Archiv für Juli 2010

Evolution der Bewerbung

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Früher wurden Bewerbungen für den Traum- oder Albtraumjob ganz klassisch per Hand verfasst. Jedes Anschreiben musste zwar für jede Bewerbung immer wieder neu geschrieben werden, den Lebenslauf aber konnte man auch einfach kopieren. Zwei Dinge brauchte der für einen Job Flehende: Lebenslauf und Anschreiben. Das war alles.

Später folgte die Bewerbung per Schreibmaschine. Verweigerer von Schriftästhetik atmeten auf. „Nun kann der Personalmann nicht mehr meine widerliche Handschrift sehen. Alles sieht jetzt immer schön schick aus!“ Nun ja, mehr oder weniger. Die Tipp-Ex-Flecken hier und da verunstalteten die Abhandlung von Geschöntem oder dreist Erlogenem doch arg.

Dann kam der Computer, nutzbar als digitale Schreibmaschine und mit dem nötigen Equipment auch gleich noch als Kopierer. Fantastisch, alles sieht fein aus! Die große Schwindelei kann auch noch nachträglich durch noch mehr Geflunker ergänzt werden – ganz ohne viel Aufsehen!

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Was in dieser Stufe schon wie die Vollendung der bewerbungstechnischen Möglichkeiten wirkt, wurde mittlerweile nochmal übertroffen. Das Formular ist da!

Die Idee des Formulars ist ganz einfach: Jedes Unternehmen hat im Internet sein eigenes Formular für Bewerbungsinteressierte auf seiner Webseite. Über gefühlte 250 verschiedene Unterseiten mit etwa jeweils 380 Auswahl-Unter-Neben-Feldern kann jeder Bewerber auch die noch so kleinen Informationen über sich in fein getrennten Häppchen eintragen.

Für das Unternehmen ist dieses Vorgehen des Bewerbers fantastisch. Es muss nun nicht mehr ganze, natürlich völlig überfordernde DIN-A4-Blätter mit Lebensdaten der zukünftigen Mitarbeiter durchgehen, sondern kann einfach im eigenen Firmennetzwerk nach den eingegebenen Informationen suchen. Das Ganze kann sogar automatisch ablaufen. Der Personaler wird dann z.B. sofort informiert, wenn sein Traumbewerber (24, Wirtschaftsingenieur, fünf Sprachen fließend, ungebunden) sich eingetragen hat.

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Für den Bewerber ist das System aber ein Rückschritt im Vergleich zur handschriftlichen Bewerbung. Der muss sich nämlich nun immer und immer wieder in dauernd unterschiedlichen Formularbergen eintragen. Kopieren geht da nicht, denn schließlich läuft alles ganz modern über Auswahlfelder. Das heißt also: Bei jeder Bewerbung wieder ganz von vorne anfangen: Name, Geburtstag, Adresse, Kenntnisse, Sprachen,… Und gerne auch jeder Punkt des Lebenslaufs nochmal einzeln. Stunden gehen ins Land, und das, wo meine hübsche „lebenslauf.pdf“ einsam und ungenutzt in doc/bewerbung herumliegt.

Verbot!

VERBOT! ALLES MUSS RAUS!

Die Prohibition von Glühbirnen trifft nun auch 75-Watt-Birnen. Decken Sie sich noch heute mit den traditionellen Lichtern ein!

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Ich sehe hier ein ernomes Geschäftspotential. Morgen werde ich 500.000 Glühbirnen kaufen und dann nach dem VERBOT ein blühendes Schwarzmarktgeschäft mit Glühbirn-Mafiastrukturen aufmachen. Die Zukunft ist gesichert!

Heute in den Stellenanzeigen: Duftberater/in

Nichts für mich. Aber vielleicht hat ja sonst jemand die hier nötige Qualifikation:

Duftberater/in

Branche:
Gesundheitswesen
Tags:
duftberater/in, für, den, norddeutschen, raum
Beschäftigungsart:
Vollzeit
Qualifikationen:
Gute Nase, Extrovertiert, sicheres Auftreten
Karriere-Level:
Berufseinsteiger
Gehalt:
EUR 40.000

Wir vermarkten ein anerkanntes und erfolgreiches Duftkonzept in Deutschen Altenpflegeheimen. Alle Vorteile unsere Duftkonzepts betrachtet sind wir nahezu konkurenzlos.

Wir reinigen die Luft im Altenpflegeheim und bringen paralell dazu jeden Tag vier unterschiedliche Düfte aus. Z.B. duftet es dann morgens nach “einem Morgenspaziergang im Wald”, am späten Vormittag nach “frisch gebackenen Brötchen”, am frühen Nachmittag nach Kaffee und am Abend nach Rosen. Die Düfte wechseln wir zu Beginn einer jeden neuen Jahreszeit.

Zur Betreuung unseres umfangreichen Kundenstamms im Norden der Republik und Erweiterung dieses Kundenstammes suchen wir einen engagierten jungen Mann oder eine junge Dame mit einer guten Nase, einem sicheren vertrauensvollen Auftreten, gepaart mit Fleiss und dem festen Willen unseren Kundenstamm im Norden rasch auszubauen.

Schauen Sie ins Internet unter …. und rufen Sie unseren Geschäftsführer Herrn …. unter …. an.

Übrigens, junge Damen sind erfahrungsgemäß in diesem Job besonders erfolgreich.
Auf Wunsch stellen wir einen Firmen PKW zur Verfügung.

Wegen fehlender guter Nase leider nichts für mich. Weitersuchen!