Archiv für Juli 2009

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Genau heute besteht dieses Weblog nun schon sagenhafte fünf Jahre. Ohne mich selbst beweihräuchern zu wollen, sage ich trotzdem: Das ist für die heute ach so schnelle Welt schon recht lange.

Aber wie jeder an der Zahl an Beiträgen pro Monat ungefähr abschätzen kann, fällt mir das Schreiben nicht gerade leichter als früher. Nicht nur die immer wieder vorgebetete Warnung, man solle doch bloß nichts Privates ins Netz stellen zeigt ihre geradezu gehirnwaschende Wirkung, nein, auch die Ansprüche an sich selber steigen. Viele Ideen scheinen schon nach ein paar Minuten des Darübernachdenkens wieder zu banal, um das Internet damit zu nerven und anderen ihre wertvolle Zeit zu nehmen, indem man sie mit neuen Beiträgen über RSS auf die eigene Seite lockt, wo sie dann doch nur Texte finden, die objektiv betrachtet nunmal wirklich langweilig und nichtssagend sind. Also sucht man Themen, die neu sind, kreativ, solche, von denen man glaubt, sie stehen wirklich noch nirgendwo. Aber auch das wird immer schwieriger. Das Netz und auch die sogenannte Blogo… Blogo… wie sagt man noch gleich… ach ja, “Blogosphäre” quellen über mit Dingen, die irgendwie von irgendwem bereits kommentiert wurden. Die paar Nerd-Themen und das bisschen Politiker-Bashing, was einem auf den ersten Blick noch neu vorkommt, und sowieso eigentlich das einzige ist, wo man wirklich Zugang hat, weil es sowieso schon im Netz vorhanden ist, ja, das wurde meist schon vorher von anderen abgehandelt und ist folglicherweise eben gerade nicht mehr neu. Wiederkäuen will man aber ebensowenig, wie uninteressantes Zeug ins Web stellen. Die schiere Masse an Informationen, Kommentaren, Kritik, Rezensionen, die wiederum selbst nochmal kommentiert, kritisiert und rezensiert werden können, lässt einen Druck zur Kreativität entstehen, der nicht mehr zu berwerkstelligen ist.

Also lässt man es gleich ganz bleiben und schreibt einfach nichts.

Aber dicht machen will ich es dann doch nicht. Denn schon morgen könnte ich ja plötzlich auf DIE Sache stoßen, die unbedingt jeder SOFORT wissen sollte und zu der noch niemand vorher etwas gesagt hat. :)

Nicht wählen – Geh nicht hin!

Was ist eigentlich Ironie? Zum Beispiel vielleicht so wie Folgendes:

Die Ironie (griechisch εἰρωνεία eironeía, wörtlich „Verstellung, Vortäuschung“) ist eine Äußerung, welche – meist unausgesprochene – Erwartungen aufdeckt, indem zum Schein das Gegenteil behauptet wird.

Das Gegenteil behaupten ist also schonmal sehr wichtig. Sehen wir uns nun den folgenden Spot an und prüfen, ob hier Ironie vorhanden ist…

“This is one of the biggest financial disasters in American history.”
“Why would you vote? Why would you vote?!”
“Who cares? The economy is in the toilet. Who gives a shit?! I don’t care. I got so much money.
(…)
“Because who cares about… your children’s education.”
“Reading… literacy… really?!”
“You’re right. Don’t vote.”

Okay, hier haben wir es mit einem ganz klassischen und sehr überzeugendem Fall von Ironie zu tun. Selbstverständlich interessieren sich die Menschen für Bildung und Wirtschaft. Im Video sagen die Prominenten einfach das Gegenteil. Sehr gut gelöst! Es ist so einfach!

Sehen wir uns nun eine deutsche Variante dazu an.

“Politik… Ich find’, das sind alles Versager. Weil, wenn sie keine Versager wären, dann wären sie ja draußen, im freien Leben, in der Wirtschaft, in der Kunst, wo auch immer.”
“Also… sie werden mir das vielleicht nicht glauben, aber ich geh’ nicht wählen.”
“Kein Bock, so und so hört keiner auf uns. Also meine Stimme zählt ja nicht.”
“Die in Berlin, die machen da ihr Ding, wir machen unser Ding.”
“Sind eh immer dieselben Regierungen an der Macht. Die Programme sind diegleichen. Wählen ist sinnlos. Das macht keinen Sinn heutzutage. Für mich macht es keinen Sinn.”

Öh, moment mal. Ist das Ironie? Es wirkt überhaupt nicht danach. Man könnte es problemlos völlig ernst nehmen. Aber warum? – Die Umkehrung fehlt. Die Aussagen der Beteiligten sind alles solche, die man tatsächlich häufiger hört und die ernst gemeint auch wirklich Politikverdrossenheit zeigen. Im Gegensatz zum amerikanischen Original geht es bei der deutschen Kopie nur um die Politiker als Berufsgruppe und um den Einfluss der einzelnen Stimme. Steven Spielberg, Regisseur des ersten Films, hat die Ironie ganz einfach geschaffen, indem er auf politische Inhalte eingeht. Es geht um Bildung, Wirtschaft und meinetwegen im US-Stil auch um Terrorismus. Im deutschen Spot fehlen solche Themen. Themen, die wirklich jeden interessieren sollten. Erst die Behauptung, dass diese Inhalte unwichtig sind, macht das Ganze zur Ironie.

Das ging also wieder mal deutlich daneben.