Den Satz im Titel hört man eigentlich nie. Zumindest nicht ernsthaft gemeint, wenn beispielsweise Eltern die Gründe dafür beschreiben, warum ihr schulpflichtiger Sohn es einfach nicht packt. In umgekehrter Formulierung kommt er aber häufig vor:
Er ist nicht dumm, sondern nur ein bisschen faul.
Oder auch “sehr faul”, “ziemlich faul” oder “fauler als die anderen”.
Nach der Häufigkeit, wie diese Begründung für das schulische Scheitern des eigenen Nachwuchses angebracht wird, dürfte es eigentlich überhaupt keine dummen Menschen geben. Das ist selbstverständlich völlig unrealistisch. Jeder weiß, dass Dummheit existiert und ich spreche hier völlig wertungsfrei von Dummheit – oder mangelnder Intelligenz, wie auch immer man es ausdrücken mag. Selbst die Eltern der faulen Kinder wissen, dass manche Menschen nunmal mehr oder weniger leistungsfähige Gehirne haben – aber das eigene Kind ist selbstverständlich nicht betroffen.
Es ist völlig klar, dass Eltern ihre eigenen Kinder nicht objektiv beurteilen werden. Allerdings bewerten sich Erwachsene ähnlich. Es werden immer Gründe gesucht, die nicht das Offensichtliche preisgeben.
In unserer Gesellschaft ist eben mangelnde Intelligenz ein furchtbares Makel, was jedem äußerst peinlich ist und für das man Ausreden braucht, um es auch nur ansatzweise gesellschaftsfähig zu machen. Fehlende Intelligenz ist sogar eher ein Tabu als Armut. Wer kein Geld hat, kann das zumindest in vielen Fällen offen sagen, aber wer behauptet schon von sich, weit unterdurchschnittlich intelligent zu sein? Und das, obwohl Intelligenz genetisch bedingt ist und nun wirklich niemand etwas dafür kann, wenn er sie nicht hat.
Ein Zustand, der sich aber so schnell nicht ändern wird, denn, und da ist es wieder, das Wort: … Wissensgesellschaft.
Interessanterweise korreliert das aber nicht damit, daß Intelligenz besonders geschätzt oder gefördert würde – eher im Gegenteil.
“Und das, obwohl Intelligenz genetisch bedingt ist” – ist das wissenschaftlich gesichert?
Jens: Teilweise. Es ist anerkannt, dass Gene Einfluss haben. Nur wie groß dieser ist, lässt sich kaum feststellen. Wie immer, wenn die Gegentheorie lautet, es sei so etwas Umfangreiches, wie “die Umwelt”, die ausschlaggebend sei.
Wo Armut herkommt, ist ebenfalls schwer zu sagen, aber genetisch bedingt ist sie wohl kaum.