Archiv für April 2008

China-Serie im Stern

Jetzt schon in der dritten Woche hat der Stern eine Serie über China. Nun hatte ich überlegt, mir diese Serie anzuschauen, habe das dann aber doch nicht weiterverfolgt, weil es mir doch inhaltlich recht dünn erschien. Gottseidank hatte ich nun aber heute Zahnschmerzen und konnte mir deshalb im Warteraum der Zahnarztpraxis endlich mal einen Teil dieser Serie zu Gemüte führen. Danach wurde ich in den Behandlungsraum geführt, wo mir ein Weisheitszahn gezogen wurde. Aber darum soll es hier jetzt nicht gehen. Vielmehr möchte ich einmal das Titelbild zum Beginn dieser Stern-Serie etwas genauer betrachten:

Stern: China

Dieses Titelbild ist sicherlich das Klischeehafteste, was man überhaupt zu China machen kann. Dafür schonmal ein großes Lob an die Redaktion. Unten rechts haben wir schonmal einen chinesischen Kaiser, so wie man ihn sich vorstellen würde. Vielleicht ist es sogar der erste offizielle Kaiser Qin Shihuangdi. Aber das dürfte der Leserschaft herzlich egal sein. Jedenfalls ist das ganz ganz Alte also schonmal drin. China ist nunmal die Kulturnation mit Geschichte und so.

Links daneben befindet sich dann die typische chinesische Dschunke, die der Sonne entgegen fährt. Gibt man in der Google-Bildersuche “chinesisches Schiff” ein, findet man auch sofort genau dieses Modell mit drei Masten. Gut gemacht!

Weiter links haben wir natürlich auch den Großen Steuermann, Mao. Der darf auf keinem klischee-chinesischem Bild fehlen. Er hat China wie kein anderer beeinflusst. Natürlich wird er hier nicht irgendwie dargestellt, sondern in seinem grünen Anzug. Wobei hier auch definitiv das graue Modell möglich und vielleicht sogar besser gewesen wäre, da es einfach noch typischer ist.

Blicken wir ein wenig nach oben: Aha! Das moderne China. Shanghai repräsentiert dieses wie keine andere Stadt. Und auf dem Bild wird dann auch nur ein ganz bestimmtes Gebäude gezeigt, um es auch wirklich eindeutig zu machen. Hätte man das Jinmao-Gebäude gezeigt, wäre es schon wieder unklar gewesen. Zwar steht das direkt neben dem hier gezeigten Fernsehturm und ist auch deutlich höher, aber es hat auch grobe Ähnlichkeiten mit dem Ding in Taiwan. Solche Missverständnisse dürfen hier natürlich nicht aufkommen.

Zentral in der Mitte ist nun eine alles andere dominierende chinesische Frau. Mit Strohhut. Klar, alle Chinesen tragen nunmal Strohhut, auch wenn sie so modern sind, wie die gezeigte Frau. Die moderne Chinesin hat nicht mehr schwarze, sondern braune Haare. Sie trägt Lippenstift und ein sicher sehr hübsches schwarzes Top, das nur rudimentär auf den Schultern befestigt ist. Und trotz all dem verzichtet sie auch weiterhin nicht auf – ihren Strohhut! Wenn das nicht die perfekte Kombination aus Tradition und Moderne ist. Das gibt es echt nur in China!

Zwischen dieser modernen Frau und dem Shanghaier Fernsehturm hat sich später offensichtlich noch jemand dazu entschieden, unbedingt auch “irgendwas mit Olympia” hinzuzufügen. Man hat sich dann für die wohlbekannten Ringe entschieden. Das ist weder kreativ, noch erhellend – Gut also!

Rechts oben haben wir dann noch einen kleinen kritischen Teil. Das muss im Zusammenhang mit China immer gebracht werden, sonst könnte man dem Stern hier womöglich noch vorwerfen, unpolitisch zu sein. In diesem Bild zieht ein chinesischer Soldat an einem Zivilisten herum. Im Prinzip hätte man auch jedes andere Bild mit einem chinesischen Soldat nehmen können. Die Aussage wäre auf jeden Fall angekommen.

Als Bilduntertitel gibt es dann noch “Die unheimliche Weltmacht – 2500 Jahre: Kaiser, Krieger, Konkubinen”. Bei dieser Zahl würde nun jeder Chinese stutzen. 2500 ist eindeutig zu wenig und damit sehr inkonsequent. Mindestens 3500 hätte man schreiben müssen. Vielleicht sogar noch mehr. Gut dagegen ist natürlich die Alliteration, die eingebaut wurde. “Kaiser, Krieger, Konkubinen” – sehr rhythmisch. Darauf muss man auch erstmal kommen. “Die unheimliche Weltmacht” ist natürlich auch gleich doppelt gut. “Weltmacht” klingt wichtig, “unheimlich” klingt spannend. Wichtig und spannend muss eine solche Serie sein! Sie ist es ganz bestimmt.

Welches ist das kritischste Land?

Was für eine überflüssige Frage, aber vielleicht lässt sie sich ja trotzdem beantworten. Durch die Medien geht heute eine BBC-Umfrage zum Ansehen verschiedener Staaten in der Welt. Dabei hat sich überraschend herausgestellt, dass Deutschlands Einfluss in der Welt als am positivsten bewertet wird. Wenn man es so wie einige Quellen – also falsch – beschreibt, heißt das, Deutschland ist das beliebteste Land der Welt!

Das interessiert mich aber an dieser Stelle nicht, denn man kann mit den Zahlen auch noch andere Dinge feststellen. Ich nehme an, dass ich mit den Summen der Negativbewertungen jedes Landes feststellen kann, wer insgesamt am kritischsten ist. Ein Land, das anderen Staaten inklusive sich selbst sehr viele Negativstimmen gibt, ist offensichtlich kritischer als ein Land, das nur wenig negativ bewertet. Ein solches Land wäre dann eher locker im Umgang mit anderen und lässt die anderen Staaten machen, was sie wollen. Ein Leben-und-leben-lassen-Staat. Wenn ich hier von “ein Land” spreche, meine ich natürlich die Bevölkerung, denn die Umfrage richtete sich ja an genau diese. Die Bevölkerung eines Staates, der insgesamt viel negativ bewertet, hat dagegen an vielen Dingen etwas auszusetzen und würde anderen vielleicht gerne öfters vorschreiben, was sie zu tun und zu lassen haben. Vielleicht.

Was ergibt sich nun, wenn man diese Zahlen zusammenrechnet und sortiert?

Diese Tabelle mit detaillierten Ergebnissen ergibt sich und hier ist ein kleiner Überblick nur über die Platzierungen:

tabelle_kurz1.png

Auf dem ersten Platz befindet sich die Türkei. Die Leute dort bewerten die anderen Staaten als am negativsten. Durchschnittlich werden über 50 Negativpunkte vergeben. Mit einem Abstand von immerhin 5 Punkten durchschnittlich folgt aber schon auf Platz Zwei Deutschland. Wir sind auf der einen Seite das beliebteste Land der Welt, bewerten alle anderen Länder aber besonders stark negativ.

Alle sechs europäischen Staaten befinden sich in der oberen Hälfte, bis auf Portugal sogar alle im oberen Drittel. Das überrascht bei den hohen europäischen Ansprüchen an die Einhaltung von Menschenrechten und die gute Information über andere Länder durch die Medien wohl kaum. Die USA stehen als erklärte Weltpolizei ist immerhin auf Platz 5, Kanada ist unter den westlichen Industriestaaten das, was am wenigsten negativ bewertet.

Im unteren Drittel befinden sich auch China und Russland. Ersteres ist schlecht auf Japan, Letzteres auf die USA zu sprechen, ansonsten gibt es bei beiden aber wenig auffällig negative Ausschläge.

Das Land, das laut der Tabelle am tolerantesten aussieht, ist Indien. Nur Pakistan wird verhältnismäßig schlecht von Indien bewertet. 42 Punkte sind allerdings auch nicht allzu viele.

Hilft uns das Vorurteile aufzubauen? Deutschland als kleinkariert und spießig abzukanzeln? Definitiv ja! Natürlich können wir es auch “kritisch-informiert” nennen. ;)

It’s time for another revolution

Durch Volker bin ich auf den neuen Werbespot für ein Auto der Firma Dacia aufmerksam geworden.

Ein paar große Revolutionsführer der Geschichte kommen darin vor und am Ende sagt Che Guevara zu Karl Marx: “It’s time for another revolution”, worauf Marx hinzufügt: “Che, it’s about what people need.” Dann sieht man den Dacia und seinen günstigen Preis. Fantastisch auch die Umgebung, die wohl so etwas wie eine Revolutionärs-WG ist. Mao trägt den Müll raus und Lenin sitzt am Computer, während Gandhi gemütlich auf dem Bett liegt und Fernsehen schaut. Alle scheinen etwas unausgelastet zu sein.

Nur wer ist das hier denn eigentlich? Und was liest er für eine Zeitschrift?

dacia.png

Und die beiden, die Kicker spielen?