Petra Häring-Kuan – Meine chinesische Familie

Inhalt: Die wahre Geschichte von Petra Häring-Kuan, die schon seit den 70ern mit dem Chinesen Guan Yuqian verheiratet ist.

Das Thema dieses Buches alleine ist schon faszinierend, gerade weil es nicht häufig vorkommt. Es geht hier nicht um rasendes Wirtschaftswachstum, Menschenrechte, die Partei oder Weltmachtsprognosen, nein – Thema ist die chinesische Familie. Und es wird auch nicht aus soziologisch-wissenschaftlicher Sicht erzählt, sondern es sind persönliche Erfahrungen. Es kommt nur extrem selten vor, dass westliche Frauen einen asiatischen Mann heiraten und gerade das lässt riesige Erwartungen schon beim spontanen Griff nach dem Buch in der Buchhandlung entstehen.

Diese Erwartungen wurden bei mir nicht ganz erfüllt. Zwar ist es wirklich sehr interessant tatsächlich einmal einen tieferen Einblick in das Leben einer chinesischen Familie zu bekommen, es gibt aber ein paar Dinge, die ich zumindest für erwähnenswert halte.

Zunächst einmal wäre da die Familie an sich: Sie ist nicht gerade typisch. Sie gehört offensichtlich zur chinesischen Oberklasse, einige Mitglieder sind angesehene Parteimitglieder, können Englisch und haben Auslandserfahrung. Gegen Ende sind viele erfolgreiche Geschäftsleute geworden, die wöchentlich um die halbe Welt jetten. Mir ist natürlich völlig klar, dass man sich das nicht aussuchen kann. Es ist nur die Erwartung, die bei mir anders aussah. Ich rechnete mit einer durchschnittlichen Familie, die keine Biographie hat, bei der es mir mit dem Gedanken “das hat er doch nicht wirklich alles erlebt, oder?!” ständig die Luft wegbleibt.

Außerdem ist es manchmal sehr schwierig zu folgen, um wen aus der riesigen Familie es denn nun eigentlich geht. Es gibt sehr viele Personen mit sehr vielen unterschiedlichen Namen. Diese immer zuzuordnen ist mühsam, aber vielleicht auch nicht einmal nötig. Ich habe schon recht früh aufgehört, überhaupt noch darauf zu achten, welcher Cousin X und Schwägerin Y gemeint ist und was ich möglicherweise schon vorher von ihnen gelesen habe. Häring-Kuan ergänzt aber zumindest meistens den passenden Begriff der Verwandtschaftsbeziehung zum Namen. Außerdem bekommen die wichtigsten Personen sogar eigene Kapitel spendiert. Es sollte daher nicht unmöglich sein, sich die Personen zu merken.

Schon länger habe ich keinen Roman mehr gelesen und so kann es durchaus sein, dass mir die elende Fachliteratur das Gefühl für Sprache verändert, aber ich fand den Text sprachlich oftmals etwas zu umgangssprachlich, zu locker aus der Hüfte geschrieben. Manchmal sogar ziemlich naiv klingend. So wie hier in diesem Weblog. Häufig kamen mir solche Dinge in den Sinn wie “Oh nein, nun benutzt sie den Phraseologismus ‘aus allen Wolken fallen’ ja schon wieder!” ;)

Dennoch. Die Erfahrungen, die Petra Häring-Kuan gemacht hat, haben nicht allzu viele gemacht. Wer sich auch nur ein bisschen für China, aber nicht für Joint-Ventures in China interessiert, kann in das Buch ruhig mal reinschauen.

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4 Kommentare zu “Petra Häring-Kuan – Meine chinesische Familie”


  1. 1 Volker

    Hört sich ja mal ganz interessant an das Buch.
    Persönlich finde ich es mal ganz angenehm “locker aus der Hüfte geschriebene” Texte zu lesen. Du nicht? Tag für Tag diese hochtrabenden wissenschaftlichen Texte die einem vermitteln im grammatischen Steinzeitalter aufgewachsen zu sein. Manch einer der wissenschaftlichen Literaten verwendet auf 20 Seiten mehr Kommas, als in der ganze Bibeln gebraucht wurden.
    Aber jetzt mal zum Thema: Dem Buch. Es ist wirklich eine Besonderheit zu China zu finden, welches sich nicht mit dem aufstrebenden China in wirtschaftlicher Sicht befasst. Wobei ich mir die ganze Zeit die Frage stelle, ob es wirklich so selten ist, dass westliche Frauen nach China einheiraten. Gut, klar es werden weniger sein wie das vielleicht in den Fällen Deutschland-Türkei passiert. Gleichwohl ich aber denke, dass es eigentlich nichts wirklich sonderbares ist. Vorallem nicht in den oberen Klassen. In denen ja scheinbar die Familie verankert ist.

  2. 2 dragon888

    ich finde es gut, einmal dieses sehr sensible thema anzufassen.
    ich denke, dass macht allerdings einen riesen unterschied, ob es sich, wie bei der autorin, um die modernere higher society der chinesen handelt, in der man einheiratet oder ob es ich aber um sehr durchschnittliche oder wirklich arme chinesiche familien handelt.
    aus meiner persoenlichen erfahrung mit einem chinesen und einer gemeinsamen tochter, kann ich nur sagen, das letzteres, was leider auf mich zutraf, auf dauer keine erfolgsaussichten hat und wohl ein weiteres expample sind das “east meets west” im alltaeglichen leben oft scheitert.

    geld bedeutet alles-vor allem in china.

  3. 3 -thh

    Locker geschriebene Texte sind schön – wenn der Verfasser sie so schreiben kann, weil er die Sprache entsprechend beherrscht und nicht nur orthographisch und grammatikalisch, sondern auch stilistisch sicher ist. Wenn der Text deshalb “locker” geschrieben ist, weil der Autor die Schriftsprache nicht sicher genug beherrscht und daher auf umgangssprachliche Formulierungen zurückgreift, dann ist das dem Leseerlerbnis meist ausgesprochen abträglich.

  4. 4 Torsten

    ich habe sowohl das buch von petra hähring guan wie auch das von ihrem mann Guan Yuqian gelesen und beide haben mich sehr sehr fasziniert.

    da ich selber im bereich sinologie studiere hat mich das thema und vor allem die geschichte der beiden sehr interessiert. beide bücher sind sehr ergreifend geschrieben und man fühlt regelrecht mit den personen mit.

    das buch von frau häring guan ist tatsächlich etas umgangssprachlich verfasst aber es macht viel freude es so zu lesen. vor allem wie sie mit ihrer neuen familie zurechkommt und wie sie in diese familie aufgenommen wird.

    es werden zahlreiche brisante themen angesprochen und man kann die chinesische geschichte teilweise fast hautnah miterleben.

    das buch ist sehr zu empfehlen für menschen die einen tieferen einblick in die chinesische geschichte und gesellschaft wagen wollen. und natürlich ist auch die lebensgeschichte ihres mannes guan yuqian sehr lesenswert

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