Archiv für Juli 2008

Gehört

Mein Vorgesetzter heute zu einer potentiellen Kundin am Telefon auf Chinesisch: “… neinnein, Amerika würde ich nicht für Ihre Tochter empfehlen [für einen Auslandsaufenthalt]. Der Anteil an Schwarzen ist da ziemlich hoch. Das ist viel zu gefährlich.”

Ich hätte fast den Tee über den Laptop gespuckt.

变化: Veränderungen

Die ersten paar Veränderungen, die mir aufgefallen sind und die ich auf Digitalfilm festhalten konnte:

Das ist die eine neue Station der U-Bahn-Linie 5. Vergleicht man sie mit einer Linie in Shanghai, ist kaum ein Unterschied festzustellen. Diese selbstmordverhindernde Schutzwand gibt es in Shanghai auch an einigen Stellen. Waren beim Bau der Pekinger U-Bahn vielleicht die selben Leute am Werk?

Staunen über die ungewohnt neue Komplexität.

Liudaokou: Alles ist grüner geworden. Überall stehen Pflanzen. Die Luft ist aber dadurch immer noch nicht besser geworden. Auch dass angeblich nur noch die Hälfte der Autos im Moment fährt, bemerke ich wirklich überhaupt nicht.


In Wudaokou gab es früher eine lustige alte Bahnschranke, die eigentlich nur aus einem Stück Baum bestand. Mit einem irrsinnig lautem Warngeräusch und einer sich mehrmals wiederholenden Lautsprecheransage, die den Eindruck machte, als würde die Welt untergehen, wurde auf durchfahrende Züge aufmerksam gemacht. Die Ansage und das Geräusch gibt es immer noch, aber die Schranke wurde ersetzt durch einen automatischen “Zaun”, der sich vor die Schiene schiebt, wenn ein Zug kommt. Die Wärter, wovon es trotz neuer Technik immer noch genauso viele gibt wie früher, haben außerdem ein schickes neues gelbes Häuschen bekommen.

Mit journalistischem Eifer habe ich dieses Foto über die Absperrwand hinweggeschossen. Eigentlich ist dieser Ort nämlich noch nicht fertig. Was aussieht wie aus einem Film Anfang des 20. Jahrhundert, wird die komplett neu gestaltete Qianmen Dajie südlich des Tiananmen-Platzes sein. Es ist der Nachbau einer traditionellen Straße der Qing-Dynastie. Sogar mit Straßenbahn! Ursprunglich sollte dieses Megaprojekt bis zu den Olympischen Spielen fertig sein, verzögert sich nun aber dennoch. Und das stellt eine Ausnahme dar. Andere Großprojekte solcher Art werden in China und natürlich ganz besonders wenn es um den Termin der Spiele geht, normalerweise schon vor der Deadline fertiggestellt. Der Qianmen-Neubau scheint wirklich extrem aufwändig zu sein.

Update 02.08.08 – Die Straße wird doch fertig. Am 7. ist die Eröffnung. Ich bin gespannt.

Neuigkeiten aus dem Osten

Aus irgendeinem Grund bin ich nun nach einer Zeit in Wuhu und einem Kurzaufenthalt in Shanghai wieder in Peking. Hier werde ich noch ein anderes Praktikum machen und versuchen nebenher auch eine Sprachschule zu besuchen, um etwas fürs Chinesische zu tun.

Heute bin ich zum ersten Mal wieder in meine alte Wohngegend gefahren, um zu schauen, was es neues gibt. Natürlich sind die Straßen alle immer noch da, wo sie vorher waren und auch die Wohngebiete stehen noch genauso entweder bombastisch riesig oder klein und versteckt an ihren alten Stellen. Und trotzdem sieht es anders aus. Viele eher “dreckige” Ecken wurden restlos entfernt und stattdessen durch Kaufhäuser oder einfach nur Mauern oder Plätze ersetzt. Kleinere Läden und Straßenhändler mussten weichen für Zierpalmen an den Straßenseiten für schicke Frisörläden, Nagelstudios oder weitere westlich anmutende Kleidungsgeschäfte.

Ein bisschen Flair ist dadurch sicher verloren gegangen, aber dieser Trend ist nunmal unaufhaltsam.

Das Auffälligste von Allem ist wahrscheinlich die U-Bahn. Es gibt nun ganze acht Linien. Das heißt, seit ich das Land verlassen hatte, sind fünf neue dazu gekommen. Natürlich bin ich noch nicht überall mitgefahren aber zumindest die neue Nord-Süd-Linie 5 hat mich schonmal durch Modernität und technische Raffinessen, wie schicke Flachbildschirme, beeindruckt. Tickets werden auch nicht mehr von Hand an die Fahrgäste weitergegeben und entwertet, sondern das übernehmen nun Ticketmaschinen mit Touchscreen. Weniger Personal braucht man dennoch nicht, weil nun wiederum Leute da stehen müssen, die den Fahrgästen erklären, wie diese Maschinen zu bedienen sind. Einige Leute sind offensichtlich überfordert mit dieser neuen Situation und irren fragend blickend durch die neuen U-Bahnstationen. Es sind mehr geworden und so muss man seine Fahrt viel genauer planen. Die Auswahl an Linien ist größer und damit auch die Anforderungen ans Fahren damit.

Auch der Großteil der Busse wurde erneuert. Mit alten Klapperkisten kann man leider nur noch selten fahren.

Vielleicht werde ich die Veränderungen in der nächsten Zeit mit Bildern versuchen etwas zu dokumentieren.

Ermordet

Mal wieder ein Posting aus der Nerd-Welt. Wieviel Prozent von dem Text versteht man eigentlich, ohne das Spiel zu kennen…?

Gerade eben wurde bei Diablo 2 mein Level 53-Necromancer gePKt! Der PK hat irgendeins dieser Hack-Programme benutzt, wo er wohl irgendwie automatisch innerhalb von vielleicht zwei Sekunden ins Dorf zurückgeht, auf feindlich stellt und sofort wieder da ist. Das ganze ist natürlich in HC passiert und das heißt, all die Arbeit war umsonst. Studenlanges Leveln und Gegenstände sammeln komplett für die Katz. Und dabei hatte ich gerade davor noch Baal besiegt und war nach Nightmare gekommen, wo ich wieder locker als Entspannung von den ewigen Baalruns nun in Akt 1 vor mich hin hätte spielen können. Es ist zum Heulen.

Das Spiel ist erstmal wieder gestorben für mich.

Anhuis Entwicklung

Nachdem die Schwierigkeiten mit dem Visum nun also beseitigt sind, geht es für mich am Samstag nach Wuhu in Anhui. Diese Provinz ist eine der Ärmsten in China. Das Pro-Kopf-BIP liegt bei 10.000元, Peking dagegen hat knapp fünfmal so viel. Ist Anhui ein “Entwicklungsland”?

Beim HDI sieht es so aus:
Peking: 0,882
Anhui: 0,727

Das hilft ohne Vergleichswerte natürlich überhaupt nicht. Deutschland hat einen HDI von 0,935. Anhuis HDI liegt zwischen denen Syriens und Indonesiens. Pekings HDI dagegen ist ähnlich wie der Maltas und sogar Tschechiens. Ich war zwar noch nie in Tschechien, behaupte aber einfach mal, dass man daran klar sieht, dass auch der HDI als Maß für Entwicklung noch nicht perfekt ist. ;)

Interessant ist außerdem die Verteilung nach Arbeit in den jeweiligen Sektoren. Anhui hat mit 72% im Agrarsektor den höchsten Anteil aller chinesischen Provinzen! Nur 9% arbeiten dort in der Industrie.

Ob es ein Entwicklungsland ist, kann man kaum sagen. Schon alleine deswegen, weil es keine klare Definition gibt, was überhaupt ein Entwicklungsland ist. Das BIP liegt deutlich höher als das der berüchtigten afrikanischen Länder, was wohl auch kaum verwundert. Der HDI und die enorme ländliche Struktur schockiert mich allerdings ein bisschen und ich möchte deshalb wirklich ganz ungerne krank werden während dieser sieben Wochen.

Aber das alles ist eigentlich nur Zweidrittel so schlimm, denn ich werde ja in Wuhu sein. Wuhu hat ein BIP/Kopf von 15.000元, also einem Drittel mehr als Anhui im Durchschnitt und damit liegt die Stadt an der Spitze in Anhui und nicht sehr weit weg von Xi’an, wo ich schon gewesen bin und es nicht allzu schlimm fand. :)

Klarheit

Ich rate nur dringend jedem, mal zum Augenarzt zu gehen. Ja, jedem! Wenn man noch nie eine Brille getragen hat, so wie ich, dann weiß man oftmals gar nicht, was eigentlich klar sehen ist. So wie ich.

In meiner Erinnerung hatte ich früher in etwa zur Schulzeit und auch zu Anfang des Studiums nie Probleme mit den Augen. Ich habe meine Sehfähigkeit sogar als wirklich herausragend vor anderen gepriesen. Es könnte nun zum einen sein, dass das völlig zu Unrecht war und ich schon zu dieser Zeit nicht ganz klar gesehen habe, es aber nur nicht wusste.

Aber vielmehr denke ich, dass das Studium schuld ist. Bei Quarks & Co. kam in einer Sendung, dass die meisten Studenten kurzsichtig durch zu viel Lesen werden. Bei mir kommen nun sogar noch die vielen Schriftzeichen dazu, die oft echt zu klein sind. Auf die Dauer verändert das die Form des Auges. Die Sendung hatte mich so schockiert, dass ich mir eine geistige Notiz gemacht habe, mal demnächst zu einem Augenarzt zu gehen.

Nun habe ich also eine Brille und finde sie ungewohnt, aber es ist angenehm durch sie hindurchzugucken.