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Unbekannter erhält Friedensnobelpreis

nobel Typisch deutsch, typisch politikwissenschaftlich und allen voran natürlich typisch sinologisch muss ich nun erstmal über die heutige Friedensnobelpreis-Entscheidung herummosern.

Wofür gibt es den Preis denn eigentlich? Da heißt es

According to Nobel’s will, the Peace Prize is to go to whoever “shall have done the most or the best work for fraternity between nations, for the abolition or reduction of standing armies and for the holding and promotion of peace congresses”.

Also Verbrüderung der Völker, Abschaffung oder Verminderung stehender Heere und das Abhalten oder die Förderung von Friedenskongressen. Nun bekommt jemand den Preis, der zwar wahrlich großen Einsatz zeigt und auch viel durchmachen musste, aber welches der Kriterien erfüllt er von denen, die hier genannt werden?

Sicher, heutzutage muss ein solcher Preis weiter gefasst vergeben werden können, aber trotzdem kennt kaum jemand den neuen Preisträger. Was er schreibt, liest niemand, und für das, was er tut, interessiert sich keiner. Durch seine Unbekanntheit kann er all das, was er sich wünscht, nicht mal im Ansatz durchsetzen. Der Text mit dem Namen Charta 08 ist inhaltlich banal und führte in seiner Konsequenz einzig dazu, dass er von einigen tausend Leuten unterschrieben wurde. Ein Erfolg für den Frieden?

Für das nächste Mal: Helmut Kohl!

Ihr Buch auf Platz eins!

Wollten Sie nicht auch schonmal einen Bestseller schreiben? Der Weg dahin ist wahrlich einfacher, als Sie dachten – es braucht nur die richtige Methode!

Dabei ist jahrelanges Recherchieren nicht nötig. Sie brauchen auch nicht neue, völlig unbeackerte Themen zu finden. Und schon gar nicht müssen Sie dazu Experte auf dem jeweiligen Gebiet sein, über das Sie schreiben wollen.

So einfach funktioniert es:

Schreiben Sie ein Buch über ein Thema, das äußerst kompliziert ist und über das schon seit Jahrzehnten diskutiert wird und das ergebnislos immer mal wieder aufflammt. Themengebiete dafür sind: Ausländer, Atomkraft, Hitler, Krieg, Dosenpfand, Mülltrennung oder Benzin- und Bierpreise.

Der Inhalt ist dabei ziemlich egal. Sie müssen nur hier und da ein paar Thesen aufstellen. Auch deren Wahrheitsgehalt ist unbedeutend. Den Rest der Seiten füllen Sie mit Statistiken. Überfluten Sie den Leser damit und geben Sie immer und immer wieder an, dass dies alles offizielle Statistiken seien, wissenschaftlich geprüft, auf dem neuesten Stand, sauber recherchiert – Sie wissen schon. An einigen Stellen fügen Sie nun noch Formulierungen wie „wird totgeschwiegen“ oder „die Wahrheit muss gesagt werden“ ein.

Nun übergeben Sie ein paar der formulierten Thesen an die Bild-Zeitung. Durch den Themenschwerpunkt Ausländer, Atomkraft, Hitler, Krieg, Dosenpfand, Mülltrennung oder Benzin- und Bierpreise wird die Zeitung ihre Thesen drucken. Damit haben Sie es schon fast geschafft! „X sagt, in 170 Jahren kann sich niemand mehr Bier leisten!“

Anschließend geben Sie immer wieder einige neue Thesen als Pressemitteilung an verschiedene Zeitungen und Zeitschriften. Diese können Sie problemlos selbst formulieren: „Berlin, 2. September, X sagt, Bier trinken macht dumm.“ Im Nachhinein können Sie diese Thesen wieder zurückziehen oder auch nicht. Das machen Sie ganz beliebig, um noch mehr Aufmerksamkeit zu erreichen und alle Interessierten zu verwirren. Nun haben Sie bereits den Punkt erreicht, an dem Sie die volle Aufmerksamkeit aller Medien bekommen. Sicher ein schönes Gefühl, nicht wahr?

Einladungen zu Talk-Shows nehmen Sie dankend an. In der jeweiligen Sendung brauchen Sie nur hier und da zu antworten, ein paar Thesen zu wiederholen, insgesamt schläfrig zu wirken, zu nuscheln und möglichst viele „Ähs“ und Unterbrechungen in Ihr Reden einzufügen. Auch die Namen der anderen Gäste systematisch falsch auszusprechen hilft. Sie müssen völlig inkompetent wirken, denn damit grenzen Sie sich von Ihren Gegnern und deren Gefühlsausbrüchen und rhetorischen Fähigkeiten ab. Das brauchen Sie alles nämlich nicht, denn Sie sagen schließlich die Wahrheit. Oder auch nicht – das weiß schließlich niemand so genau.

Ihre Gegner wirken ganz von selbst unsympathisch, denn diese haben sich nicht im Griff, schenken Ihnen zu viel Aufmerksamkeit und merken nicht, dass Sie schon gewonnen haben, allein dadurch, dass Sie im Mittelpunkt der Sendung stehen und in der Unterzahl sind. Kein Argument der Welt kann so etwas nunmehr wegdiskutieren.

Sie haben den Punkt erreicht, an dem es nicht mehr möglich ist, nichts zu Ihnen zu sagen. Die Zuschauer danken es Ihnen – ganz nebenbei – mit dem Interesse für Ihr Buch.

Die Rivalen

smart Der Spiegel hat diese Woche mal wieder ein China-Titelthema. Darin setzt sich bei den beteiligten acht (!) Redakteuren die Erkenntnis durch, dass die deutsche Wirtschaft von China abhängt und immer abhängiger wird. Neuigkeiten sind anders. Dabei hat der Artikel nur zehn Seiten mit hier und da wirklich sehr großen Bildern. Umgerechnet sind das nur 6,5 Seiten. Damit hat jeder Redakteur gerade mal 0,8 Seiten Text beigetragen.

Inhaltlich werden bekannte Punkte abermals wiedergekäut:

  • China ist kurz vorm Explodieren
  • Chinas Wirtschaft ist in den letzten Jahren immer innovativer geworden
  • deshalb machen die sich sogar in Märkten breit, wo WIR eigentlich hingehören (Autos, saubere Energie)
  • die klauen alles

Die Lösung dieser Probleme nennen die unzähligen Redakteure aber nicht. Und dabei liegt sie so nahe:

Wenn sich das Problem der Abhängigkeit nicht eh alleine durch den Untergang Chinas wegen einer Immobilienblase, dem Bankrott des Bankensystems oder den steigenden Löhnen selbst auflöst, dann muss Deutschland eben auch von der Innovativität Chinas profitieren. Die deutsche Industrie sollte ganz einfach endlich damit anfangen, ebenfalls Technologie von China zu klauen und zu kopieren.

  • Die Solarzelle da ist billiger?
    ➔ Technik kopieren und dann dort in chinesischen Fabriken herstellen lassen.
  • Dort wird der Transrapid unmoralischerweise nachgebaut?
    ➔ Den nachgebauten Transrapid hier genauso nachbauen.
  • Der bereits kopierte Smart hat da zwei Sitzplätze mehr?
    ➔ In UNSEREN Smart auch mehr Sitze einbauen.

Ist doch einfach! Alle Probleme gelöst!

Verbot!

VERBOT! ALLES MUSS RAUS!

Die Prohibition von Glühbirnen trifft nun auch 75-Watt-Birnen. Decken Sie sich noch heute mit den traditionellen Lichtern ein!

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Ich sehe hier ein ernomes Geschäftspotential. Morgen werde ich 500.000 Glühbirnen kaufen und dann nach dem VERBOT ein blühendes Schwarzmarktgeschäft mit Glühbirn-Mafiastrukturen aufmachen. Die Zukunft ist gesichert!

Wort: Kopfkino

Warum benutzen bei Big Brother Staffel 10¹ alle dauernd das Wort “Kopfkino” bzw. wieso fällt mir das so enorm (negativ) auf?

Anfangs wusste ich gar nicht, was Kopfkino eigentlich bedeuten sollte. Der Kontext umschiffte zumeist eine negative Vorstellung im Geiste des Kopfkino-Sagenden, die rein subjektiven Charakter hat und sich auf selbst nicht beeinflussbare oder nicht unmittelbar selbst nachprüfbare Gegebenheiten bezog. Das lasse ich mal als vorläufige Arbeitsdefinition so stehen.

Kopfkino passiert immer dann, wenn man nicht so recht weiß, wie die Dinge laufen, sich aber – aus welchen Gründen auch immer – viele Gedanken darüber macht.

Aber irgendetwas ist faul an diesem Wort. Aus irgendeinem Grund stößt es bei mir immer ganz widerlich auf, wenn ich es höre. Aber warum nur?

Es liegt erstens an der Selbstverständlichkeit mit der die Big Brother-Kandidaten das Wort in ihre Gespräche einbauen. Viele bekommen nicht einmal die einfachsten Satzkonstruktionen hin, verwenden falsche Wörter und deklinieren inkorrekt – aber “Kopfkino”, das kenne alle. Nicht ein einziges Mal habe ich jemanden nachfragen hören – “Hey Anne, was meinst du denn jetzt damit?” Auch wird es immer in den schändlichen Konstruktionen “Ich habe Kopfkino” oder “Das ist voll kopfkino” genutzt. Das geht schon sehr in die Richtung von “Ich habe Rücken“.

Zudem ist das Wort so unsympathisch und widerwärtig, weil es mir zwar neu vorkommt, aber sich tatsächlich als Synonym verächtlich im Schatten von “Fantasie” und “Grübeln” verbirgt und damit nur vorgibt, ein eigenständiges Phänomen darzustellen.

Meine fünfminütigen hoch wissenschaftlichen Recherchen haben ergeben, dass das Wort nicht im Duden steht. Zu Recht, wie ich finde. Auch in Wikipedia hat es nur einen läppischen Verweis auf “Imagination”, was natürlich falsch ist. Wie immer bei Wikipedia.

Ist diese Wort nun also wirklich neu? Hab ich da eine große linguistische Sensation entdeckt? Wann kam es in etwa auf? Oder ist es regional geprägt (unwahrscheinlich, weil die BB-Bewohner auch von überall her kommen)? Oder ist das alles doch einfach Ignoranz meinerseits?

¹ Ja, ich bin ein großer Freund dieser Sendung, gebe das hier öffentlich zu und werde nichts daran ändern.

Noch besser sein: Hirndoping

This ain’t Amsterdam, Vince. This is a sellers market. Coke is fucking dead as… dead. Heroin, it’s coming back in a big fucking way.

Nicht ganz, lieber Lance! Was der nette Drogendealer von nebenan hier versucht Vincent Vega in Pulp Fiction zu erklären, trifft nicht mehr ganz die Wahrheit. Kokain ist wieder zurück! Aber es heißt jetzt anders: Ritalin. Und offiziell ist es auch ein Medikament und keine Droge.

Innerhalb von zwei-drei Tagen häufen sich die Berichte über “Hirndoping” (Schlagwort) auffällig. Vorgestern bei Kerner, gestern bei arte und dann nochmal etwas später auch in den Tagesthemen.
Methylphenidat_und_andere_Tabletten
Ritalin ist eigentlich für Kinder mit Aufmerkhypersyndromkrankheit gedacht, um die permanent quengelnd-stuhlkippelnden Quälgeister ruhig zu stellen. Wenn “normale” Leute das Mittel nehmen, wirkt es allerdings fast genau wie das gute alte Koks.

Wohingegen die meisten Drogen der Vergangenheit dafür da waren, sich gegen die Gesellschaft und “Das System” aufzulehnen oder zumindest einfach nur so high zu werden, dass man nichts mehr davon mitbekommt, haben wir es nun vielleicht zum ersten Mal in der Geschichte des Drogenkonsums mit dem genauen Gegenteil zu tun: Ritalin und seine Freunde helfen dabei noch effektiver, produktiver und schneller seine Arbeit zu verrichten. Denn keiner nimmt Ritalin, um high zu werden, sondern um sich besser konzentrieren zu können. Angeblich wirkt es auch geradezu unglaublich gut, wie in den Beiträgen da oben zu sehen ist. Spielend werden langweilige Bücher runtergelesen, werden lästige Kunden betreut und wird Unsinn in Computer eingetippt. Man kriegt dann einfach nichts mehr mit – bis auf die Arbeit.

Schon jetzt ergaben Umfragen, dass 120% der deutschen Manager Mittel zur Steigerung ihrer Gehirnfunktionen nehmen würden. Das ist bedenklich und zeigt mal wieder, wie schlimm alles ist!

Besonders verwunderte mich die Aussage einer Psycho-Ärztin bei Kerner, die davon sprach, dass man Ritalin und ähnliche Mittel sehr leicht auch ohne Rezept bekäme. So wie man früher auch immer wusste, wo Haschisch zu bekommen sei (hier sprach sie offensichtlich von sich selbst), geht das jetzt mit Ritalin. Besonders in der Nähe von Universitäten sei das Gang und Gäbe! Vielleicht frage ich morgen mal in der Mensa danach herum.

Update: Meine Nachfragen widerlegen die These der Psycho-Frau. In der Mensa wird kein Ritalin vertickt:

gefragte Personen: 2
erhaltene Ritalintabletten: 0
Aussagen, dass man selber sowas haben wolle: 2

民族团结 – Minderheiten im chinesischen Fernsehen

Als kleine Einstimmung, Musik:

Das Lied heißt 爱我中华, Mein China lieben. Darin werden die 56 Ethnien Chinas als Brüder und Schwestern, eine Familie formend, bezeichnet. Ein harmonisches Bild.

Der Begriff 民族团结 beschreibt dieses Konzept ziemlich gut. Er ist aber gar nicht mal so einfach ins Deutsche zu übersetzen, wie man auf den ersten Blick glaubt. In Englisch ist es in etwa “national unity”, für deutsch wörtlich vielleicht “Einheit der Ethnien”. Nach dem beliebten Wörterbuch eine Kombination aus den beiden Wörtern

1 民族 mínzú: Nation, Volk; Nationalität; ethnisch (u.E.)
2 团结 tuánjié: sich zusammenschließen; Einheit; Einverleibung; Festigung; Zusammenschluss; vereinigen; einig; einiger; einiges (u.E.)

Letztendlich ist aber die Bedeutung sehr einfach zu verstehen. Es geht um das gute Verhältnis aller Ethnien in China. Seit den Unruhen in Tibet, aber insbesondere denen in Xinjiang im Juli ist dieser Begriff ganz besonders interessant. Und für meine Begriffe kommt er auch auffällig häufig im chinesischen Fernsehen vor. Nun muss ich zugeben, absolut keinen repräsentativen Blick zu haben, da ich nur, eher unregelmäßig, chinesische Nachrichten auf CCTV新闻 sehe, mein Eindruck aber deutet schon auf mehr davon hin.

Das alleine wäre noch keine tolle Erkenntnis, erscheint vielmehr völlig logisch aus westlicher Perspektive: “Propaganda” schreien da sofort einige. Nun ja, wahrscheinlich ist es das. Aber noch viel interessanter finde ich die Darstellung der Minderheiten selbst im Fernsehen. Für mein Empfinden sehr häufig werden Minderheiten in einer Weise dargestellt, die kitschig, klischeehaft und irgendwie nicht richtig ernst zu nehmend wirkt.

Minderheiten in China scheinen als wichtigste Beschäftigung Singen, traditionelle, extrem bunte Kostüme Tragen und vor allem Tanzen zu haben. Sie sind häufig auf Bühnen zu sehen, wo sie in großen Gruppen die Tänze ihrer Kultur aufführen. Gesprochen wird nicht, keiner sagt seine Meinung, sondern nur eins wird getan: Getanzt.

(Bild: CC-Lizenz: © West Zest) shaoshuminzu

Der Gipfel war für mich letztens ein Interview bei 面对面 mit einer uigurischen Frau, die sich zur Xinjiang-Problematik nach den Unruhen äußerte. Selbstverständlich propagierte auch sie 民族团结, ohne die die harmonische Gesellschaft unmöglich sei und keine Entwicklung Chinas in Aussicht ist. Aber das Ironischste an der Sache war ihr Beruf: 舞蹈艺术家: Tänzerin. Sie ist auch Lehrerin für traditionellen uigurischen Tanz und bringt laut Interview natürlich auch Han-Chinesen diesen Tanz bei.

Bei solch einer einseitigen und albernen Darstellung wird aber ein sehr abwertendes Bild der chinesischen ethnischen Minderheiten übermittelt. Die scheinen den ganzen Tag nur zu singen und zu tanzen und bunte Kleidung zu tragen. Aber arbeiten diese Leute eigentlich auch? Haben sie eine Meinung? Helfen sie, China aufzubauen und zu modernisieren? Was ist ihr Beitrag? Bei dieser Darstellung scheint es für mich eher wie ein bloßes Akzeptieren der Minderheiten, aber keine wirkliche Integration. Mit einer Offensichtlichkeit, die hier nur zu zynischen Kommentaren führen würde, wird klar gestellt: Wir Chinesen finden die Kulturen der Minderheiten gut und sie können sie hier voll ausleben. Aber am besten nur beim Singen und Tanzen. Das Ganze wirkt extrem aufgesetzt.

Was fehlt, ist das Minderheiten-Vorstandsmitglied einer großen chinesischen Firma. Der Minderheiten-Gouverneuer einer chinesischen Provinz. Oder zumindest doch mal ein erfolgreich wirkender Minderheiten-Business-Typ im schicken Anzug mit dickem BMW vor der Garage.

Vielleicht werde ich hier durch meine Herkunft schon beeinflusst und sehe diese Dinge nicht, obwohl sie gezeigt werden. Aber vielleicht habe ich auch einfach Recht. :)

Langeweile: Einfach mal rein gar nichts tun

Nichts ist so unerträglich für den Menschen, als sich in einer vollkommenen Ruhe zu befinden, ohne Leidenschaft, ohne Geschäfte, ohne Zerstreuung, ohne Beschäftigung. Er wird dann sein Nichts fühlen, seine Preisgegebenheit, seine Unzulänglichkeit, seine Abhängigkeit, seine Ohnmacht, seine Leere. Unaufhörlich wird aus dem Grund seiner Seele der Ennui aufsteigen, die Schwärze, die Traurigkeit, der Kummer, der Verzicht, die Verzweiflung.

Das hat Blaise Pascal irgendwann im 17. Jahrhundert mal geschrieben. Langeweile, ein unerträglicher Zustand. Auch heute ist der Begriff äußerst negativ besetzt. Langeweile gilt es zu vermeiden, am besten daduch, dass man etwas Interessantes tut, sich die Zeit vertreibt und Dinge macht, die einen ablenken.

Heute gibt es wahrscheinlich mehr Möglichkeiten zum Bekämpfen der Langeweile als beim alten Blaise P. Ich kann mir zwar nur ganz grob vorstellen, wie der Alltag und die Freizeit im 17. Jhd. aussah (Musik komponieren, Malen, auf den wöchentlichen Ball im Schloss gehen, Philosophieren…), aber Fernsehen, Computer, MP3-Player, Bundesliga und Skateboards gab es damals jedenfalls nicht. Selbst das gute alte Fahrrad wurde erst gute 100 Jahre später erfunden.

Ich kann mir gut vorstellen, dass die Leute damals sogar einfach mal im Park sitzen und in der Gegend Herumschauen interessant fanden. Damit ist heute wohl nur noch wenigen genüge getan. Man dröhnt sich permanent mit medialer Beschallung zu. Surft im Netz, während man parallel noch den Fernseher stumm laufen lässt und gleichzeitig Telefonanrufe entgegennimmt. Mehrere Minuten am Stück, in denen man wirklich mal nichts tut, kommen eigentlich gar nicht mehr vor.

Yawning dad
Creative Commons License photo credit: Tambako the Jaguar

Schon morgens beim Frühstück gucke ich nach den neuesten Nachrichten im Netz, checke E-Mails und höre dabei Musik – Wieso kann ich nicht einfach mal nur frühstücken? Vielleicht weil ich innerlich Angst davor habe, Zeit ungenutzt verstreichen zu lassen. Vielleicht aber auch, weil mir bei der Vorstellung wirklich einfach nur zu frühstücken langweilig werden könnte, eben dadurch, dass es so unzählige Möglichkeiten gegen Langeweile gibt und ich schon daran gewöhnt bin, damit Langeweile zu bekämpfen. Allerdings sind diese Tätigkeiten in den meisten Fällen ja nun auch nicht so wahnsinnig interessant. Manchmal checkt man Mails, nicht weil man wirklich glaubt, etwas empfangen zu haben, sondern… naja… einfach so. – Das Vorgehen läuft damit aber ins Leere. Bei der Bekämpfung von Langeweile entsteht genau dieselbe.

Auch wenn das vielleicht alles nicht hundertprozentig wasserdicht logisch klingt, glaube ich, eine interessante Methode gefunden zu haben: Einfach mal nichts tun.

Man legt dafür eine bestimmte Zeitspanne fest, z.B. eine halbe Stunde, setzt sich gemütlich irgendwo hin und – tut nichts. Vor allem sollte man darauf achten, nicht einzuschlafen, denn das wäre grob gesagt Beschiss. :) Naja und dann wartet man, ganz bewusst und ohne irgendein Ziel. Es geht nur um die reine Erkenntnis. Das Ganze hat etwas von Meditation, aber halt ohne Meditation.

Schnell kommen die Gedanken, was man jetzt gleich auf der Stelle tun müsste, man bekommt das Bedürfnis irgendwo hinzugehen oder zumindest mal das Zimmer zu verlassen oder den Fernseher anzuschalten. Es fallen einem plötzlich wahnsinnig wichtige Sachen ein, die man schnell nochmal bei Wikipedia nachschlagen sollte, weil sonst die Welt untergeht. Aber gegen all das muss man ankämpfen – um wieder richtig zu verstehen, was Langeweile wirklich ist und dass sie tatsächlich gar nicht so schlimm ist und darüber hinaus sogar kreativitätsfördernd wirkt. ;)

Zu diesem Thema gibt es übrigens einen irre hörenswerten Beitrag bei Bayern 2: Lange Weile oder Langeweile? – Ein bohrendes Phänomen unserer Zeit