Ein Film, der vielleicht interessanter ist für Datenschützer als für -sammler, interessanter für Linke als für Rechte, für Pessimisten als für Optimisten.
Ohne mich hier auch nur irgendeiner dieser Gruppen zuzuordnen, fand ich ihn gelungen – ganz im Gegensatz zu den meisten offiziellen Krtiken dazu (z.B. da oder dort).
“Deutschland 09″ ist ein Film, der sich auch 13 Kurzfilmen zusammensetzt. Diese haben untereinander nur gemeinsam, dass sie sich um Deutschland drehen. Leider hat Tom Tykwer dem Ganzen den Untertitel “13 kurze Filme zur Lage der Nation” gegeben, was meiner Meinung nach viel zu große Erwartungen entstehen lässt. Es dürfte klar sein, dass dieses Thema auch innerhalb einer Überlängenspielzeit von 150 Minuten nicht behandelt werden kann.
Ich kann den Kritiken zustimmen, dass es unter den 13 Filmen sowohl Gute als auch Schlechte und sogar einen sehr schlechten gibt. Die Guten schafften es aber bei mir in jedem Fall ein paar Fragen aufzuwerfen oder geradezu meditativ nachzudenken, ohne Antworten zu finden. Wie schon so oft formuliert es die Zeit zu den Kurzfilmen, die auch mir am besten gefallen haben, am passendsten, ohne den übertriebenen Hang zum Verriss des Verrisses wegen zu haben, weil dieser sich immer leichter schreibt, als eine ausgewogene Kritik:
Vielleicht liegt das Zentrum der Nation an der Peripherie, an den Rändern, den Niederschlägen des Politischen. Dominik Graf führt auf Super-8-Material die schicke Tristesse einer Republik vor, die ihre Vergangenheit abstreift wie eine peinliche Hülle, die überquillt von Emotional Design, ganz transparent und ganz tot. Anrührend ist Isabelle Stevers Besuch beim »Klassenrat« einer Münchner Grundschule; Silke Enders zeigt die neudeutsche Klassengesellschaft, und mit schneidender Präzision erfindet sie eine Realität, die es tatsächlich gibt. Auf der einen Seite die Deklassierten in der Suppenküche; auf der anderen Seite die reizbare Bionade-Bourgeoisie, die sich am Stadtrand breitmacht. Hier die Hartz-IV-Flegel, dort die nöligen Gören mit den kleckerfreien Laura-Ashley-Strickjacken, jene Sauberkinder mit weißem Krägelchen, die schon heute wissen, dass sie morgen Elite sind.
Hinreißend bizarr ist Romuald Karmakars Ramses, ein Film über einen gleichnamigen Exiliraner, der einer Stripteasebar vorsteht und die Schweinereien seiner honorigen Kundschaft Revue passieren lässt. Die Sex-Bar ist Karmakars kleine Großmetapher für eine pervers versachlichte Welt, deren letzte Leidenschaften in die Libido-Ökonomie zu fließen scheinen. Am Ende dankt Ramses dem »deutschen Volk« für die Gastfreundschaft und sehnt sich zurück nach Nordpersien, in das »Land der Väter«, wo er sterben möchte.
Der sehr schlechte Beitrag ist übrigens “Krankes Haus” von Wolfgang Becker. Das ist keine Satire, sondern das Gegenteil davon: Schrott.
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