Archiv für Oktober 2008

Chinesische Zeichen als Tattoo

Eine der lustigsten Seiten für Chinesen könnte vielleicht hanzismatter.com sein. Dort wird fälschlicher Gebrauch chinesischer Zeichen von Westlern gezeigt und sich darüber lustig gemacht. Ohne Hemmungen zieht man dort über die Unwissenheit von ABClern her. Eine nicht nur lustige, sondern auch nachdenkenswürdige Angelegenheit für alle, die sich gerne über das Chinglisch auf Chinas Straßen wegeumeln.

Angeregt durch diese gute Idee habe ich selbst nachgeforscht und in die StudiVZ-Gruppe “Chinesische Zeichen als Tattoo” geguckt. Leider sind mir in einem dortigen Thread, wo jeder so seine Körperbildchen auf Fotos zeigt, gar nicht so viele grobe Fehler aufgefallen. Aber ich möchte hier einfach mal zum Spaße einen kleinen Überblick darüber geben, welche Zeichen denn ganz besonders gerne eintätowiert werden. Meine statistische Auswertung ergab folgende Verteilung, wobei nur die “Phänomene” aufgenommen worden, die mindestens dreimal vorkamen. Das Problem ist, zu entscheiden, ob Tattoos nun je nach Fall eine Zusammenstellung aus unterschiedlichsten Einzelzeichen oder doch ganze zusammengesetzte Begriffe sind. Das war nicht immer klar.

Hervorstechend ist ganz klar 爱, die Liebe. 36 Leute tätowierten sie sich auf unterschiedlichste Körperteile. Das ist doppelt soviel wie das zweitbeliebteste Zeichen 福, das Glück. Danach musste ich zusammenfassen: Viele Leute tätowieren sich auch ihren chinesischen Namen oder den eines anderen ein. Der Name war in allen Fällen die rein phonetische Übertragung, keiner hatte einen “echten” chinesischen Namen. Namen von anderen waren häufig Söhne und Töchter oder Schwestern oder natürlich auch Freund, Freundin (bzw. Ehegatten). 家 und 忠 für Familie und letzteres laut Aussage der Besitzer “Treue” kamen auch oft vor.

Beliebte Tiere sind gerade 虎 (Tiger), 龙 (Drache), 马 (Pferd) und auch der 狗 (Hund). 兔 (Hase) kam auch vor, aber nur da, wo auch gleichzeitig der Besitzer demselben Sternzeichen angehört. Klar, der Hase ist ja an sich auch ein total feiges Tier. Freiwillig will den niemand. Eigene Sternzeichen wurden übrigens auch recht häufig eintätowiert. Sowohl chinesische als auch westliche.

Das Zeichen 气 (Energie) kam meiner Meinung nach überraschend selten vor. Dieses wird wohl deutlich häufiger auf das eigene Auto geklebt, als dass man es sich tätowieren ließe.

Von der Kombination her war es für mich wirklich sehr enttäuschend. Häufig spritzten sich die Tattoobesitzer einfach nur die Zeichen, deren Bedeutung sie wohl für wichtig hielten, schlicht ohne Zusammenhang hintereinander. Ein Mädchen ließ sich z.B. 爱家马狗忠 schreiben. Das bedeutet aber eigentlich nur Liebe Familie Pferd Hund und Treue. Tierlieb ist sie scheinbar, Kreativität fehlt aber an allen Stellen. Langweilige Kombinationen wie 家福气 (Familie, Glück, Energie) waren sehr häufig. Einer hatte auch das Tatoo 马友谊 auf seinem Körper: Pferdefreundschaft. Naja, wenigstens mal was Neues.

Fehler gab es leider selten. Einer hat sich 兔, also Hase auf den Nacken tätowieren lassen, das Schriftzeichen ist aber falsch geschrieben. Außerdem hat sich eine Frau den Namen ihres Sohnes Rico ins Chinesische übersetzen lassen, wo dann 利寇, gesprochen lìkòu herauskam. Die Aussprache passt sehr gut, leider bedeutet 寇 aber Räuber und Gangster oder auch Feind. Vielleicht die weise Prophezeiung für die spätere Karriere ihres Sohnes.

Irland-Videos

Eine Premiere. Ich habe tatsächlich zum ersten Mal zwei Videos bei Youtube hochgeladen. Das erste ist von der Steilküste bei Dunfanaghy und das zweite ist in Dublin gedreht. Echt hip.

Whiskey in the Jar

Zusammen mit zwei Freunden war ich fünf Tage lang in Irland. Wir haben uns dort ein Auto gemietet und sind von Dublin aus über die Nordküste von Nordirland und der Republik bis zur Westküste gekommen um dann wieder durchs Landesinnnere nach Dublin zurückzufahren. Insgesamt waren das 1300 Kilometer und eine wirklich wunderbare Reise. (mehr dazu bei Volker; Fotos von mir)

An der Westküste von Irland in einer Stadt mit dem Namen Westport hatten wir – wie jeden Abend – den Plan, in ein Pub zu gehen. Zunächst liefen wir eine Weile durch den Ort und kundschafteten die allgemeine Pub-Situation aus und stellten fest, dass nichts viel los war. Es war ein normaler Mittwoch Abend und daher überraschte uns diese bedauernswerte Tatsache auch nicht besonders. Zumal der Ort nur 5000 Seelen beherbergt.

Nun gilt es aber auch in solch schwierigen Zeiten nicht einfach aufzugeben, man sollte sich da etwas zusammenreißen und sich an die Situation anpassen. Und so gingen wir einfach in irgendein Pub, das gerade da war. Kaum gingen wir hinein, wurden wir drei angestarrt. “Aha, Neue.” Drinnen saßen vielleicht drei oder vier ältere Herrschaften und tranken gemütlich schweigend ihr Bier und schauten Fußball. Es war ruhig.

Wir hielten uns eine Zeitspanne von genau einem Bier dort auf, um dann doch noch etwas weiter zu gehen. Wie aus dem Nichts standen wir plötzlich vor einem gefüllten Pub. Leute gingen rein und raus, drinnen standen sie scheinbar dicht gedrängt. Musik war zu hören. Stimmung. Nach einigen Zweifeln darüber, ob wir das wirklich wollen, gingen wir dann doch noch rein, bestellten Guinness und beobachteten. Schnell stellte sich eine ganz neue Erkenntnis ein.

Die Iren haben eine wahre Pub-Kultur. Und die ist nicht zu vergleichen mit unserer “Bier-Trink-Kultur”. In Deutschland gehen Leute selbstverständlich auch in Kneipen, aber diese sind von ihren Altersgruppen her strikt getrennt. Es gibt Kneipen für Alte und Kneipen für Junge. In Irland scheint das anders zu sein. In diesem Pub waren Jung und Alt zusammen. Und mit “Alt” meine ich wirklich alt… Auch ältere Frauen waren dort und tranken. Jüngere und Ältere standen zusammen und unterhielten sich. Und tranken.

Hinten gab es Musik. Nein, nicht wie bei uns aus dem Laptop und es war auch keine Band, die da spielte. Nein, es waren die Gäste. Ein Mädchen spielte ein Instrument und ein Mann mittleren Alters sang Lieder dazu. Andere Kneipenbesucher hörten zu oder sangen mit. Hier und da wurde einfach aus dem Nichts von einzelnen ein Lied angestimmt. Nicht alle zusammen, sondern einer singt und alle anderen hören zu. Und trinken dabei.

Die Stimmung war angenehm. Eine sehr lockere Atmosphäre mit Leuten, die offen auf andere zugehen. Sicher auch bedingt durch den Alkohol, aber trotzdem anders als hier bei uns. Ungezwungener.

Alljapaneseallthetime

Vor nicht allzu langer Zeit bin ich auf die Seite alljapaneseallthetime.com gestoßen. Dort behauptet jemand, der sich Khatzumoto nennt, innerhalb von 18 Monaten fließend Japanisch gelernt zu haben. Und zwar außerhalb Japans. Wie das möglich war, beschreibt er auf seiner Webseite.

Seine Strategie basiert auf einem uralten Prinzip: Spaß.

Das bedeutet, er hat Japanisch gelernt, indem er sich mit japanischen Dingen beschäftigt hat, die ihm Spaß bringen. Das können japanische Filme, Comics, Internetforen, Chats usw. sein. Die Inhalte dürfen den Lerner nicht nerven, der Lerner soll nichts lernen, wovon er glaubt, dass er es lernen muss, sondern er setzt sich in erster Linie einfach nur mit dem entsprechenden Medium spaßeshalber auseinander und lernt quasi nur nebenbei. So könnte er sich auch einen japanisch synchronisierten Film ansehen, den er sowieso schon immer toll fand. Warum nicht mal in der Fremdsprache? Dieses soll er dann im Idealfall 24 Stunden pro Tag tun. Im besten Fall hört er dann sogar während des Schlafens japanische Hörspiele.

Soweit die grundlegende Theorie. Klingt abgefahren und unmöglich, ja. Aber ergänzt wird das Ganze durch eine konkrete Technik, die ich für sehr gut halte. Man soll eine sogenannte Spaced Repetition System Software (SRS) benutzen. Diese Software ist die digitale Variante der beliebten Vokabelkärtchen: Vorderseite Übersetzung, Hinterseite zu lernende fremdsprachige Vokabel. Das SRS ist aber viel intelligenter als die Vokabelkärtchen, denn bei jeder Karte bewertet man, wie gut man sie konnte. Gut gekonnte Kärtchen werden erst einige Tage später wiederholt, solche, wo man Probleme hat, kommen vielleicht schon in den nächsten Stunden wieder. Und auch insgesamt verlängern sich die Zeiträume, so dass neue Kärtchen generell häufiger wieder abgefragt werden als ältere. Man bekämpft damit schlichtweg das Vergessen. Als SRS kann ich ohne weiteres Anki empfehlen. Das gibt es für die meisten Betriebssysteme und ist auch in den Standardeinstellung wirklich schon sehr gut geeignet.

Hörverständnistraining: 家有儿女

Lernt ihr schon lange Chinesisch? Denkt ihr genau wie ich, dass euer Hörverständnis doch arg hakt? Versteht ihr nix, wenn Chinesen untereinander reden? Dann seid ihr hier wie immer genau richtig! Ich habe eine bestimmt ganz gute Quelle zum Üben entdeckt. Eine Übung für chinesische Alltagssprache, 家庭口语!

Eine wirklich äußerst populäre chinesische Serie heißt 家有儿女. Sie läuft schon seit Ewigkeiten im chinesischen Fernsehen auf fast allen Kanälen zu unterschiedlichen Zeiten. Es ist eine chinesische Sitcom und ich kann euch sagen, ich habe sie anfangs gehasst. Bis auf eine Lehrerin habe ich in China auch noch niemanden getroffen, der sie wirklich sehr gerne mag. Bei mir hat sich das aber komplett geändert. 家有儿女 ist wirklich super! Und sogar sehr lustig.

Warum ist nun gerade diese Serie so gut, um sein Hörverständnis zu verbessern?

  • Die Charaktere sind hauptsächlich immer die gleichen fünf. Sie sind einfach gestrickt und haben typischen Rollen: Vater, Mutter, zwei Söhne, eine Tochter.
  • Die Folgen sind kurz, jeweils nur 23 Minuten
  • Die Charaktere sprechen wunderbares Pekingnisch. Auch mit dem typischen Genuschel, das 儿化: “我告儿你…!”
  • Die Geschichten sind einfach. Sohn hat schlechtes Zeugnis, will es aber nicht zu Hause zeigen, fälscht Unterschrift, alles kommt heraus und er bekommt Ärger. So etwas z.B., zwar meistens übertrieben dargestellt, aber trotzdem direkt aus dem Leben.
  • Nebenbei lernt man auch hin und wieder etwas über das chinesische Familienleben und das Leben als Schüler. Ich wusste z.B. bis vorgestern nicht, dass es 德育课, also Moralunterricht in Mittelschulen gibt (siehe Folge 46).
  • Und das beste: man kann sämtliche Folgen im Internet anschauen.

Es ist zwar reines Alltagschinesisch, aber den Schwierigkeitsgrad halte ich trotzdem für ziemlich hoch. Nach unabhängig festgestellten Maßstäben eindeutig 高级. Das kommt natürlich vor allem durch die sehr flotte Sprechweise, typisches Verschlucken oder undeutlich Sprechen von Silben und natürlich zahlreiche Begriffe, die ich noch nicht gelernt habe. Es hilft hier wirklich, mit Kopfhörern zu gucken.

Wo kann man denn nun diese Serie im Internet ansehen? Ganz einfach: bei sina.com.cn. Um euch die Arbeit zu ersparen, habe ich die richtige Adresse herausgesucht, wo man von Folge 1 bis 100 alles sehen kann:

家有儿女 – Staffel 1 – Folgen 1-100

Alle Folgen sind mit chinesischen Untertiteln und so kann man bequem stoppen und nachlesen, wenn man etwas nicht verstanden hat.