This ain’t Amsterdam, Vince. This is a sellers market. Coke is fucking dead as… dead. Heroin, it’s coming back in a big fucking way.
Nicht ganz, lieber Lance! Was der nette Drogendealer von nebenan hier versucht Vincent Vega in Pulp Fiction zu erklären, trifft nicht mehr ganz die Wahrheit. Kokain ist wieder zurück! Aber es heißt jetzt anders: Ritalin. Und offiziell ist es auch ein Medikament und keine Droge.
Innerhalb von zwei-drei Tagen häufen sich die Berichte über “Hirndoping” (Schlagwort) auffällig. Vorgestern bei Kerner, gestern bei arte und dann nochmal etwas später auch in den Tagesthemen.

Ritalin ist eigentlich für Kinder mit Aufmerkhypersyndromkrankheit gedacht, um die permanent quengelnd-stuhlkippelnden Quälgeister ruhig zu stellen. Wenn “normale” Leute das Mittel nehmen, wirkt es allerdings fast genau wie das gute alte Koks.
Wohingegen die meisten Drogen der Vergangenheit dafür da waren, sich gegen die Gesellschaft und “Das System” aufzulehnen oder zumindest einfach nur so high zu werden, dass man nichts mehr davon mitbekommt, haben wir es nun vielleicht zum ersten Mal in der Geschichte des Drogenkonsums mit dem genauen Gegenteil zu tun: Ritalin und seine Freunde helfen dabei noch effektiver, produktiver und schneller seine Arbeit zu verrichten. Denn keiner nimmt Ritalin, um high zu werden, sondern um sich besser konzentrieren zu können. Angeblich wirkt es auch geradezu unglaublich gut, wie in den Beiträgen da oben zu sehen ist. Spielend werden langweilige Bücher runtergelesen, werden lästige Kunden betreut und wird Unsinn in Computer eingetippt. Man kriegt dann einfach nichts mehr mit – bis auf die Arbeit.
Schon jetzt ergaben Umfragen, dass 120% der deutschen Manager Mittel zur Steigerung ihrer Gehirnfunktionen nehmen würden. Das ist bedenklich und zeigt mal wieder, wie schlimm alles ist!
Besonders verwunderte mich die Aussage einer Psycho-Ärztin bei Kerner, die davon sprach, dass man Ritalin und ähnliche Mittel sehr leicht auch ohne Rezept bekäme. So wie man früher auch immer wusste, wo Haschisch zu bekommen sei (hier sprach sie offensichtlich von sich selbst), geht das jetzt mit Ritalin. Besonders in der Nähe von Universitäten sei das Gang und Gäbe! Vielleicht frage ich morgen mal in der Mensa danach herum.
Update: Meine Nachfragen widerlegen die These der Psycho-Frau. In der Mensa wird kein Ritalin vertickt:
gefragte Personen: 2
erhaltene Ritalintabletten: 0
Aussagen, dass man selber sowas haben wolle: 2
120 Prozent der deutschen Manager?!
Danke für diesen Hinweis, Kim. Der für diesen Artikel zuständige Redakteur wird von mir persönlich auf der Stelle gefeuert! Selbstverständlich sind es nur gerade mal 110% der deutschen Manager.
Zur Verbesserung:
ADS=AufmerksamkeitsDefizitSyndrom
ADHS=AufmerksamkeitsDefizit-/HyperaktivitätsSyndrom
Ritalin ist übrigens auch bei der Therapie jener Patienten äusserst umstritten, da es bei der Langzeitanwendung zu charakterlichen Veränderungen wie z.B. Agressivitätssteigerungen & Wahnvorstellungen führen kann. Schädigende Langzeitfolgen bei der Einnahme können nach Versuchsreihen empirisch nicht ausgeschlossen werden.
Danke auch für diese Verbesserung, Herr Prof. Eckert. (DER Professor Eckert?! Das ehrt mich sehr!) Bei diesem Artikel scheint tatsächlich der Fehlerteufel höchstpersönlich mitgeschrieben zu haben. Mit ‘ner Tablette mehr Ritalin vor dem Schreiben wäre das nicht passiert!
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