
Das ist eine dieser Umfragen bei Spiegel Online. Interessant, wie schnell der Beißreflex bei vielen einsetzt. So auch bei ein paar Politikern:
Der Sportpolitiker der Grünen etwa, Winfried Hermann, schließt einen Boykott der Olympischen Spiele in Peking als Konsequenz aus den blutigen Unruhen in Tibet nicht aus. Sollte es zu einem Bürgerkrieg kommen, müsse über eine Absage der Olympischen Spiele nachgedacht werden, sagte Hermann der “Berliner Zeitung”. Er forderte eine schnelle Aufklärung der Unruhen in Tibet. “Die Uno sollte ein internationales Komitee einsetzen und nach Tibet senden.” (Quelle: Spiegel Online)
Ein “internationales Komitee” also. Von der Uno auch noch. Vermutlich sogar mit Zustimmung Chinas im Sicherheitsrat. Soso…
Das geht alles viel zu weit. Zunächst einmal weiß niemand momentan, was eigentlich in Tibet los ist. Keiner weiß, was eigentlich genau passiert, aber alle sprechen vom Freiheitskampf der Tibeter. Wissen wir das wirklich?
Tatsächlich gibt es drei unterschiedliche Dinge, die vielleicht gerade passieren:
1. Freiheitskampf für ein unabhängiges Tibet
2. Aufsehen Erregen und auf Probleme aufmerksam machen
3. Randalierende Tibeter
Momentan sieht es für mich eher nach Randale aus. Und wenn es tatsächlich Freiheitskampf ist und es hier um Unabhängigkeit gehen würde, dann ist eines klar: In diesem Fall interessiert es die Volksrepublik einen feuchten Kehricht, ob die Olympischen Spiele stattfinden oder nicht, solange sie es schafft, Tibet weiter an sich zu binden. An der Spitze aller politischen Ziele der Volksrepublik steht schon seit ihrer Gründung die Einheit des Staates. Winfried Hermann sieht das vielleicht anders, aber im Vergleich dazu sind die Olympischen Spiele leider völlig bedeutungslos.
Falls es nun aber nur um das Erregen von Aufsehen geht, wird auch dann ein Boykott nichts bewirken. Es glaubt ja wohl niemand, dass nicht stattfindende Olympische Spiele plötzlich alles verändern würden. Vielmehr würde es dazu führen, dass die Volksrepublik international ihr Gesicht verliert und sich daraufhin erst recht stur stellt. Und wenn ich dabei von der “Volksrepublik” spreche, meine ich eben nicht nur ein paar Politiker an der Spitze, sondern vor allem sämtliche Bewohner des Landes. Bei solchen Dingen ist man sich in China schon immer sehr schnell einig gewesen. Gerade wenn es gegen die ungerechte Behandlung durch Europäer geht. Einen solchen Nationalismus will sicherlich keiner schon wieder. Auch nicht Winfried Hermann.
Args – dein Google-Hilite-Plugin spielt verrückt! (Habe ich gemerkt, als ich von Google Reader aus auf die deine Startseite gegangen bin.)
Öh, ich habe es einfach mal ausgeschaltet.
Lieber Matthias,
ich sehe das alles ein wenig anders. Ich finde, dass China hier gerade versucht was ordentlich zu vertuschen. Denn nur so kann man sich die Ausweisung aller internationaler Journalisten erklären. Auch wenn es randalierende Tibeter wären müsste doch die Pressefreiheit gewahrt werden. Gleichwohl dadurch offensichtlich würde, dass es hier um einfache Randale geht und nicht um politisch motivierte Unabhängigkeitskämpfe.
Egal um was die Tibeter kämpfen, die Chinesen haben immer noch nicht das Recht diese zu unterdrücken und radikal zu bekämpfen (Polizei mit militärischer Ausrüstung etc.). Was die Olympiade anbetrifft muss ich sagen bin ich innerlich noch zerissen was zu tun ist. Auf der einen Seite hast du vollkommen recht mit deinem Argument, dass China sich “einen feuchten Kehricht” um die Austragung der Spiele kümmern würde, wenn sie es endlich schaffen könnten ein vereinigtes China zu schaffen. Auf der anderen Seite jedoch merkt man gerade bei diesem Konflikt, dass China weit weit weg von einem “normalen” Staat ist. Unter “normal” ist für mich ein Staat zu verstehen, der die Grundrechte “Pressefreiheit”, “Versammlungsfreiheit”, “Informationsfreiheit” und vorallem “Menschenrechte” anerkennt. Und ich denke schon, dass China es verärgern würde und ein wneig zum Umdenken zwingen würde, wenn die Spiele nicht stattfinden würden. Ein stures Verhalten würde sie nur noch mehr im internationalen Ansehen herabsetzen. Es geht nicht nur allein um den Kampf in Tibet. Viele Dinge im Vorfeld sind einfach nur schlecht gelaufen und diskriminierend der eigenen Bevölkerung gegenüber gewesen (Bsp. Obdachlose). Eigentlich dürfte man solch ein Land nicht unterstützen.
Zugegeben: Jetzt ist das Kind bereits in den Brunnen gefallen und man wird nichts großartiges mehr bewirken können. Einzige Möglichkeit wäre es damals gewesen China erst gar nicht für die Bewerbung um die Olympiade zu zulassen! China steht so mit Russland auf einer Stufe und mit beiden Ländern möchte die Mehrheit der Länder nicht wirklich zusammenarbeiten und vorallem keine freudigen Spiele veranstalten. Ich würde es falsch finden, als Zuschauer in ein Stadion zu fahren wo ich ganz genau weiß, dass gerade in diesem Moment wo ich hier jubele Millionen von Chinesen unterdrückt und gefoltert werden! Für mich ein absolutes “No-Go”.
Hallo Volker,
ich denke, dein Einwände sind schon soweit richtig. Es ist natürlich äußerst seltsam für uns, dass China nicht einfach alles offen zeigt, wenn doch nur angeblich so wenig Gewalt von Seiten der Polizei und des Militärs angewendet wird, und wenn die Tibeter tatsächlich die Bösen sind.
Wahrscheinlich hast du Recht, dass doch mehr Gewalt angewendet wird, als die chinesische Regierung uns weismacht, aber man muss auch sehen, dass das Problem halt als innerchinesisches betrachtet wird. Die Chinesen werden schon seit 50 Jahren vom Westen wegen ihrer Tibet-Politik runtergemacht. Man will hier scheinbar das Problem lösen, ohne dass dauernd von außen alles kommentiert und kritisiert wird. Der chinesischen Regierung ist eben klar, dass sie es in dieser Frage eigentlich keinem im Westen recht machen kann.
Das konnte man leicht sehen. Ohne zu wissen, was los ist, wurde Gewaltverzicht von der Regierung gefordert. Aber nirgendwo war die Rede vom Gewaltverzicht der Tibeter.
Wir können nur schwierig die Situation in China mit unseren Maßstäben messen: Wo keine Pressefreiheit ist, kann auch keine gewahrt werden. Wo es keine Grundrechte gibt, können auch keine eingehalten werden. Und wenn das der Grund für ein Boykott der Olympischen Spiele sein soll, dann hätten die Kritiker schon viel früher einen solchen fordern müssen.
Ich will auf keinen Fall alles verteidigen, was so passiert, aber ich spreche mich für das Bewerten von beiden Seiten aus. Einseitigkeit ist zwar einfacher, aber meistens falsch.
“Wo keine Pressefreiheit ist, kann auch keine gewahrt werden. Wo es keine Grundrechte gibt, können auch keine eingehalten werden.”
Kapitel 2 der Verfassung der VR China enthält durchaus einen Grundrechte-Katalog – was natürlich in der Tat nicht bedeutet, daß es in China Grundrechte gibt.
Hehe, ja, bei der Verfassung kann man eigentlich schon nach der Präambel aufhören zu lesen.
“Wo keine Pressefreiheit ist, kann auch keine gewahrt werden. Wo es keine Grundrechte gibt, können auch keine eingehalten werden.”
Nun Matthias, das ist eigentlich ja ein Totschlagargument. Denn so wäre nie eine zivilisierte Welt entstanden. Denn ursprünglich gab es nirgends irgendwelche festgeschriebenen Rechte. Irgendwann einmal mussten die gemacht werden und das ist auch sinnvoll gewesen.
Auch, dass man bei der Verfassung der VRC nach der Präambel aufhören kann zu lesen zeigt doch wieder einmal, dass dieses Land einfach nur auf Grund seiner Größe und momentanen wirtschaftlichen Macht auf internationalem Parkett ernst genommen wird.
Aber auch nach deinem Kommentar bin ich nicht wirklich überzeugt, dass China es verdient hat die Olympiade auszurichten. Es ist klar, dass es hier unterschiedliche Interessen gibt die aufeinander treffen. Dass China Tibet nicht aus reiner Langweile angreift ist denke sich auch klar. Nur man sollte doch eine gewisse Verhältnismäßgkeit wahren.
“Der Aufstand in Tibet macht die chinesische Führung nervös. Sie plant jetzt aus Angst vor Demonstrationen, während der Olympischen Spiele keine Live-Aufnahmen vom Platz des Himmlischen Friedens mehr zu erlauben – dem Ort des Massakers von 1989″, so SPIEGEL ONLINE heute. Und dies ist nur eine von vielen dramatischen Schlagzeilen bei SPIEGEL Online. Klar ist eine Berichterstattung nie wirklich Objektiv, dennoch ist immer ein bisschen Wahrheit drin in einem solchen Artikel und dieses Bisschen reicht um das Ganze zu verurteilen meiner Meinung nach. Die machen doch was sie wollen, klar kann man jetzt mit der Souveränität eines Staates argumentieren, aber ich muss solche Aktivitäten nicht noch durch international angesehene Veranstaltungen belohnen und ich finde das tut man gerade im Moment. Ich verurteile solch ein Verhalten auf das Schärfste!
“Sie plant jetzt aus Angst vor Demonstrationen, während der Olympischen Spiele keine Live-Aufnahmen vom Platz des Himmlischen Friedens mehr zu erlauben”
Ich dachte, jeder Journalist mit IOC-Akkreditierung darf frei berichten? Wie paßt denn das jetzt zusammen?
Und wie sieht es eigentlich mit den Akkreditierungen für den Fackellauf nächste Woche aus, der ja auch durch Tibet geht? Hat man “vergessen”, das zu regeln?
“aber man muss auch sehen, dass das Problem halt als innerchinesisches betrachtet wird.”
Ja und?
“Wenn Ihr Euer Geld bei uns laßt, ist das ok, aber ansonsten mischt Euch nicht in unsere inneren Angelegenheiten ein.”? Dann kann man ja gleich nach Nordkorea fahren.
Ich nehme mir das Recht heraus, zu den “inneren Angelegenheiten” eines jeden Staates auf diesem Planeten meine Meinung zu sagen, und ich denke, daß ist auch mein gutes Recht, insbesondere als Privatperson.
Völkerrechtlich verbotene Einmischung fängt IMO erst dann an, wenn Maßnahmen ausgeführt werden, die der Ausübung von Hoheitsgewalt über Sachverhalte mit rein innerchinesischem Bezug gleichkommen – und keinen cm vorher.
Und ob wir unsere Athleten nach China schicken, ist allein unsere Sache.
Volker, China wird nicht nur aufgrund der wirtschaftlichen Erfolge international anerkannt, sondern – und das ist bei Tibet viel viel wichtiger – auch von Innen. Die Bevölkerung will im Moment überhaupt kein System, wie wir es hier haben. Die Kritik setzt eher an Problemen in der Verwaltung, Korruption und solchen Dingen an. Aber nicht daran, dass es keine Demokratie ist und die Grundrechte nicht eingehalten werden. Und da krame ich mal den alten Liberalismus heraus und sage: Wenn die Bevölkerung es nunmal nicht fordert, wird es auch nicht kommen und da kann die westliche Staatenwelt so viel reden, wie sie will. Solche Veränderungen kommen nur von Innen.
Die Angriffe gingen eigentlich von den Tibetern aus. Auf chinesische Geschäfte, die verwüstet und angezündet wurden.
Wie meinst du das mit “Tibet angreifen”? Die Chinesen sind doch schon da.
Ich werde Spiegel Online nicht mehr lesen. Die Tipp- und Rechtschreibfehler werden mir mittlerweile zu viel und es bringt halt nichts, Journalismus nur so zu machen, dass er schnell ist, ohne mehr richtig zu berichten.
Heute habe ich zwei sehr gute Artikel bei der Online-Ausgabe der FAZ und beim Economist gelesen. Guck dir das auch mal an, da wird ein bisschen anders an die Sache herangegangen und das spiegelt eigentlich ziemlich genau meine Betrachtung der Dinge wieder:
faz.net
economist.com
Die Medienpolitik momentan von China verstehe ich allerdings auch nicht so ganz. Was hat der Tiananmen-Platz jetzt genau mit Tibet zu tun? Die Übertragungen davon könnten sie ja immer noch stoppen, wenn dort Proteste beginnen. Momentan ist ja da nun überhaupt nichts. Daran sieht man, wie tief eigentlich die Angst bei der Regierung sitzt, dass doch irgendwas passieren könnte. Ich glaube, dass das eine übertriebene Angst vor dem eigenen Volk ist.
>“Wenn Ihr Euer Geld bei uns laßt, ist das ok, aber ansonsten mischt Euch nicht in unsere inneren Angelegenheiten ein.”? Dann kann man ja gleich nach Nordkorea fahren.
Da kommt man nicht so einfach rein. Und Geld lassen wir nicht in China, weil wir die Tibet-Politik ändern möchten, sondern weil wir am Ende mehr Geld zurückbekommen wollen. Und das klappt erstaunlich gut.
>Ich nehme mir das Recht heraus, zu den “inneren Angelegenheiten” eines jeden Staates auf diesem Planeten meine Meinung zu sagen, und ich denke, daß ist auch mein gutes Recht, insbesondere als Privatperson.
Kannst du ja gerne machen. Interessiert die chinesische Regierung aber nicht.
>Und ob wir unsere Athleten nach China schicken, ist allein unsere Sache.
Ich hoffe, dass die Athleten da auch noch ein Wort zu sagen haben.
“Die Bevölkerung will im Moment überhaupt kein System, wie wir es hier haben. Die Kritik setzt eher an Problemen in der Verwaltung, Korruption und solchen Dingen an. Aber nicht daran, dass es keine Demokratie ist und die Grundrechte nicht eingehalten werden.”
Als ob das eine mit dem anderen nichts zu tun hätte …
Gut Matthias!
Es ist schon alles richtig was du hier schreibst. Wobei man bei dieser Sache vielleicht nicht von “Richtig” oder “Falsch” sprechen sollte. Ich sehe es einfach nur so: Über Russland regt man sich auf ohne Ende auf dem internationalen Parkett, wenn es gegen das “eigene” Volk kämpft. Bei China ist es so, dass es irgendwie geduldet wird. Und hier bleibe ich bei meiner These: Alles nur weil China so mächtig, groß ist und es wirtschaftlich riesiges Potential für die lahmende Weltwirtschaft bietet.
Aus deinem so hoch gelobten FAZ-online Artikel will ich folgendes zitieren: “Doch in einem Fall wie diesem, wo so mächtige Interessenblöcke gegeneinander stehen, wächst mit den technischen Möglichkeiten auch der Verdacht: Jedes Bild, jedes Video kann auch manipuliert sein, von Berichten angeblicher Zeugen ganz zu schweigen.”
Dies zeigt doch, dass es gerade wichtig ist dass Medien zu gegen sind. Vor allem dann, wenn die “armen wehrlosen Chinesen” gar keine Schuld an der Eskalation besitzen. Wenn ich für was angeschuldigt werde und ich war es nicht, dann bin ich doch um jeden froh der mir hilft es zu beweisen. Im umgekehrten Falle ist es so, wenn ich was zu vertuschen habe ist es mir natürlich viel lieber keinen großen Rummel um mich herum zu haben. So muss China doch damit rechnen, dass gemutmaßt wird und vielleicht nicht zu ihren Gunsten. Und sowas kurz vor der Olympiade ist doch einfach nur Gift für die internationalen Beziehungen. Gerade weil doch auch China weiß wie schwierig es war die Staaten und Sportleute davon zu überzeugen, dass China eine Chance verdient hat. Nüch?
Heute in der ARD wurde gezeigt, wie Tibeter chinesischen Soldaten den weißen Schal des Dankes umlegten. Ob das nicht vielleicht grandiose Propaganda ist?! Nebenbei ist es sehr demütigend für die Tibeter.
Dann noch was. Du sagst: “Wenn die Bevölkerung es nun mal nicht fordert, wird es auch nicht kommen und da kann die westliche Staatenwelt so viel reden, wie sie will.” Ich glaube kaum, dass wir einschätzen können ob das Volk dies fordert oder nicht. Wie war es denn mit anderen totalitären “Demokratien”. Keiner durfte aufmucken. Siehe Russland: Kritiker werden nur manchmal laut und das nur für kurze Zeit und was dann letztlich mit diesen passiert hat man auch gesehen. Tod, die letzte Maßnahme eines Staates der veruscht was zu vertuschen!
Denk mal drüber nach!
Ich finde, dass dein Argument mit dem Liberalismus und der inneren Nicht-Forderung des chinesischen Volkes nach Grundrechten nicht wirklich zieht. Ich kann doch nicht sehen was in einem Haus passiert, wenn ich draußen stehe. Nur wenn ich wirklich drin bin und mich umschauen darf und erreiche ich eine klare Sicht der Dinge. Anders aber nicht! Nüch?!
Hier noch ein kleiner Hinweis um die Ehre von SpOn zu retten:
http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,542545,00.html
Es lohnt sich manchmal doch ein bisschen weiter zu schauen als nur auf die Artikel der Titelseite!
Nun, ob sich damit die Ehre retten lässt. Der Autor linkt auf http://pipes.yahoo.com/buckaroo/chinatweets, aber hat er da überhaupt mal draufgeschaut? Da ist nichts. Und bis auf den Link zu http://tenementpalm.blogspot.com/ sammelt der Artikel nichts wirklich interessantes.
Und die Spiegel-Online kommt in dem Artikel auch zu Unrecht sehr gut weg. Das Video, was da zu Youtube verlinkt, ist nebenbei gesagt eigentlich ein Zusammenschnitt von Informationen der chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua. SpOn stellt es aber so dar, als kämen die Inhalte aus der coolen und hippen Netzgemeinde. SpOn werden in dem Video auch selbst Vorwürfe gemacht. Darauf geht der Autor aber nicht ein, sondern tut das als Propaganda ab. Das Wort zieht halt immer. Da muss man dann nicht mehr sagen, klar.
“Manche der neuen Diskutanten mögen gedungene Propagandakräfte sein, andere vielleicht nur Freunde Chinas, die sich nicht damit abfinden wollen, dass das Land gerade mal wieder zum globalen Bösewicht gemacht werden soll.”
Ich glaube, damit meinen sie mich.
Bei Russland ist es halt so, dass man gehofft hatte, dass das Land sich nach dem Ende des Kalten Krieges in eine aus unserer Sicht positive Richtung bewegen würde. Leider zeigt sich mittlerweile das genaue Gegenteil. Sowas enttäuscht natürlich. China dagegen hatte seit der Öffnungspolitik extrem viele positive Entwicklungen durchgemacht. Insofern kann man schon mit Recht sagen, dass es auf einem relativ gutem Weg ist. Das sagen die Chinesen ja auch. “Wir wissen, dass es noch viele Probleme gibt und wir noch nicht so weit sind, wie ihr, aber wir sind schon weit gekommen. Gebt uns Zeit.”
Zum zweiten Punkt: Ich will nicht, dass hier Missverständnisse aufkommen. Natürlich wäre es gut, wenn Journalisten dort jetzt frei berichten könnten. Ich denke ja auch, dass diese Abschottung falsch ist. Wie man Dinge in der Öffentlichkeit richtig gut darstellt, müssen die chinesischen Politker noch lernen, glaub ich. Solche gestellten Szenen wie mit den weißen Schals sind echt übertrieben und wirken komisch.
Und zu dem Haus. Da war ich mal drin. Und Herr Heilmann auch. Ich lese zur Zeit wieder mal sein Buch und beziehe mich da einfach auf ihn als göttliche Quelle. Er weiß nunmal alles über China.
Nun, was soll ich dazu noch entgegnen!
So sei es!
Weiß nicht ob du es gelesen hast? Gestern der Artikel in der Süddeutschen Zeitung auf Seite 3. “Im Tempel der Bedrängten”, nicht nur der Titel Filmreif auch die Story. Selten so eine gute Reportage gelesen. Gleichwohl du jetzt nicht begeistert von diesem Artikel sein wirst und selbst zum Aufständigen aufkochen wirst.
Je mehr ich drüber nachdenke finde ich deine “Verschwörungstheorie” nicht haltbar. Nicht die ganze Welt kann schlecht sein und China nur gut. Was für Tibet gilt, gilt auch für Taiwan. Wenn da nicht die USA so mit drin wäre hätte China längst andere Töne dort unten angeschlagen. Wir kömpfen in Europa im Fall Zypern und Kosovo, dass Regionen zu Staaten werden können, weil sie es verdient haben und im Osten der Welt? Letztlich laufen aber alle Argumentationen auf die Fehlenden und auch aus deiner Sicht nichtgewollten Grundrechte hinaus. Mit der Würze, dass wir, die zur westlichen Welt gehören, den Chinesen nichts vorschreiben können und sollen. Und sowieso China immer einen Sonderstatus besitzen wird. Ich sage nur im ehemaligen Jugoslawien haben wir dafür militärisch gekämpft, dass eine Bevolkerungsgruppe nicht unterdrückt wird. Ich finde, dass China seine Rolle und seinen Status “wir müssen uns erst dran gewöhnen, wir sind noch nicht so weit wie ihr” ganz schön ausnutzt!!
Den Artikel konnte ich leider noch nicht lesen. Vielleicht heute, wenn ich wieder zurückfahre.
“Verschwörungstheorie” klingt so abwertend.
Naja, aber es ist ja nun definitiv so, dass wir militärisch bei Tibet nichts machen können, so wie es im Kosovo möglich war. Und heute habe ich auch irgendwo den Satz gelesen “Wir sollten nicht tibetischer sein als der Dalai Lama” – Das stimmt. Nicht einmal der fordert die Unabhängigkeit.
Natürlich ist es gut, dass der Westen fordert, dass China Menschenrechte einhält. Grundsätzlich gesehen jetzt. Ich halte es aber übertrieben, z.B. immer sofort Vergleiche zu Tiananmen zu ziehen und alles in Ordnung zu finden, was die Gegenseite tut, selbst wenn man noch nicht die genauen Umstände kennt.
Taiwan ist auf keinen Fall damit vergleichbar. Wenn ich sage, warum, wird meine Seite in China gesperrt. Das will ich nicht.
Ich bevorzuge da ja die Sichtweise, daß die Republik China sich von einer Fremdherrschaft und Besatzung in eine lokale Regierungsform entwickelt hat (nämlich seit den Verfassungsreformen, mit denen der komplette legislative Yuan neu gewählt wird).
Natürlich ist trotzdem eine durchgehende Kontinuität in der Ausübung von Staatsgewalt erkennbar – ein staatstheoretisch sehr interessantes Thema.