Archiv für April 2007

Mit dem Zug nach Qingdao

Vom 1.5. an wollen wir ein paar Tage lange eine deutsche Konferenz am Strand unserer schönen alten Kolonie Qingdao machen. Dafür muss man aber auch erstmal dort hinkommen und da vom ersten bis zum siebten Mai landesweit Ferien sind, fahren auch viele andere Leute in Touristenstädte wie Qingdao oder nach Hainan.

Gestern wollte ich dann dafür Zugtickets kaufen. Der Verkauf beginnt immer vier Tage vor Abfahrt um genau 19 Uhr. Das ist der Fairness wegen gedacht. Man muss sich also vor 19 Uhr vor einem Ticketshop anstellen und warten. Da ich gewusst habe, dass die Tickets schnell ausverkauft sein würden, stand ich ab 16:45 Uhr (!) schon da und war Achter in der Schlange. Eigentlich eine verdammt gute Ausgangsposition um Fahrkarten zu bekommen, dachte ich.

Ich wartete also nun über zwei Stunden stehend in der Schlange und irgendwann nach 19 Uhr ging es dann auch los. Plötzlich drängeln sich einige Leute von hinten weiter vor. Am Schalter ergibt sich eine wirres Gedränge und alle schreien durcheinander. Plötzlich fragt mich einer “你登记了没有?” (Hast du dich registriert?), was ich verneine und dann frage, was er damit meint. Irgendwie haben sich wohl Leute Tage vorher registriert, “damit der Ablauf schneller ginge”. Ich habe nicht wirklich verstanden, wie das mit der Registrierung nun funktioniert und habe erstmal weiter gewartet. Eine Frau, die etwas näher am Schalter steht, fragt mich, wann ich wohin wolle, worauf sie meint, sie würde mir helfen auch ohne Registrierung an Karten zu kommen. Zu diesem Zeitpunkt hatten vielleicht drei Leute Karten nach unterschiedlichen Orten bekommen und alle anderen riefen permanent weiter. Das war ungefähr so wie auf einem Basar, wo Produkte angepriesen werden. Hier aber anderesherum: Leute riefen, ob Karten für ihr Ziel da seien.

Die Frau, die mir helfen will, möchte auch nach Qingdao, hat aber auch selbst noch keine Karte. Sie fragt mich, ob ich über Jinan fahren möchte, die Chance dafür was zu bekommen, sei größer. Ich verneine, weil ich noch guter Hoffnung war. Hallo?! Ich bin Achter in der Reihe! Ich frage die Frau, warum niemand mehr eine Schlange bildet, sie sagt den in China vielleicht am häufigsten zu hörenden Satz: “没办法.” (Nichts zu machen.)

Weiteres Herumgeschreie und dann plötzlich jede Hoffnung verloren. Die Frau vorne seufzt und sagt, es gäbe keine Karten für einen direkten Zug nach Qingdao mehr. Ich kann es nicht glauben. Ich stehe vielleicht zehn Minuten seit Ticketfreigabe da, bisher haben noch kaum Leute Karten bekommen und nun soll schon alles weg sein? Wie geht das..?

Die Frau fragt mich, ob ich Fahrkarten haben möchte, mit denen man erst nach Tianjin und dann weiter nach Qingdao kommt, wobei man im Zug später den Aufpreis zahlt. Ich stimme zu und sie kauft für mich Karten, jede für gerade mal umgerechnet 2,40 EUR. Nur weiß nun niemand, wieviel es ab Tianjin mehr kosten wird und ob wir dann überhaupt unsere Sitzplätze behalten können. Außerdem fährt dieser Zug erst nach 10 Uhr Abends los, was so nicht gedacht war. Dann verlieren wir einen kompletten Tag.

China muss noch so viel verbessern. Beim Verkauf von Zugtickets aber anfangen!

Heute habe ich Flugzeugtickets gekauft und gestern länger in der Schlange gestanden als wir mit dem Flugzug nach Qingdao brauchen werden.

EFT

Mal was anderes. Probleme sich zu motivieren Hausaufgaben zu machen? Den Wecker zu stellen, um morgens pünktlich aufzustehen? Schwierigkeiten vor der Klasse Vorträge zu halten? Probleme mit Selbstbewusstsein oder Angst vor Spinnen? Schwierigkeiten mit dem Rauchen aufzuhören? – Für all das und irgendwie alles, was scheiße ist, gibt es vielleicht Abhilfe und das ohne zum Psychologen zu gehen: EFT (Emotional freedom techniques). Und zwar wird das durchgeführt, indem man bestimmte Punkte am Körper mit den Fingern beklopft. Klingt arg nach Hokuspokus und Esoterikkokolores, ich weiß. Aus welchen Gründen auch immer, es funktioniert aber tatsächlich ziemlich gut.

Das Ganze hat seinen Ursprung in der Akupressur und damit dann auch wieder entfernt… haha, in China. Jedenfalls bin ich auch recht schnell Fan geworden und praktiziere das wo auch immer es geht. Gestern habe ich z.B. Rückenschmerzen beseitigt.

Nicht nur, dass es wie ein Wunder wirkt, es ist dazu auch noch ultraeinfach zu lernen. Für die, die es ausprobieren wollen, empfehle ich die Seite tapping.com. Dort gibt es kostenlose Videos, wo vorgestellt wird, wie man es macht. Es gibt verschiedene Videos für unterschiedliche Probleme, wobei die Filme alle annähernd gleich sind, weil eben auch das Grundkonzept immer gleich ist. Egal um welches Problem es sich handelt.

Übrigens habe ich an einigen Stellen gelesen, dass die Methode mittlerweile auch streng wissenschaftlich untersucht wurde und positive Ergebnisse brachte und auch von vielen Berufspsychologen angewendet wird. EFT scheint tatsächlich kein Unsinn zu sein. Der Vorteil ist halt schlichtweg, dass es so einfach ist, dass man es selbst lernen und zu Hause machen kann.

Wer alles ganz genau nachlesen will, kann sich dort das E-Book vom EFT-Erfinder Gary Craig herunterladen.

Wie erkenne ich einen Deutschen im Ausland?

Sie sind ziemlich ernsthaft bei der Sache, wenn es ums Studieren der ausländischen Sprache geht. Lernen recht fleißig, haben aber auch teilweise überhöhte Ansichten was sowohl ihr aktuelles Level als auch ihre weiteren Fortschritte angeht. Sie achten insbesondere auf grammatische Regeln und wollen dabei dauernd alles ganz besonders genau wissen. Der Deutsche hasst Unlogik. Sie kommen entweder pünktlich oder gar nicht zum Unterricht. Verspätungen kommen nicht vor.

Ihr Outfit bewegt sich im mittelcoolen Bereich, wobei sie Klamotten tragen, die zwar nicht unbedingt stillos sind, dabei aber beileibe nicht an die Koreaner mit ihren bunten Schals, Mützen und Miniröcken herankommen. Farblich bewegt sich der Deutsche eher zwischen Schwarz und Beige. Mützen werden grundsätzlich nicht getragen und Jeans sind Pflicht. Die Frisuren sind eher schlicht und unauffällig. Männer kurz mit ein wenig Gel im Haar (bloß nicht zu viel!), Frauen halt mit typischen Frauenfrisuren.

Deutsche sind im Ausland verhältnismäßig zurückhaltend und man hört selten Leute wirklich auf Entfernung laut Deutsch reden (anders als USA-Englisch), sondern immer nur innerhalb von kleinen Gruppen in gemäßigter Lautstärke.

Sie sind zumeist (über?)kritisch, was ihre ausländische Umgebung und ausländische Lehrmethoden angeht und wissen oft alles besser und stellen alles erstmal in Frage. Selbst wenn sie es eigentlich mögen. Sie sprechen gerne Englisch, überbewerten ihren Kenntinisstand aber auch dabei und weigern sich zuzugeben, dass sie einen schrecklichen Akzent haben und falsche Wörter benutzen, die sie einfach aus dem Deutschen ableiten, um dann zu behaupten im Englischen wäre das genauso.

Pauschalisierung? Nein. Das sind natürlich Tatsachen, die für alle gelten! Immer! Überall!