Nicht wählen – Geh nicht hin!

Was ist eigentlich Ironie? Zum Beispiel vielleicht so wie Folgendes:

Die Ironie (griechisch εἰρωνεία eironeía, wörtlich „Verstellung, Vortäuschung“) ist eine Äußerung, welche – meist unausgesprochene – Erwartungen aufdeckt, indem zum Schein das Gegenteil behauptet wird.

Das Gegenteil behaupten ist also schonmal sehr wichtig. Sehen wir uns nun den folgenden Spot an und prüfen, ob hier Ironie vorhanden ist…

“This is one of the biggest financial disasters in American history.”
“Why would you vote? Why would you vote?!”
“Who cares? The economy is in the toilet. Who gives a shit?! I don’t care. I got so much money.
(…)
“Because who cares about… your children’s education.”
“Reading… literacy… really?!”
“You’re right. Don’t vote.”

Okay, hier haben wir es mit einem ganz klassischen und sehr überzeugendem Fall von Ironie zu tun. Selbstverständlich interessieren sich die Menschen für Bildung und Wirtschaft. Im Video sagen die Prominenten einfach das Gegenteil. Sehr gut gelöst! Es ist so einfach!

Sehen wir uns nun eine deutsche Variante dazu an.

“Politik… Ich find’, das sind alles Versager. Weil, wenn sie keine Versager wären, dann wären sie ja draußen, im freien Leben, in der Wirtschaft, in der Kunst, wo auch immer.”
“Also… sie werden mir das vielleicht nicht glauben, aber ich geh’ nicht wählen.”
“Kein Bock, so und so hört keiner auf uns. Also meine Stimme zählt ja nicht.”
“Die in Berlin, die machen da ihr Ding, wir machen unser Ding.”
“Sind eh immer dieselben Regierungen an der Macht. Die Programme sind diegleichen. Wählen ist sinnlos. Das macht keinen Sinn heutzutage. Für mich macht es keinen Sinn.”

Öh, moment mal. Ist das Ironie? Es wirkt überhaupt nicht danach. Man könnte es problemlos völlig ernst nehmen. Aber warum? – Die Umkehrung fehlt. Die Aussagen der Beteiligten sind alles solche, die man tatsächlich häufiger hört und die ernst gemeint auch wirklich Politikverdrossenheit zeigen. Im Gegensatz zum amerikanischen Original geht es bei der deutschen Kopie nur um die Politiker als Berufsgruppe und um den Einfluss der einzelnen Stimme. Steven Spielberg, Regisseur des ersten Films, hat die Ironie ganz einfach geschaffen, indem er auf politische Inhalte eingeht. Es geht um Bildung, Wirtschaft und meinetwegen im US-Stil auch um Terrorismus. Im deutschen Spot fehlen solche Themen. Themen, die wirklich jeden interessieren sollten. Erst die Behauptung, dass diese Inhalte unwichtig sind, macht das Ganze zur Ironie.

Das ging also wieder mal deutlich daneben.

2 Kommentare zu “Nicht wählen – Geh nicht hin!”


  1. 1 Pachulke

    Kannst Du mir mal schnell die Quelle aufschreiben, die besagt, dass Steven Spielberg der Regisseur des Originals ist. Kann Sie leider selber beim besten Willen nicht auftreiben.

    Gruß,

    Herman Pachulke

  2. 2 smiss

    http://www.google.de/search?hl=de&q=don%27t+vote+spielberg&btnG=Google-Suche&meta=

    ist zumindest schonmal ein deutlicher Hinweis. ;)

    Im zweiten Teil (http://www.youtube.com/watch?v=5cGvqs-jf_w) tritt Spielberg auch selbst auf.

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