Nichts ist so unerträglich für den Menschen, als sich in einer vollkommenen Ruhe zu befinden, ohne Leidenschaft, ohne Geschäfte, ohne Zerstreuung, ohne Beschäftigung. Er wird dann sein Nichts fühlen, seine Preisgegebenheit, seine Unzulänglichkeit, seine Abhängigkeit, seine Ohnmacht, seine Leere. Unaufhörlich wird aus dem Grund seiner Seele der Ennui aufsteigen, die Schwärze, die Traurigkeit, der Kummer, der Verzicht, die Verzweiflung.
Das hat Blaise Pascal irgendwann im 17. Jahrhundert mal geschrieben. Langeweile, ein unerträglicher Zustand. Auch heute ist der Begriff äußerst negativ besetzt. Langeweile gilt es zu vermeiden, am besten daduch, dass man etwas Interessantes tut, sich die Zeit vertreibt und Dinge macht, die einen ablenken.
Heute gibt es wahrscheinlich mehr Möglichkeiten zum Bekämpfen der Langeweile als beim alten Blaise P. Ich kann mir zwar nur ganz grob vorstellen, wie der Alltag und die Freizeit im 17. Jhd. aussah (Musik komponieren, Malen, auf den wöchentlichen Ball im Schloss gehen, Philosophieren…), aber Fernsehen, Computer, MP3-Player, Bundesliga und Skateboards gab es damals jedenfalls nicht. Selbst das gute alte Fahrrad wurde erst gute 100 Jahre später erfunden.
Ich kann mir gut vorstellen, dass die Leute damals sogar einfach mal im Park sitzen und in der Gegend Herumschauen interessant fanden. Damit ist heute wohl nur noch wenigen genüge getan. Man dröhnt sich permanent mit medialer Beschallung zu. Surft im Netz, während man parallel noch den Fernseher stumm laufen lässt und gleichzeitig Telefonanrufe entgegennimmt. Mehrere Minuten am Stück, in denen man wirklich mal nichts tut, kommen eigentlich gar nicht mehr vor.

photo credit: Tambako the Jaguar
Schon morgens beim Frühstück gucke ich nach den neuesten Nachrichten im Netz, checke E-Mails und höre dabei Musik – Wieso kann ich nicht einfach mal nur frühstücken? Vielleicht weil ich innerlich Angst davor habe, Zeit ungenutzt verstreichen zu lassen. Vielleicht aber auch, weil mir bei der Vorstellung wirklich einfach nur zu frühstücken langweilig werden könnte, eben dadurch, dass es so unzählige Möglichkeiten gegen Langeweile gibt und ich schon daran gewöhnt bin, damit Langeweile zu bekämpfen. Allerdings sind diese Tätigkeiten in den meisten Fällen ja nun auch nicht so wahnsinnig interessant. Manchmal checkt man Mails, nicht weil man wirklich glaubt, etwas empfangen zu haben, sondern… naja… einfach so. – Das Vorgehen läuft damit aber ins Leere. Bei der Bekämpfung von Langeweile entsteht genau dieselbe.
Auch wenn das vielleicht alles nicht hundertprozentig wasserdicht logisch klingt, glaube ich, eine interessante Methode gefunden zu haben: Einfach mal nichts tun.
Man legt dafür eine bestimmte Zeitspanne fest, z.B. eine halbe Stunde, setzt sich gemütlich irgendwo hin und – tut nichts. Vor allem sollte man darauf achten, nicht einzuschlafen, denn das wäre grob gesagt Beschiss.
Naja und dann wartet man, ganz bewusst und ohne irgendein Ziel. Es geht nur um die reine Erkenntnis. Das Ganze hat etwas von Meditation, aber halt ohne Meditation.
Schnell kommen die Gedanken, was man jetzt gleich auf der Stelle tun müsste, man bekommt das Bedürfnis irgendwo hinzugehen oder zumindest mal das Zimmer zu verlassen oder den Fernseher anzuschalten. Es fallen einem plötzlich wahnsinnig wichtige Sachen ein, die man schnell nochmal bei Wikipedia nachschlagen sollte, weil sonst die Welt untergeht. Aber gegen all das muss man ankämpfen – um wieder richtig zu verstehen, was Langeweile wirklich ist und dass sie tatsächlich gar nicht so schlimm ist und darüber hinaus sogar kreativitätsfördernd wirkt.
Zu diesem Thema gibt es übrigens einen irre hörenswerten Beitrag bei Bayern 2: Lange Weile oder Langeweile? – Ein bohrendes Phänomen unserer Zeit
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