Chinesisch lernen ist langwierig und man weiß nie, wie man sein eigenes Level richtig einschätzen kann (ganz sicher mal nicht über die Anzahl der Zeichen, die man kann, haha!). Ich werde mal wieder versuchen ein paar meiner wenigen Erfahrungen hier vorzustellen. Vielleicht würden bei einigen der Tipps Sinologieprofessoren und Chinesischlehrer auf der ganzen Welt die Hände über dem Kopf zusammen schlagen, aber ich schreibe das trotzdem aus – zumindest momentan – voller Überzeugung.
Übrigens ist es im Zweifel eh immer der vierte Ton. Der kommt nämlich am häufigsten vor. Es macht meiner Meinung auch durchaus Sinn, nur darauf zu achten Ton 1 und Ton 4 richtig zu treffen, wobei 2 und 3 wenig beachtet werden, weil 3 oft zu 2 wird und 2 meiner Meinung ziemlich schwach klingt. Dem monotonen Deutschen sehr ähnlich. Auf den dritten Ton achtet man schließlich nur noch, wenn er am Ende eines Satzes vorkommt: 你好。
* Zeichen schreiben können ist überflüssig: Hab ich das gerade wirklich geschrieben? Nun, man sollte sehr wohl so lange Zeichen mit der Hand schreiben üben, bis man alle Komponenten und Radikale drauf hat. So dass einem kein Teil eines neues Zeichens mehr neu vorkommt. Das dauert lange! Man darf auch nicht mehr lange überlegen müssen, wie eine bestimmte Komponente zu schreiben ist. Auch sowas wie 兼 sollten einem locker von der Hand gehen. Außerdem muss man sowohl wissen, wie die Strichreihenfolge, als auch wie die Strichanzahl bei jeder der Komponenten ist, denn sonst kann man nichts in normeln Papierwörterbüchern nachschlagen. Danach aber sollte man sich die Zeit sparen, jedes neue Zeichen immer und immer wieder schreiben zu üben. Mittlerweile gibt es Computer, die einem die Arbeit abnehmen, solange man das Pinyin weiß. Handschriftlich Chinesisch zu schreiben dauert lange und durch die hohe Zeichenvergessensquote muss man letztlich sowieso ständig wieder auch schon längst Gelerntes nachschlagen.
Daher sage ich, ab diesem Level nur noch Pinyin mit Ton und Bedeutung neuer Zeichen und Wörter zu lernen. Nicht aber diese auch von Hand zu schreiben. Man muss sie lesen und sprechen, nicht aber Strich für Strich schreiben können! So spart man sehr viel Zeit, denn Schriftzeichen Lesen lernen geht viel schneller als schreiben lernen.
* Aus dem Kontext lernen: “Erzähl mir was neues” werden viele denken, aber ich erwische mich ja auch immer noch, wie ich Vokabellisten versuche herunterzulernen. Man lernt jedoch viel schneller, wenn man ein Bild, eine Situation zum jeweiligen Wort im Hinterkopf hat. Das geht nur wenn es eingebettet in Kontext ist. Also kurzen Text nehmen, lesen, nix verstehen, Vokabeln durchgehen, mehr verstehen usw. – Hermeneutischer Zirkel oder so. Weder Vokabellisten anfertigen, noch bereits bestehende stur lernen, sondern stattdessen Texte mehrmals lesen.
* Auf vollständiges Verständnis achten: Jahrelang wurde mir im Englischunterricht und auch jetzt hier erzählt, dass es nicht wichtig sei beim Lesen wirklich alles zu verstehen. Stellen, mit denen man nichts anfangen kann, soll man überlesen und aus dem Kontext erschließen. Klar, das funktioniert und man versteht die Geschichte vielleicht. Man lernt aber recht wenig neues dabei. Man kann viel schneller Wörter lernen und man wird vor allem, wenn es um Übersetzung geht, viel genauer, wenn man versucht wirklich alles bis ins Detail zu verstehen. Also kurze Texte bearbeiten und jedes Wort nachschlagen, bei dem man sich über nicht über die Übersetzung ins Deutsche sicher ist. Ist nervig, aber bringt wirklich viel. Bei langen Texten oder sogar Büchern geht das natürlich nicht. Eigentlich nur bei Lektionstexten in Lernbüchern.
* Von nicht wissen über passiv zu aktiv: Ich habe festgestellt, dass man ein Wort erst wirklich gelernt hat, wenn man die ungefähr folgende Schritte durchlaufen hat:
Wort noch nie gesehen haben -> Pinyin vielleicht erraten können -> Pinyin des Wortes wissen -> Bedeutung innerhalb des Kontextes wissen -> Bedeutung ohne Kontext wissen (so wie’s im Wörterbuch steht) -> Wort in einem anderen Kontext erkennen (in einem anderen Text) -> Wort hören und identifizieren können -> beim Sprechen wissen, dass man das Wort eigentlich wissen müsste -> das Wort aktiv benutzen
Richtig Fortschritte macht man erst an den Stellen, wo sich der Kontext ändert und man hat dann einen Aha-Gedanken. “Ey das kenn ich! Was war das nochmal?” Dann muss man meistens nochmal nachschlagen. Erst an diesen Stellen prägt man es sich dann aber auf Langzeit ein. Gerade dort sollte man dann nicht zu faul sein, das Wörterbuch zu holen. Der Kosten-Nutzen-Aufwand ist groß! Man lernt dann mit hoher Wahrscheinlichkeit ein neues Wort!
* Kauft ein Beispielwörterbuch: Manchmal hat man keinen Kontext für ein Wort oder versteht ihn nicht völlständig. Dann hilft ein Wörterbuch, wo Beispiele drin stehen. Die normalen Wörterbücher haben zwar auch welche, aber diese genügen normalerweise nicht (meist nur ein Beispielsatz) oder sind schlecht. Ich benutze das 学汉语用例词典 und es ist goldwert. Wie man das ohne Amazon-China zu benutzen in Deutschland bekommen kann, weiß ich allerdings nicht. Vielleicht gibt es ja Alternativen.
* Mit Chinesen chatten: Da vor kurzem das sogenannte Internet erfunden wurde, kann man nun auch mit Menschen aus der ganzen Welt ganz einfach Textnachrichten austauschen. Übrigens braucht man nicht unbedingt die in China beliebten Messenger QQ oder MSN. Auch bei Skype und ICQ sind viele Chinesen angemeldet. Gerade wenn man wenige Möglichkeiten hat, mit Chinesen im realen Leben zu reden, ist Chatten oft die einzige Möglichkeit die Sprache aktiv zu benutzen. Nur so erreicht man die letzte Stufe meines oben erwähnten tollen Lernprozesses.
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