Dass man intensiv über einen Bewerber recherchiert, komme erst von der Führungsetage an vor, nach dem Durchschnittsbewerber werde allenfalls gegoogelt. Um nach Partybildern zu suchen oder soziale Netzwerke nach unseriösen Kontakten zu durchforsten, dafür fehle den meisten Personalern die Zeit.
… sagt Annette Gerlach, Personalerin bei einem “größeren Unternehmen in der Chemiebranche” auf ZeitOnline.
Endlich sagt’s mal jemand. Diese Panikmache mit privaten Daten im Internet ist doch völliger Unsinn. Kein ernst zu nehmender Personalchef nimmt sich über die normale Zeit, die er eh schon mit den Standard-Unterlagen beschäftigt ist, hinaus noch mehr Zeit, um nach Bewerbern auf sämtlichen Sozialen Netzwerken zu suchen.
Viel wichtiger ist aber: Wer im heutzutägigen erstmaligen Bewerbungsalter noch überhaupt keine Spuren im Internet hinterlassen hat, der sollte bei jedem Personalchef erstmal eher seltsam, denn kompetent rüberkommen. Wer aber Profile vorweisen kann, die von Rechtschreibung und interessanten Dingen nur so strotzen, der hat garantiert Vorteile gegenüber all denen, die aus Angst nix von sich preisgeben wollen. (Oder “Schmidt” heißen und dadurch sowieso nicht gefunden werden.)
Und überhaupt, jetzt mal philosophisch da rangegegangen: Wenn ich aufgrund meiner Internetaktivität vor einer Bewerbung tatsächlich abgelehnt werde, erfahre ich diesen Grund am Ende doch sowieso nicht. Damit ist es egal. Ich bewerbe mich wieder und wieder und nochmal und irgendwann stellt mich jemand vielleicht trotz der ganzen Koma-Party-Bilder ein. Auch da erfahre ich aber wahrscheinlich eher nicht, dass derjenige davon wusste. Dann ist es genauso egal.
Was man nicht erfährt, ist eben nicht Teil der eigenen Realität.
Das Problem, was die meisten Leute hier sehen, ist ja das Ohnmachtsgefühl gegenüber der Weitgabe von Informationen – dass hier einfach keine Möglichkeit herrscht, genau zu kontrollieren, wer welche Informationen zu sehen bekommt, sobald sie einmal digital sind.
Natürlich bieten die meisten Netzwerke dem Schein nach hinreichend angemessene Methoden, die eigenen Daten zu schützen, aber solange man keine vollkommene Transparenz bei den Vorgängen hat ist es leider nicht möglich, da hinreichendes Vertrauen entgegen zu bringen.