Das Chinesischlevel kann angeblich durch die Anzahl der Zeichen, die man kennt, festgestellt werden. So liest man überall im Internet Dinge wie:
Chinesische Schulkinder lernen heute ca. 3000 Schriftzeichen in den ersten 6 Schuljahren. Dies genügt zum Lesen von Büchern und Zeitungen. Chinesen, die mehr als 1500 Schriftzeichen beherrschen, gelten nicht als Analphabeten. Gebildete Chinesen beherrschen ca. 6000 Zeichen. Wenn man die 3500 am häufigsten gebrauchten Zeichen lernt, kann man immerhin ca. 99,7 % eines Textes lesen. (Quelle)
Natürlich ergeben sich bei einer solchen Betrachtung Probleme. Diese Annäherung ist extrem grob, zumal sich, wie hier schonmal erwähnt, chinesische Wörter meistens aus zwei Zeichen zusammensetzen. Was bringt einem da die Bedeutung nur eines der beiden? Außerdem sagt es maximal nur etwas über die Lesefähigkeit, nicht aber das Schreiben, Hören und Sprechen aus. Und überhaupt: Kontext ist Alles. Sagen isolierte Zeichen also überhaupt etwas aus?
Diese Einwände sind kaum von der Hand zu weisen, aber trotzdem ist es sicher interessant, zu wissen, wie viele man denn nun kann. Auch wenn es nur dafür ist, endlich mal diese Frage da oben beantworten zu können. Bisher musste ich wirklich immer sagen, dass ich nicht mal ansatzweise abschätzen kann, wie viele es sind. Wie kann man sowas aber herausfinden? Drei Möglichkeiten habe ich gefunden und bei allen dreien ergeben sich zwei Probleme.
Erstens die Definition von “Kann ich”. Wann darf ich sagen, dass ich ein Zeichen kann? Muss ich das Pinyin wissen, auch die Bedeutung, oder sogar noch selbst schreiben können? Im Prinzip kann natürlich jeder das für sich selbst definieren, allerdings sind die Ergebnisse dann natürlich nicht vergleichbar. Ich denke, es ergibt Sinn nur darauf zu achten, dass man Pinyin und ungefähre Bedeutung weiß, selbst Schreiben können aber nicht, denn letztlich beleuchtet die Schriftzeichenzahl ja wie gesagt nur, was man Lesen kann. Ums Schreiben geht es nicht.
Zweites Problem ist das der Ehrlichkeit. Belügt man sich selbst und sagt sich, das wusste ich jetzt nur nicht, weil ich noch keinen Kaffee getrunken habe, eigentlich hab ich das ja schonmal gesehen, theoretisch kann ich das – oder ist man ehrlich und sagt lieber mal “kann ich nicht”? Letzteres ergibt Sinn, denn dann kann man später gewissenhaft sagen, man könne “mindestens…” an Zeichen. Das klingt immer besser als “Ich kann ca…” oder “Ich kann höchstens…”.
Die drei Möglichkeiten:
1. Ein Wörterbuch nehmen, alle Zeichen durchgehen und ehrlich selbst bewerten, was man kann. Für jedes bekannte Zeichen einen Strich in einer Strichliste machen.
Diese Möglichkeit ist sicherlich die exakteste, aber das Problem ist offensichtlich. Es dauert ewig.
2. Eine Zeichenliste besorgen, die nach Zeichenhäufigkeit sortiert ist. Solch eine Liste gibt es z.B. dort. Nun geht man annäherungsweise vor, guckt also z.B. mal über die ersten 500 Zeichen drüber. Man muss sich selbst fragen “Kann ich die zum allergrößten Teil?” Wird das bejaht, geht man zu den nächsten 500 über. So geht das weiter, bis man dahin kommt, wo man nur noch recht wenig weiß. An der Zahl in der ersten Spalte kann man dann sehen, wie viele Zeichen man ungefähr kann.
Problem ist dabei nun auch, dass es ziemlich ungenau ist. Vielleicht könnte man das irgendwie mathematisch lösen mit einer Funktion wie “Wenn ich von Stelle A bis zur Stelle B X Prozent an Zeichen weiß, wieviel Zeichen Y weiß ich dann insgesamt?” Keine Ahnung, mit sowas kenne ich mich nun wirklich nicht aus.
3. Ein Programm bemühen, das mir anhand eines Tests sagt, was ich weiß. So ein Programm gibt es und es ist dort und es besteht aus Java. Leider ist auch dieses Programm offenbar äußerst ungenau. Es sagt mir nach dem 72-Zeichen-Test bei der Schwierigkeitsstufe “Advanced”, ich könnte ca. 2343 Zeichen. Das ist viel zu viel, denn wenn ich das mit Methode 2 überprüfe, weiß ich jenseits der 2000 eigentlich kaum mehr irgendwas. Ich müsste den Test mehrmals machen und dann den Durchschnitt nehmen, aber das dauert auch elend lange, gerade auch, weil dieses Java-Programm so urst lahm ist.
Das ganze Problem hat sich also noch nicht gelöst und es bleibt wohl doch nur noch, das Wörterbuch zu nehmen. So wichtig ist es mir dann aber letztlich nicht.
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