Archiv für August 2008

Liebe Genossen…

Vielleicht ist es ja noch jemandem sonst aufgefallen bei der Schlussfeier vorhin. Liu Qi, der Vorsitzende des Pekinger Organisationskomittees (BOCOG) hatte etwas Probleme mit seinem Text bei seiner Rede vor der Jaques Rogges. Er hat sich an der einen und anderen Stelle versprochen.

Später in seiner Rede möchte er allen danken und sagt dann: “同志…朋友们…!” Leider kann ich mich an den genauen restlichen Text nicht mehr erinnern und die Videos auf den einschlägigen Seiten gibt es noch nicht. Jedenfalls hat er ganz offensichtlich das Wort 朋友们, “Freunde” durch 同志们, “Genossen” ersetzen wollen – Ganz gewohnheitsgemäß also, wie er es nunmal aus dem Politbüro kennt. Lustig. :)

Sicherheitsbilanz: Alles halb so wild

Die Olympischen Spiele sind zu Ende und ich kann feststellen, dass ich kein einziges Mal grundlos kontrolliert wurde. Ich kam auch überall hin, wo ich hinwollte. Sicherheitsleute waren immer freundlich und hilfsbereit. Als ich einmal in die Nähe der Judo-Sporthalle gehen wollte, die hier direkt um die Ecke auf dem Campus der Technologie-Universität liegt, wurde ich am Eingang zum Campus nach meinem Pass gefragt. Als ich ihn dem Offiziellen gab, konnte er natürlich nichts davon lesen, weil mein deutscher Reisepass sich dadurch auszeichnet, dass nicht einmal irgendwo “German”, sondern nur “Deutsch” darauf steht. Ich kann also nicht einmal beweisen, dass ich Deutscher bin, weil dieses Wort keiner kennt. Das hat schon mehrmals zu Verwirrung geführt. :) Der Sicherheitsposten lachte dann nur und ließ mich einfach reingehen. Zum 8.8 war ich auch beim Public Viewing zur Eröffnungsveranstaltung auf der Wangfujing-Straße: Es gab keinerlei Kontrollen. Tatsächlich wäre es problemlos möglich gewesen, sich terroristisch zu betätigen. Ich hätte die Bombe einfach nur in meinen Rucksack stecken müssen.

Sicherheitsvorkehrungen in U-Bahnen waren auf Durchschieben von Taschen durch Geräte beschränkt. Das ging sogar zu Stoßzeiten relativ flott voran. Angeblich sollen später sogar Kontrollen in Bussen durchgeführt worden sein. Auch das ist mir nicht passiert.

Die Darstellung einiger unserer Medien war auch an dieser Stelle übertrieben. Aber auch hier in China haben mich Leute gewarnt, ich sollte aufpassen. Das ließ mich dann auch selbst etwas nervös werden und zunächst eher die Straßenseite mal wechseln, wenn ich ein Polizeiauto sah. Aber wozu erzähle ich das eigentlich noch? Die Spiele sind nun eh zu Ende. Ich glaube in ungefähr drei Tagen spricht kein Mensch mehr darüber.

One world, one dream

Gestern war ich zum ersten Mal im Olympiagebiet und habe dort genau das gesehen, was auch schon durch die Medien gegangen ist: Die Regierung stationierte Boden-Luft-Raketen zur Sicherung des Luftraums nicht weit entfernt vom Stadion. Hier sind zwei Bilder, die ich dort schießen konnte.

Als ob das nicht schon interessant genug wäre, hatte ich aber – wohl ausgelöst durch dieses Erlebnis – in der Nacht einen schrecklichen Albtraum. Und der lief so ab…

Ich und noch zwei Freunde stehen auf einer Art Plateau irgendwo in Peking (in Wirklichkeit gibt es keine “Plateaus” in Peking) und beobachten Soldaten, wie sie ihren Sicherheitsaufgaben nachgehen. Wir waren wahrscheinlich Reporter oder freiwillige Helfer bei den Olympischen Spielen. Nach kurzer Zeit kommt ein Militärhubschrauber angeflogen und ich werde spürbar aufgeregt. Dieser Hubschrauber gehört aber zum chinesischen Militär. Er hat ungefähr das Aussehen eines Apache-Kampfhubschraubers, ist also scheinbar ein chinesischer Nachbau des amerikanischen Originals. Der Hubschrauber lässt mit einem Seil ein Paket hinab. Der Hubschrauber fliegt sehr tief und ich kann klar spüren, welch ungeheuren Wind er erzeugt. Mit fliegen die Haare durch die Gegend (diese Szene habe ich aus einer Third-Person-Perspektive gesehen, wie das ja häufig in Träumen geschieht – Ich sah mich also selbst.) Zwar kann ich nicht sehen, was in diesem Paket ist, ich weiß aber, dass es Geld sein muss. Bargeld. Vielleicht welches zur Finanzierung der Olympischen Spiele. Die Soldaten am Boden nehmen das Paket an. Nun nehme ich wieder die Ich-Perspektive ein und ich bin irre aufgeregt, dass ich sowas interessantes erleben darf.

Nun geht es aber los. Ich drehe mich um, weil ich ein lautes, seltsames Geräusch wahnehme und sehe… ein Raumschiff! Und es sieht zufällig fast genau aus wie dieses!

NCC-1701-D
Creative Commons License photo credit: Ezra F

Ich bekomme schreckliche Angst. Vielleicht ist es feindlich gesinnt und will Peking während der Olympischen Spiele angreifen! Aber es stellt sich sehr schnell heraus, dass es ebenfalls zum chinesischen Militär gehört. Offensichtlich also auch ein chinesischer Nachbau. Nur hat es eine andere Farbe als die Enterprise: Es ist pink.

Meine Freunde (wobei ich nicht weiß, wer die waren – ich habe sie nicht gesehen, sondern wusste nur, dass sie da sind) und ich wundern sich. Sowas haben wir noch nicht gesehen. Was wird nun passieren? Hat die Regierung das Raumschiff geschickt, um die Spiele abzusichern? Das wäre ja super!

Das Raumschiff bewegt sich nach links und dreht sich. Es scheint so, als begäbe es sich in Kampfposition. Was geht hier nur vor?! Ich blicke wieder nach rechts und höre dabei ein weiteres lautes Geräusch. Oh mein Gott, noch eine Art Raumschiff schwebt langsam hinauf zu dem Plateau, auf dem wir stehen. Ich kann noch nicht alles sehen, kann nicht erkennen, was das nun wieder ist. Aber ich glaube tatsäschlich so etwas wie Augen erkennen zu können. Leuchtende, grelle, gelbe Augen. Es schwebt weiter hinauf und ich erkenne, was es ist. Es ist… ein Roboter!

Und dieser Roboter sieht nun wieder zufällig fast genauso aus wie dieser:

Wow! Der Roboter aus dem Beastie Boys-Video!

Ich bin beeindruckt. Aber zugleich schockiert. Die Soldaten werden nervös, erheben die Waffen. Die chinesische Enterprise lädt ihre Laserwaffen. Dieser Roboter ist ganz offensichtlich hier der Böse! Oh Gott, es sind entweder Terroristen oder Außerirdische, die da drin sitzen. Oder sogar außerirdische Terroristen! Er greift sofort an und ich höre tatsächlich (es ist ein Traum, ich erzähle nur, was ich erlebt habe…), dass meine Freunde sagen: “Lauf! Lauf! Er wird zuerst die Chinesen angreifen! Wir müssen schnell weg!”

Und genau das tut der Roboter auch. Aus seinen grellgelben Augen kommen Laserstrahlen, die sich gegen die chinesischen Soldaten richten. Diese verbrennen dadurch. Schrecklich, ich weiß. Aber ich konnte nichts tun, sondern nur weglaufen.

Und dann war der Traum einfach so zu Ende. Nach dem Aufwachen musste ich mich erstmal wieder beruhigen. Ich hatte trotz der Absurdität des Traums richtig Angst bekommen. Als ich wieder etwas zu mir kam, wurde mir klar, dass die chinesische Regierung schon viel für die Sicherheit getan hat, aber eine Sache haben sie ganz bestimmt nicht bedacht: Die Gefahr eines Angriffs durch Außerirdische in kampffähigen Flugrobotern.

Sport?

Whistler's Olympic Rings
Creative Commons License photo credit: keepitsurreal

Gab es in Deutschland eigentlich überhaupt schon Presse- und Medienberichte über die Olympischen Spiele als Sportveranstaltung? Also ich denke da an Berichte, wo z.B. deutsche Sportler vorgestellt werden, solche wo gezeigt wird, wer Chancen auf Medaillen hat oder in welchen Disziplinen Deutschland momentan ganz besonders gut ist. Wenn ja, dann scheint das aber dennoch extrem spärlich zu sein. Mir kommt es so vor als ob wirklich alles, was derzeit in Deutschland die Spiele betrifft, politisch ist.

Vor ein paar Tagen wurde ich im Unterricht gefragt, in welchen Disziplinen Deutschland denn sehr gut sein. Ich musste erstmal nachdenken. Dann fiel mir natürlich Fußball ein, aber zugleich, dass die deutsche Männermannschaft nicht teilnehmen wird, sondern nur die Frauen. Warum das so ist, wusste ich aber nicht. Und das Beste ist, dass ich dieses Halbwissen nicht einmal aus Deutschland, sondern aus einem chinesischen Magazin habe, das ich mir hier extra gekauft habe, um die Sport-Wörter zu lernen. Weitere Disziplinen sind mit nicht eingefallen und die Lehrerin meinte, ich sei wohl schon zu lange in China und bekäme deshalb nichts aus Deutschland mehr mit. Sie wusste nicht, dass ich erst seit knapp zwei Wochen wieder hier bin.

Ich bin nicht gegen die politische Diskussion dieser Sache, aber dass auf der anderen Seite der sportliche Aspekt wirklich komplett wegfällt, finde ich etwas traurig. Die Sportler werden das vielleicht ähnlich sehen.