Gestern wurde der britische Staatsbürger Akmal Shaikh in China wegen Drogenschmuggels hingerichtet. (tagesschau, Spon) Es war die erste Hinrichtung eines Europäers seit mehr als 50 Jahren.
Die Global Times berichtet auch von Shaikhs Fall. Diese englischsprachige Zeitung läuft unter der Schirmherrschaft der offiziellen Parteizeitung Renmin Ribao und ihre Argumentation ist somit – anders. Die auffälligsten Argumente habe ich hier einmal herausgesucht:
For the Chinese side, the case is sensitive because it brings back the black memory of the Opium War started by the British more than a century ago that dragged the country through a lengthy nightmarish period.
Briten, Drogen – Opiumkrieg. Interessant. Bezahlte Shaikh fast 170 Jahre nach dem Opiumkrieg für die damals begangenen Taten der Briten in China? Eine wahnwitzige Idee, aber warum erwähnt die Zeitung sonst diesen Krieg?
China also has a history of public opinion supporting severe penalties for serious crime.
So ausgedrückt stimmt das womöglich in fast jedem Land. Trotzdem wird es, wie so oft, auf Chinas Geschichte bezogen. Eigentlich geht es aber ja an dieser Stelle nicht nur um “schwere Verbrechen”, sondern um die Todesstrafe, die ihre Basis in der Unterstützung im Volk haben soll.
Arguably, Shaikh has a mental disorder. But, China has its own definition of mental illness, and by that he is deemed to be mentally sound.
Das Wort “arguably” musste ich jetzt nochmal im Wörterbuch nachschlagen. Es es ist wie “wohl”. Shaikh hat wohl eine Geistesstörung, aber China hat seine eigene Definition einer Geisteskrankheit. Hier scheint man sich mit Begrifflichkeiten herauszuwinden. Interessant aber, dass offenbar selbst die Zeitung nicht von einer vollständigen psychischen Gesundheit Shaikhs ausgeht.
the uniform application of sentencing standards for both the Chinese and foreigners underscores the progress of China’s legal system, which is steadily building the principle of rule of law.
Das ist das Argument, was ich auf mehreren chinesischsprachigen Seiten zu dem Fall schon gesehen habe. Es ist natürlich auch das Offensichtlichste. Zum einen Gleichheit vor dem Gesetz und zum anderen Fortschritte im chinesischen Justizsystem.
China cannot do away with death penalty at present because of strong public opinion against repealing it. After all, death penalty acts as a deterrent to serious crime.
Noch einmal die Äußerung, dass die Öffentlichkeit die Todesstrafe behalten wolle. Aber hier wäre die Aussage im Umkehrschluss wohl: “China würde ja die Todesstrafe abschaffen, wenn die öffentliche Meinung nicht so stark dafür wäre.” Erst im nächsten Schritt wird der angebliche praktische Vorteil von Verbrechensvorbeugung genannt.
Auch wenn die Argumentation etwas obskur-verwirrend ist, wird das Thema keinesfalls totgeschwiegen, wie Liu Xiaobos Verurteilung, sondern ganz im Gegenteil ziemlich offen diskutiert. Wobei allerdings selbstverständlich die Argumente immer nur in die eine Richtung, nämlich gegen Shaikh gehen. Gestützt wird das alles mit der Öffentlichkeit. Diese sei sowohl für die Todesstrafe, als auch für die Verurteilung in diesem speziellen Fall. Die Renmin Ribao hat auf ihrer Seite eine Umfrage: “Sind sie für oder gegen die Hinrichtung Akmal Shaikhs?” – 97,1% dafür, 2,9% dagegen. Na wenn das mal stimmt…

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