer bleiben und immer wieder diese Fragen hören. Man würde sich weiterhin wundern, wie ich denn Chinesisch sprechen könnte, und würde weiter staunen, wenn ich ein paar Zeichen aufs Papier schreibe. Dahinter steckt keine Wertung, aber eine Feststellung und eine immerwährende Trennung zwischen “wir” und “die anderen” oder eben meinetwegen auch 内 (innen) und 外 (außen).
  • Es liegt daran, dass China noch nicht allzu lange für das Ausland geöffnet ist. Alle Ausländer, die hier sind, können also noch gar nicht so lange da sein. Die meisten davon sprechen gar kein oder nur schlechtes Chinesisch und arbeiten in ausländischen Firmen oder studieren nur. Viele bleiben deshalb auch nur kurze Zeit in China. Demnach gibt es keinen Grund, sie als “gleich” zu behandeln. Daher fragt man sie auch, wie lange sie bleiben, eben weil es völlig normal ist, dass die Ausländer irgendwann wieder in ihr Heimatland zurückkehren.
  • Aber vermutlich stimmt das alles nicht und die Leute merken schlicht, dass mein Chinesisch zu schlecht ist und wollen dann eben nur möglichst einfache Fragen stellen, die ich auch mit Sicherheit beantworten kann. Es ist also Rücksichtnahme.
  • Oder es gibt im Friseurladen eine Liste mit Fragen an Ausländer, die gelernt werden muss und dann bei jedem Beiyu-Studenten abgefragt werden soll. Man erhofft sich so eine persönlichere Beziehung zum Kunden, damit dieser beim nächsten Mal auch wiederkommt. Der harte Konkurrenzkampf zwischen den unzähligen Friseuren in der Umgebung macht diese Vorgehensweise nötig.

Vielleicht ist es ein bisschen was von allen Vieren.

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1 Kommentar zu “Beim Friseur”


  1. 1 vorbeikommen

    …würde weiter staunen, wenn ich ein paar Zeichen aufs Papier schreibe…
    天不怕,地不怕,就怕老外讲中国话…

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