Archiv für Mai 2007

愿意呆下去

Die Zeit des Zurückkehrens rückt näher und ich will eigentlich gar nicht zurück. Am liebsten würde ich noch ein Semester länger bleiben. Ich merke, dass ich mich ziemlich an China gewöhnt habe. Alles ist mittlerweile besser als am Anfang, ich lerne immer mehr Leute kennen, ich kann einigermaßen kommunizieren und ich mag den Ort wo ich wohne. Der Unterricht ist zwar weiterhin langweilig, aber alles abgewogen bleibt ein zu positives Bild als dass ich froh sein könnte, wieder zurückzugehen.

Leider bleibt mir aber kaum eine andere Möglichkeit. Ich muss das Studium beenden und befürchte natürlich auch, dass Zurückgehen später noch schwieriger wird, wenn ich länger bleibe.

Es bleiben ein unangenehmes Gefühl im Magen und nur noch genau zwei Monate.

HSK-Ergebnis

Ich habe im HSK-Test Level 4 erreicht. Bei Ergebnissen von 3 bis 8 ist das eigentlich noch ziemlich schlecht. Ich hatte aber dennoch eigentlich nur den Plan irgendeine Stufe zu erreichen und nicht durchzufallen. Von daher sollte ich mich eigentlich freuen.

Trotzdem bin ich unzufrieden, denn erstens habe ich heute von Leuten aus meiner Klasse gehört, die Level 6 und 7 bekommen haben (ok, die sind auch Japanerinnen, insofern ist da ein fairer Vergleich kaum möglich) und zweitens weil meine Gesamtpunktzahl zwar Level 5 wäre, ich aber beim Leseverständnis zu schlecht gewesen bin und das dann das Endergebnis wieder runterzieht. Man muss in jedem Teilbereich die Mindestpunktzahl für die jeweilige Stufe erreichen. Beim Lesen hat das leider nicht für 5 gereicht.

Naja. 坚持下去吧.

Lerntipps für Chinesisch

Chinesisch lernen ist langwierig und man weiß nie, wie man sein eigenes Level richtig einschätzen kann (ganz sicher mal nicht über die Anzahl der Zeichen, die man kann, haha!). Ich werde mal wieder versuchen ein paar meiner wenigen Erfahrungen hier vorzustellen. Vielleicht würden bei einigen der Tipps Sinologieprofessoren und Chinesischlehrer auf der ganzen Welt die Hände über dem Kopf zusammen schlagen, aber ich schreibe das trotzdem aus – zumindest momentan – voller Überzeugung.

* Nicht so viel mit Tönen aufhalten: Die Töne werde überbewertet. Gerade Einsteigern empfehle ich das nur oberflächlich zu machen und stattdessen viel mehr auf die korrekte Aussprache der Silben zu achten. Unterschiede zwischen qi und chi, zi und ci sind für das Verständnis immer wichtig, Töne falsch zu sagen fast nie. Auch eine ganze Menge Leute, die auch gerade hier in China sind und schon vorher lange Chinesisch gelernt haben, sprechen viele Silben immer noch falsch aus.

Übrigens ist es im Zweifel eh immer der vierte Ton. Der kommt nämlich am häufigsten vor. Es macht meiner Meinung auch durchaus Sinn, nur darauf zu achten Ton 1 und Ton 4 richtig zu treffen, wobei 2 und 3 wenig beachtet werden, weil 3 oft zu 2 wird und 2 meiner Meinung ziemlich schwach klingt. Dem monotonen Deutschen sehr ähnlich. Auf den dritten Ton achtet man schließlich nur noch, wenn er am Ende eines Satzes vorkommt: 你好。

Mitbewohner

Endlich habe ich es mal geschafft auch diese hier zu knipsen:

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Ein recht großes Exemplar im Bad. Gar nicht leicht zu fotografieren, da sie sich normalerweise sehr schnell bewegen und sich in eher dunklen Ecken aufhalten. Anfangs fand ich die Kakerlaken noch sehr ekelhaft und habe versucht jede einzelne mit teilweise großem Aufwand zu erledigen. Ekelhaft finde ich es zwar immer noch, kümmere mich mittlerweile aber nicht mehr wirklich drum.

Qingdao

Qingdao als Stadt hat mir sehr gut gefallen und ich würde momentan behaupten auch dort gut ein Jahr verbringen zu können. Die Stadt ist für chinesische Verhältnisse einwohnermäßig wirklich klein, wirkte für uns durch ihre Ausdehnung aber trotzdem recht groß. Zwar beschränkt sich der eigentliche Stadtkern, wo die meisten interessanten Dinge sind, auf einen kleinen Bereich direkt auf der Halbinsel, einige Ziele für uns lagen aber außerhalb und waren nur nach langwierigen Fahrten in Bussen und Taxis zu erreichen.

Die Stadt sieht durch die Bauart der Häuser wirklich recht europäisch aus, wobei aber Lydia auch meinte, es wäre verglichen mit Shanghais französischer Architektur natürlich sehr ähnlich und damit nichts besonderes. Ich fand es aber wirklich hübsch und herausstechend, denn ich bin schließlich nur die Pekinger Plattenbauten gewöhnt. Hier ist ja eigentlich nichts wirklich europäisch aussehend.

Das größte Problem der ganzen Reise war aber zugleich das große Problem Chinas: 中国人太多 (Es gibt zu viele Chinesen), was meist als Begründung für jegliche Schwierigkeiten dieses Landes herbeigezogen wird. Meiner Meinung zu Unrecht, aber im Falle Qingdaos zur Zeit der Maiferien stimmt es mit Sicherheit. Die Menschenmassen waren kaum zu ertragen. Sowohl Strandpromenade als auch Unterwassermuseum und sogar der etwas entfernte Berg Laoshan waren voll mit Menschen.

Wir haben dennoch hin und wieder eines oder ein anderes einigermaßen ruhiges Plätzchen gefunden, um mal wenigstens den Ansatz eines Erholungsurlaubs hinzubekommen. Dennoch konnte die Badehose im Rucksack bleiben.

Auffällig war, dass wir auffällig waren. Haha. Was ich damit sagen will: In Qingdao ist man Ausländer überraschenderweise nicht gewöhnt. Die Blicke waren noch durchdringender als sonst schon, es gab Fragen danach, ob wir mit Stäbchen essen können (nachdem wir aber schon auf Chinesisch Essen bestellt hatten) und sogar Menschentrauben und neugierige Fragen am Strand. Das hätte ich bei einer solchen Touristenstadt nicht gedacht und war überrascht. Die Strandsache war sogar das krasseste, was ich bisher jemals in dieser Richtung erlebt habe. Ich fühlte mich ein bisschen wie ein Außerirdischer. Aber der Vergleich ist nicht so weit hergeholt. Einer der Chinesen sagte, viele dort kommen vom Land zum Urlaub machen und haben wirklich noch nie in ihrem Leben einen Westler gesehen. Und sowieso niemand hat jemals Westler getroffen, die Chinesisch reden…

Bilder gibt es vorne an der Wand links.