[…] Die Einführung des Treibstoffs wurde schlicht miserabel kommuniziert. Die Bundesregierung, die die Neuerung vorschrieb, leistet sich jedes Jahr für Millionen völlig überflüssige Informations- und Image-Kampagnen. Aber jetzt, da es den Bürger tatsächlich einmal zu informieren galt, ob der Motor des eigenen Autos E10 verträgt, herrschte Funkstille.
Das schrieb die NZZ gestern und Ähnliches war in den letzten Tagen häufig zu hören. E10 sei schlecht kommuniziert worden. Alle beteiligten Akteure schieben sich gegenseitig die Schuld für den angeblichen Kommunikationsmangel in die Schuhe.
Ich glaube nicht, dass das Thema mit einem vergleichsweise hohlen Begriff wie „Kommunikation“ umschreiben lässt. Es geht weiter. Das Problem liegt vielmehr an der Komplexität der Debatte um das Benzin selbst.
Es stehen zu viele Fragen im Raum, die nicht beantwortet werden können. Die Frage danach, welche Autos E10 vertragen, ist sogar noch die einfachste. Dazu kommt die hohe Anzahl an Akteuren, die etwas zu dem Thema zu sagen haben. Es gibt nicht nur Regierung und Kraftstoffanbieter, sondern auch Verbände wie den ADAC, Wissenschaftler, Techniker von Automobilkonzernen und natürlich Umweltverbände und -gruppen. Letztere argumentieren sogar untereinander unterschiedlich.
Es scheint so einfach: „Ist E10 umweltverträglicher?“ Diese Frage ist aber so komplex, dass bisher noch kein einziger der Akteure sie überzeugend beantworten konnte. Die Frage selbst muss erstmal danach zerlegt werden, ob es um CO2, Waldrodung in Brasilien, Anbauflächen in Deutschland, Wassernutzung usw. geht. Kein Argument kann da alle Aspekte mit einem Mal behandeln; zumal die Debatte globale Züge trägt. Offensichtlich können nicht einmal die Experten und schon gar nicht die Verbraucher die unterschiedlichen Argumente ausreichend gewichten.
Ich denke, dass die überraschend hohe Komplexität des Themas es unmöglich macht, es überhaupt sinnvoll zu „kommunizieren“. Vielleicht war die ungewisse Verträglichkeit des Kraftstoffs für Autos wirklich der Auslöser für die Weigerung der Verbraucher, aber viel wichtiger ist doch mittlerweile die Frage nach dem Nutzen von E10. Was bringt das? Wenn es darauf keine Antwort gibt, ist da auch gar nichts zu kommunizieren.


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