China-Serie im Stern

Jetzt schon in der dritten Woche hat der Stern eine Serie über China. Nun hatte ich überlegt, mir diese Serie anzuschauen, habe das dann aber doch nicht weiterverfolgt, weil es mir doch inhaltlich recht dünn erschien. Gottseidank hatte ich nun aber heute Zahnschmerzen und konnte mir deshalb im Warteraum der Zahnarztpraxis endlich mal einen Teil dieser Serie zu Gemüte führen. Danach wurde ich in den Behandlungsraum geführt, wo mir ein Weisheitszahn gezogen wurde. Aber darum soll es hier jetzt nicht gehen. Vielmehr möchte ich einmal das Titelbild zum Beginn dieser Stern-Serie etwas genauer betrachten:

Stern: China

Dieses Titelbild ist sicherlich das Klischeehafteste, was man überhaupt zu China machen kann. Dafür schonmal ein großes Lob an die Redaktion. Unten rechts haben wir schonmal einen chinesischen Kaiser, so wie man ihn sich vorstellen würde. Vielleicht ist es sogar der erste offizielle Kaiser Qin Shihuangdi. Aber das dürfte der Leserschaft herzlich egal sein. Jedenfalls ist das ganz ganz Alte also schonmal drin. China ist nunmal die Kulturnation mit Geschichte und so.

Links daneben befindet sich dann die typische chinesische Dschunke, die der Sonne entgegen fährt. Gibt man in der Google-Bildersuche “chinesisches Schiff” ein, findet man auch sofort genau dieses Modell mit drei Masten. Gut gemacht!

Weiter links haben wir natürlich auch den Großen Steuermann, Mao. Der darf auf keinem klischee-chinesischem Bild fehlen. Er hat China wie kein anderer beeinflusst. Natürlich wird er hier nicht irgendwie dargestellt, sondern in seinem grünen Anzug. Wobei hier auch definitiv das graue Modell möglich und vielleicht sogar besser gewesen wäre, da es einfach noch typischer ist.

Blicken wir ein wenig nach oben: Aha! Das moderne China. Shanghai repräsentiert dieses wie keine andere Stadt. Und auf dem Bild wird dann auch nur ein ganz bestimmtes Gebäude gezeigt, um es auch wirklich eindeutig zu machen. Hätte man das Jinmao-Gebäude gezeigt, wäre es schon wieder unklar gewesen. Zwar steht das direkt neben dem hier gezeigten Fernsehturm und ist auch deutlich höher, aber es hat auch grobe Ähnlichkeiten mit dem Ding in Taiwan. Solche Missverständnisse dürfen hier natürlich nicht aufkommen.

Zentral in der Mitte ist nun eine alles andere dominierende chinesische Frau. Mit Strohhut. Klar, alle Chinesen tragen nunmal Strohhut, auch wenn sie so modern sind, wie die gezeigte Frau. Die moderne Chinesin hat nicht mehr schwarze, sondern braune Haare. Sie trägt Lippenstift und ein sicher sehr hübsches schwarzes Top, das nur rudimentär auf den Schultern befestigt ist. Und trotz all dem verzichtet sie auch weiterhin nicht auf – ihren Strohhut! Wenn das nicht die perfekte Kombination aus Tradition und Moderne ist. Das gibt es echt nur in China!

Zwischen dieser modernen Frau und dem Shanghaier Fernsehturm hat sich später offensichtlich noch jemand dazu entschieden, unbedingt auch “irgendwas mit Olympia” hinzuzufügen. Man hat sich dann für die wohlbekannten Ringe entschieden. Das ist weder kreativ, noch erhellend – Gut also!

Rechts oben haben wir dann noch einen kleinen kritischen Teil. Das muss im Zusammenhang mit China immer gebracht werden, sonst könnte man dem Stern hier womöglich noch vorwerfen, unpolitisch zu sein. In diesem Bild zieht ein chinesischer Soldat an einem Zivilisten herum. Im Prinzip hätte man auch jedes andere Bild mit einem chinesischen Soldat nehmen können. Die Aussage wäre auf jeden Fall angekommen.

Als Bilduntertitel gibt es dann noch “Die unheimliche Weltmacht – 2500 Jahre: Kaiser, Krieger, Konkubinen”. Bei dieser Zahl würde nun jeder Chinese stutzen. 2500 ist eindeutig zu wenig und damit sehr inkonsequent. Mindestens 3500 hätte man schreiben müssen. Vielleicht sogar noch mehr. Gut dagegen ist natürlich die Alliteration, die eingebaut wurde. “Kaiser, Krieger, Konkubinen” – sehr rhythmisch. Darauf muss man auch erstmal kommen. “Die unheimliche Weltmacht” ist natürlich auch gleich doppelt gut. “Weltmacht” klingt wichtig, “unheimlich” klingt spannend. Wichtig und spannend muss eine solche Serie sein! Sie ist es ganz bestimmt.

3 Kommentare zu “China-Serie im Stern”


  1. 1 Volker

    Erstmal lieber Matthias: Gute Besserung! Ich hoffe dir geht es wieder besser. Kam scheinbar recht plötzlich. Heute mittag war noch alles in Ordnung. Oder hast du nur den starken Mann markiert. :-)
    Aber dass soll ja hier nicht das Hauptthema sein, sondern der Stern und seine China-Serie. Ich kann dazu wenig sagen, nur eins verwirrt mich. Vielleicht solltest du dazu schreiben “IRONIE” oder ist es keine? Manchmal kommt mir dein Artikel sehr, ja sagen wir mal, zynisch vor. Ebenso wenig weiss ich jetzt ob die Stern-Serie gut und daher lesenswert ist oder doch dünn und eben eher in den Papierkorb bei die anderen Mainstream-China-Artikel gehört. (Dass ich das gerade geschrieben habe, zeigt den Diskussionseinfluss von dir Matthias. Ich sehe die Chinaartikel seit neustem sehr kritisch. :-))
    Also ist es ernst gemeint, oder doch eher ironischer Natur?

  2. 2 smiss

    Hi Volker,

    ja, heute Mittag war noch alles okay, aber nach dem Essen fing es langsam an und weil ich schon vor ein paar Tagen Probleme hatte, bin ich mal zum Zahnarzt gegangen, der mir dann auch gleich vorgeschlagen hat, den Zahn an Ort und Stelle zu ziehen. Wie kann man da Nein sagen? Aber darum soll es hier ja nicht gehen…

    Ich sag’ mal so, dass der Artikel Züge von Ironie enthält, ist durchaus im Bereich des Wahrscheinlichen. :) Inhaltlich scheint es tatsächlich etwas tiefer zu gehen, weil zu einem Großteil die ferne chinesische Geschichte behandelt wird, was eigentlich eher selten ist. Aber ich habe ja nur einen kleinen Teil gelesen.

    Ein Infokasten zu den chinesischen Schrifzeichen habe ich noch gesehen, der aber in der Tat sehr dünn, auf der Schwelle zu “falsch” war.

  3. 3 lisa

    Hallo Matthias, sorry, ist jetzt fehl am Platz, aber ich wusste nicht, wie ich dich sonst kontaktieren kann:
    Studierst du immer noch an der BLCU?
    Ich würde gerne ab September auch dort ein Sprachjahr machen, finde aber kaum Informationen oder Erfahrungsberichte.
    Es wär nett, wenn du mir was über deine Zeit an der BLCU erzählen könntest.

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