Archiv für März 2008

Zeitungslektüre Lektion 1: Xinhuanet

In den letzten Tagen habe ich einige chinesischsprachige Online-Zeitungsmeldungen gelesen. Es ist auffällig, wie häufig sich einige Begriffe wiederholen. Einige scheinen schon fast Redewendungscharakter zu haben. Also welche Begriffe braucht man dringend, wenn man derzeit chinesische Pressemeldungen der Nachrichtenagentur Xinhua lesen will?

打砸抢烧事件 Dǎ-zá-qiǎng shāo shìjiàn

So wird der Aufstand offiziell bezeichnet. Auch in Nachrichtensendungen im TV: “Vorfall des Kaputtschlagens, Ausraubens und Verbrennens” – etwas schwierig zu übersetzen. 事件 gibt es einige in der chinesichen Geschichte und meistens hat es eine negative Konnotation, obwohl man es auch einfach mit Ereignis übersetzen könnte. Hier bietet sich aber “Vorfall” eher an.

暴力事件 bàolì shìjiàn
暴力行径 bàolì xíngjìng

Gewaltereignis und Gewaltaktion, ebenfalls eine Bezeichnung für die Ereignisse.

破坏藏传佛教的秩序 yánzhòng pòhuài le zàng chuán Fójiào de zhèngcháng zhìxù

die Ordnung des tibetischen Buddhismus zerstören

谴责 qiǎnzé

Das bedeutet “verurteilen” im Zusammenhang von “die Taten verurteilen”. Das war mir bisher auch völlig neu.

达赖集团 Dálài jítuán

Das ist die Dalai Lama-Clique. 集团 alleine mit der Bedeutung “Gruppe” hat eigentlich keine negative Konnotation.

抵制 dǐzhì

boykottieren

依法处置 yīfǎ chǔzhì

kraft Gesetzes behandeln

暴徒 bàotú

Der Mob. 徒 kommt übrigens auch in 信徒, dem Gläubigen vor. Es könnte mit “der Anhänger” übersetzt werden. Hier ist es ein Anhänger der Gewalt.

分裂活动 fēnliè huódòng
分裂动乱 fēnliè dòngluàn

Ersteres ist “Abspaltungsbewegung” und Letzteres ist eines Verbindung aus “Abspaltung” und “Tumult”. 乱 ist das “Chaos”, was in der chinesischen Politik das absolut Schlimmste ist, was passieren kann. Schon seit Konfuzius ist die Vermeidung des Chaos das Wichtigste, was die Staatsführung zu tun hat.

极少数不法分子 jíshǎoshù bùfǎ fènzǐ

Eine Handvoll Kriminelle. 极少数 ist hier wichtig, denn es drückt durch 极 aus, dass es hier um extrem wenige Kriminelle geht. Die absolute Mehrzahl verhält sich nicht gesetzeswidrig.

Viel Spaß beim Lernen. ;)

Nur die Ruhe

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Das ist eine dieser Umfragen bei Spiegel Online. Interessant, wie schnell der Beißreflex bei vielen einsetzt. So auch bei ein paar Politikern:

Der Sportpolitiker der Grünen etwa, Winfried Hermann, schließt einen Boykott der Olympischen Spiele in Peking als Konsequenz aus den blutigen Unruhen in Tibet nicht aus. Sollte es zu einem Bürgerkrieg kommen, müsse über eine Absage der Olympischen Spiele nachgedacht werden, sagte Hermann der “Berliner Zeitung”. Er forderte eine schnelle Aufklärung der Unruhen in Tibet. “Die Uno sollte ein internationales Komitee einsetzen und nach Tibet senden.” (Quelle: Spiegel Online)

Ein “internationales Komitee” also. Von der Uno auch noch. Vermutlich sogar mit Zustimmung Chinas im Sicherheitsrat. Soso…

Das geht alles viel zu weit. Zunächst einmal weiß niemand momentan, was eigentlich in Tibet los ist. Keiner weiß, was eigentlich genau passiert, aber alle sprechen vom Freiheitskampf der Tibeter. Wissen wir das wirklich?

Tatsächlich gibt es drei unterschiedliche Dinge, die vielleicht gerade passieren:

1. Freiheitskampf für ein unabhängiges Tibet
2. Aufsehen Erregen und auf Probleme aufmerksam machen
3. Randalierende Tibeter

Momentan sieht es für mich eher nach Randale aus. Und wenn es tatsächlich Freiheitskampf ist und es hier um Unabhängigkeit gehen würde, dann ist eines klar: In diesem Fall interessiert es die Volksrepublik einen feuchten Kehricht, ob die Olympischen Spiele stattfinden oder nicht, solange sie es schafft, Tibet weiter an sich zu binden. An der Spitze aller politischen Ziele der Volksrepublik steht schon seit ihrer Gründung die Einheit des Staates. Winfried Hermann sieht das vielleicht anders, aber im Vergleich dazu sind die Olympischen Spiele leider völlig bedeutungslos.

Falls es nun aber nur um das Erregen von Aufsehen geht, wird auch dann ein Boykott nichts bewirken. Es glaubt ja wohl niemand, dass nicht stattfindende Olympische Spiele plötzlich alles verändern würden. Vielmehr würde es dazu führen, dass die Volksrepublik international ihr Gesicht verliert und sich daraufhin erst recht stur stellt. Und wenn ich dabei von der “Volksrepublik” spreche, meine ich eben nicht nur ein paar Politiker an der Spitze, sondern vor allem sämtliche Bewohner des Landes. Bei solchen Dingen ist man sich in China schon immer sehr schnell einig gewesen. Gerade wenn es gegen die ungerechte Behandlung durch Europäer geht. Einen solchen Nationalismus will sicherlich keiner schon wieder. Auch nicht Winfried Hermann.