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Zeitleiste: Chinesische Dynastien

Wieso gibt es keine einigermaßen übersichtliche Zeitleiste zu den chinesischen Dynastien? Wieso sind die Handvoll Zeitleisten entweder alle in Englisch (was manchmal problematisch ist) oder nicht frei verfügbar?

Mein Beitrag zur freien Information:

china_geschichte

Die Einträge sind spärlich, aber übersichtlich. Es geht um die Dynastieabfolge und deren Daten, die sich damit leichter lernen lassen. (In meiner hier gezeigten Darstellung sind die Republiken auch Dynastien – naja, drücken wir der Vollständigkeit halber ein Auge zu…)

Noch besser ist vielleicht eine Leiste mit Karten (Achtung, die volle Größe des Bildes ist 5,1 MB groß und liegt bei Rapidshare):

china_geschichte_gross

Problematisch bei solchen Karten ist natürlich, dass sie immer nur einen festen Zeitpunkt darstellen können, wobei eine Zeitleiste ja eigentlich Phasen deutlich machen will. Aber das lässt sich nicht ändern. Die Karten sind übrigens alle von der Wikimedia und z.B. auch dort als GIF-Animation zu sehen. (CC-Lizenz: Ian Kiu)

Und eigentlich wäre es doch auch sinnvoll, wenn parallel einige Eckdaten der europäischen Geschichte gezeigt wären, damit man sehen kann, wo sich die Dynastien zeitlich in etwa abspielen:

china_europa

(Die hier veröffentlichten Zeitleisten stehen hiermit auch unter CC-Lizenz und können unter Nennung des Urhebers vervielfältigt, verbreitet und bearbeitet werden.)

Krise und Chance im Chinesischen

Schon mehrfach habe ich solche und ähnliche Aussagen gelesen:

Im Leitartikel unter dem Bild gibt Gao Zhikai, der Direktor des Chinesischen Verbands für internationale Studien, eine aktuelle Deutung des Umstands, daß der Begriff „crisis” im Englischen einfach nur „Krise” meint, während „weiji” auf Chinesisch sowohl „Krise” als auch „Chance” bedeutet. Was aus diesem Unterschied kulturell und geopolitisch folgen mag, bleibt im Raum stehen. (Quelle: FAZ.net)

Das chinesische Wort für “Krise” lautet 危机. Im Wörterbuch gibt es dazu folgende Übersetzungen:

W. Fuchsenberger:

Oder auch bei Wenlin:

危机[-機] ¹wēijī* n. crisis | Zhōngdōng hépíng chūxiàn ∼. Crisis has appeared in the Middle East.

“Chance” ist in beiden Fällen nicht zu finden. Wie kommt also Herrn Siemons von der FAZ auf solch eine kühne Behauptung?

Es liegt erstens an einem grundsätzlichen Missverständnis der chinesischen Sprache. Bekannt ist, dass 危机 Krise bedeutet, was auch stimmt. Außerdem ist klar, dass 机会 Chance oder Möglichkeit bedeutet, was ebenfalls stimmt. Wie man sieht, ist das erste Zeichen der Chance genau dasselbe wie das zweite Zeichen der Krise. Die logische Schlussfolgerung wäre also tatsächlich, dass Krise eine Kombination aus Krise oder Gefahr, was das erste Zeichen 危 andeutet, sowie Chance sei.

Die chinesische Sprache folgt aber nicht dieser Logik. 危机 ist ein Wort zusammengesetzt aus zwei Zeichen. Es lässt sich nicht einfach aufspalten in 危 und 机, die dann ihrerseits auch Wörter wären. Das funktioniert zumindest in diesem Fall nicht, denn 机 alleine bedeutet eben nicht Chance. Nur in Kombination mit 会 tut es das. 机 alleine kann im Chinesischen zahlreiche Wörter je nach Zusammenstellung mit anderen Zeichen bilden, ihm aber die alleinige Bedeutung “Chance” zuzuschreiben ist schlichtweg falsch.

Dahinter steckt aber nicht nur ein linguistisches Missverständnis, sondern wahrscheinlich auch interkultureller Esoterik-Hokuspokus. Die Vorstellung, dass eine Krise zugleich eine Chance sei und sich das auch noch in der Sprache widerspiegelt ist schön, interessant und andersartig. Übertragen wird diese falsche Vorstellung dann sogleich auch noch auf die Kultur selbst. Das chinesische Verständnis der “Krise” wird gleich komplett umgedeutet, als wenn Chinesen Krisen als positiv betrachten würden. Geistesgeschichtlich passt diese Vorstellung dann zu guterletzt auch noch wie angegossen. Yin und Yang wechseln sich ja bekanntlich genauso in ihrer Wirkung ab, wie Krisen und Chancen und der Daoist setzt sich auch bei der schlimmsten Wirtschaftskrise seit 80 Jahren schweigend auf seinen Berg und wartet vor sich hinmeditierend fest überzeugt auf die Chance. Auf die Chance dass seine Commerzbank-Aktien doch wieder steigen.

Literatur:

Uni Leipzig: Wortschatz

Eigentlich kenne ich den “Wortschatz” der Uni Leipzig schon sehr lange, habe mich aber noch nie wirklich damit beschäftigt und habe seinen enormen Nutzen bisher auch gar nicht verstanden. Jetzt aber vielleicht schon. Der Wortschatz bietet “korpus-basierte, monolinguale Wörterbücher” an, die er aus Zeitungen und zufällig ausgewählen Webseiten zusammenstellt. Diese Wörterbücher zeigen nun nicht Übersetzungen an, wie in einem normalen Wörterbuch, sondern “zusammenhängende” Wörter.

Das klingt alles sehr abstrakt und deshalb gebe ich ein Beispiel. Suche ich z.B. nach “Volkswagen”, kommt heraus: Porsche, Autobauer, VW, Wolfsburg, Kernmarke, bei, Pischetsrieder, Europas, DaimlerChrysler, BMW.

Das bedeutet schlichtweg, in einem Satz, in dem “Volkswagen” vorkommt, kommt auch auffällig häufig “Porsche”, “Autobauer”, “VW”, “Wolfsburg” usw. vor. Die Häufigkeiten werden dann ebenfalls ausgegeben.

Was bringt das Ganze nun?

Zum einen lassen sich so Kollokationen, also typische Wortverbindungen leicht finden. Zum Beispiel frage ich mich, wie man im Chinesischen ausdrückt “eine Chance nutzen”. Wie sollte ich das in einem normalen Wörterbuch finden? Ich kann nur nach “Chance” suchen und hoffen, dass zufällig ein Beispielsatz angegeben ist, der genau das aussagt. Das ist meistens nicht der Fall. Ich könnte bei Google verschiedene Kombinationen durchprobieren und schauen, welche am häufigsten vorkommt. Aber das ist zeitaufwändig und manchmal weiß man gar nicht das entsprechende Wort. In diesem Fall wäre mir nur “Chance” bekannt: 机会. Aber “nutzen” in diesem Zusammenhang? Keine Ahnung!

Die Lösung: Ich gebe 机会 im Wortschatz ein. Das Ergebnis dargestellt als lustige Mindmap:


(Quelle: Wortschatz Uni Leipzig)

Sie zeigt nun also an, welche Wörter besonders häufig mit 机会 zusammen im Satz vorkommen. Sehr wahrscheinlich gibt es auch eine Kombination, die “eine Chance nutzen” heißt, denn sicherlich existiert solch ein Ausdruck auch im Chinesischen. Ganz ohne Hintergrundwissen geht es zwar nun nicht, denn man muss sich nun immer noch für die richtige Kombination entscheiden. In diesem Fall ist es 把握, denn nur das ergibt hier Sinn. 把握机会 wäre also die richtige Kollokation für “eine Chance nutzen”. Das überprüft man dann im Zweifel doch nochmal per Google, ob es auch wirklich so häufig vorkommt. In diesem Fall tut es das.

Zum anderen kann man interessante Fragen statistisch beantworten. Zum Beispiel: War der Empfang des Dalai Lama durch Angela Merkel wirklich wichtig in China oder wurde das hier übertrieben dargestellt?

Suchen wir doch einfach mal nach 达赖, also “Dalai” im chinesischen Wortschatz. Ergebnis:


(Quelle: Wortschatz Uni Leipzig)

Man kann sehen: Besonders häufig im Zusammenhang mit “Dalai” kommt natürlich “Lama” vor. Das verwundert nun noch wirklich überhaupt nicht. Andere auffällig oft vorkommende Kombinationen mit dem Wort sind “Spaltung”, “Autonomie” oder auch “Unabhängigkeit”. Auch das ist noch nichts besonderes. Interessanter ist, dass bereits als 14.-häufigster Begriff der chinesische Name Angela Merkels “默克尔” vorkommt. Interessant und es bestätigt, dass der Besuch tatsächlich stark wahrgenommen wurde.

Ein anderes Beispiel: Essen Chinesen Hunde? Ich suche nach “狗”, also Hund und erhalte:


(Quelle: Wortschatz Uni Leipzig)

Keines der zusammenhängenden Wörter weist auf “Essen” hin. Es gibt “Tier”, “Haustier”, “Herrchen”, “(einen Hund) halten”, “Katze” usw.

Ich vergleiche dieses nun mit 猪, also “Schwein”:


(Quelle: Wortschatz Uni Leipzig)

Aha! Hier sieht die Sache anders aus. Sowohl 肉, als auch 猪肉 sind eng mit dem Schwein verbunden. Beide bedeuten “Fleisch” und “Schweinefleisch”. Daneben sind übrigens auch “Epidemie” und “krankheitserregend” häufig. Außerhalb der Grafik in der genaueren Übersicht steht auch noch 吃, also “essen”. Beim Hund gibt es das viel viel seltener (wenn auch nicht überhaupt nicht…).

Damit ist es also endlich bewiesen, der Hund korreliert in China fast gar nicht mit Essen!

Das klingt jetzt ganz witzig, aber die enorme Bedeutung, die dieser Wortschatz und andere technische Möglichkeiten zur automatischen Sprachverarbeitung im Zusammenhang mit dem Internet bieten, wird mir erst langsam klar. Z.B. kommt mir gerade die Idee so einen großen Begriff wie “Demokratie” innerhalb unterschiedlicher Sprachen und damit oft auch unterschiedlicher Kulturen zu untersuchen… Das Ganze von zu Hause mit dem Laptop auf dem Schoß. Ohne auch nur die kleinste Umfrage.

Chinesische Zeichen als Tattoo 2

Es ist so lustig, dass ich kaum damit aufhören kann. Nun habe ich weitere Tattoos in meine “Datenbank” aufgenommen und ein neues Diagramm mit noch mehr davon erstellt. Das sollte nun noch etwas repräsentativer sein.

Größere Veränderungen gab es eigentlich nicht. 气 wird aber, wie ich schon vermutet hatte, doch häufiger gewählt als das in meiner letzten “Untersuchung” herauskam und da wir in einer individualistischen Gesellschaft leben, wird auch der eigene Name häufiger eintätowiert als der von anderen.

Fehler gab es auch, aber diese mit Worten zu beschreiben ist umständlich und wenig aussagend. Eine richtige Klischee-Falsch-Benutzung will ich deshalb zeigen:

Die Arme wollte sich 友爱魄 (Freundschaft, Liebe, Seele) tätowieren lassen. Leider ist die Liebe aber verkehrt herum. Nach dem Posten des Bildes ist ihr das dann selbst aufgefallen und andere Forumsmitglieder trösteten sie damit, dass “Liebe ja manchmal Kopf stehe” und das alles deshalb nicht so schlimm sei. Man muss es wohl locker sehen. Ich kann das aber nicht. :)

Chinesische Zeichen als Tattoo

Eine der lustigsten Seiten für Chinesen könnte vielleicht hanzismatter.com sein. Dort wird fälschlicher Gebrauch chinesischer Zeichen von Westlern gezeigt und sich darüber lustig gemacht. Ohne Hemmungen zieht man dort über die Unwissenheit von ABClern her. Eine nicht nur lustige, sondern auch nachdenkenswürdige Angelegenheit für alle, die sich gerne über das Chinglisch auf Chinas Straßen wegeumeln.

Angeregt durch diese gute Idee habe ich selbst nachgeforscht und in die StudiVZ-Gruppe “Chinesische Zeichen als Tattoo” geguckt. Leider sind mir in einem dortigen Thread, wo jeder so seine Körperbildchen auf Fotos zeigt, gar nicht so viele grobe Fehler aufgefallen. Aber ich möchte hier einfach mal zum Spaße einen kleinen Überblick darüber geben, welche Zeichen denn ganz besonders gerne eintätowiert werden. Meine statistische Auswertung ergab folgende Verteilung, wobei nur die “Phänomene” aufgenommen worden, die mindestens dreimal vorkamen. Das Problem ist, zu entscheiden, ob Tattoos nun je nach Fall eine Zusammenstellung aus unterschiedlichsten Einzelzeichen oder doch ganze zusammengesetzte Begriffe sind. Das war nicht immer klar.

Hervorstechend ist ganz klar 爱, die Liebe. 36 Leute tätowierten sie sich auf unterschiedlichste Körperteile. Das ist doppelt soviel wie das zweitbeliebteste Zeichen 福, das Glück. Danach musste ich zusammenfassen: Viele Leute tätowieren sich auch ihren chinesischen Namen oder den eines anderen ein. Der Name war in allen Fällen die rein phonetische Übertragung, keiner hatte einen “echten” chinesischen Namen. Namen von anderen waren häufig Söhne und Töchter oder Schwestern oder natürlich auch Freund, Freundin (bzw. Ehegatten). 家 und 忠 für Familie und letzteres laut Aussage der Besitzer “Treue” kamen auch oft vor.

Beliebte Tiere sind gerade 虎 (Tiger), 龙 (Drache), 马 (Pferd) und auch der 狗 (Hund). 兔 (Hase) kam auch vor, aber nur da, wo auch gleichzeitig der Besitzer demselben Sternzeichen angehört. Klar, der Hase ist ja an sich auch ein total feiges Tier. Freiwillig will den niemand. Eigene Sternzeichen wurden übrigens auch recht häufig eintätowiert. Sowohl chinesische als auch westliche.

Das Zeichen 气 (Energie) kam meiner Meinung nach überraschend selten vor. Dieses wird wohl deutlich häufiger auf das eigene Auto geklebt, als dass man es sich tätowieren ließe.

Von der Kombination her war es für mich wirklich sehr enttäuschend. Häufig spritzten sich die Tattoobesitzer einfach nur die Zeichen, deren Bedeutung sie wohl für wichtig hielten, schlicht ohne Zusammenhang hintereinander. Ein Mädchen ließ sich z.B. 爱家马狗忠 schreiben. Das bedeutet aber eigentlich nur Liebe Familie Pferd Hund und Treue. Tierlieb ist sie scheinbar, Kreativität fehlt aber an allen Stellen. Langweilige Kombinationen wie 家福气 (Familie, Glück, Energie) waren sehr häufig. Einer hatte auch das Tatoo 马友谊 auf seinem Körper: Pferdefreundschaft. Naja, wenigstens mal was Neues.

Fehler gab es leider selten. Einer hat sich 兔, also Hase auf den Nacken tätowieren lassen, das Schriftzeichen ist aber falsch geschrieben. Außerdem hat sich eine Frau den Namen ihres Sohnes Rico ins Chinesische übersetzen lassen, wo dann 利寇, gesprochen lìkòu herauskam. Die Aussprache passt sehr gut, leider bedeutet 寇 aber Räuber und Gangster oder auch Feind. Vielleicht die weise Prophezeiung für die spätere Karriere ihres Sohnes.

Alljapaneseallthetime

Vor nicht allzu langer Zeit bin ich auf die Seite alljapaneseallthetime.com gestoßen. Dort behauptet jemand, der sich Khatzumoto nennt, innerhalb von 18 Monaten fließend Japanisch gelernt zu haben. Und zwar außerhalb Japans. Wie das möglich war, beschreibt er auf seiner Webseite.

Seine Strategie basiert auf einem uralten Prinzip: Spaß.

Das bedeutet, er hat Japanisch gelernt, indem er sich mit japanischen Dingen beschäftigt hat, die ihm Spaß bringen. Das können japanische Filme, Comics, Internetforen, Chats usw. sein. Die Inhalte dürfen den Lerner nicht nerven, der Lerner soll nichts lernen, wovon er glaubt, dass er es lernen muss, sondern er setzt sich in erster Linie einfach nur mit dem entsprechenden Medium spaßeshalber auseinander und lernt quasi nur nebenbei. So könnte er sich auch einen japanisch synchronisierten Film ansehen, den er sowieso schon immer toll fand. Warum nicht mal in der Fremdsprache? Dieses soll er dann im Idealfall 24 Stunden pro Tag tun. Im besten Fall hört er dann sogar während des Schlafens japanische Hörspiele.

Soweit die grundlegende Theorie. Klingt abgefahren und unmöglich, ja. Aber ergänzt wird das Ganze durch eine konkrete Technik, die ich für sehr gut halte. Man soll eine sogenannte Spaced Repetition System Software (SRS) benutzen. Diese Software ist die digitale Variante der beliebten Vokabelkärtchen: Vorderseite Übersetzung, Hinterseite zu lernende fremdsprachige Vokabel. Das SRS ist aber viel intelligenter als die Vokabelkärtchen, denn bei jeder Karte bewertet man, wie gut man sie konnte. Gut gekonnte Kärtchen werden erst einige Tage später wiederholt, solche, wo man Probleme hat, kommen vielleicht schon in den nächsten Stunden wieder. Und auch insgesamt verlängern sich die Zeiträume, so dass neue Kärtchen generell häufiger wieder abgefragt werden als ältere. Man bekämpft damit schlichtweg das Vergessen. Als SRS kann ich ohne weiteres Anki empfehlen. Das gibt es für die meisten Betriebssysteme und ist auch in den Standardeinstellung wirklich schon sehr gut geeignet.

Hörverständnistraining: 家有儿女

Lernt ihr schon lange Chinesisch? Denkt ihr genau wie ich, dass euer Hörverständnis doch arg hakt? Versteht ihr nix, wenn Chinesen untereinander reden? Dann seid ihr hier wie immer genau richtig! Ich habe eine bestimmt ganz gute Quelle zum Üben entdeckt. Eine Übung für chinesische Alltagssprache, 家庭口语!

Eine wirklich äußerst populäre chinesische Serie heißt 家有儿女. Sie läuft schon seit Ewigkeiten im chinesischen Fernsehen auf fast allen Kanälen zu unterschiedlichen Zeiten. Es ist eine chinesische Sitcom und ich kann euch sagen, ich habe sie anfangs gehasst. Bis auf eine Lehrerin habe ich in China auch noch niemanden getroffen, der sie wirklich sehr gerne mag. Bei mir hat sich das aber komplett geändert. 家有儿女 ist wirklich super! Und sogar sehr lustig.

Warum ist nun gerade diese Serie so gut, um sein Hörverständnis zu verbessern?

  • Die Charaktere sind hauptsächlich immer die gleichen fünf. Sie sind einfach gestrickt und haben typischen Rollen: Vater, Mutter, zwei Söhne, eine Tochter.
  • Die Folgen sind kurz, jeweils nur 23 Minuten
  • Die Charaktere sprechen wunderbares Pekingnisch. Auch mit dem typischen Genuschel, das 儿化: “我告儿你…!”
  • Die Geschichten sind einfach. Sohn hat schlechtes Zeugnis, will es aber nicht zu Hause zeigen, fälscht Unterschrift, alles kommt heraus und er bekommt Ärger. So etwas z.B., zwar meistens übertrieben dargestellt, aber trotzdem direkt aus dem Leben.
  • Nebenbei lernt man auch hin und wieder etwas über das chinesische Familienleben und das Leben als Schüler. Ich wusste z.B. bis vorgestern nicht, dass es 德育课, also Moralunterricht in Mittelschulen gibt (siehe Folge 46).
  • Und das beste: man kann sämtliche Folgen im Internet anschauen.

Es ist zwar reines Alltagschinesisch, aber den Schwierigkeitsgrad halte ich trotzdem für ziemlich hoch. Nach unabhängig festgestellten Maßstäben eindeutig 高级. Das kommt natürlich vor allem durch die sehr flotte Sprechweise, typisches Verschlucken oder undeutlich Sprechen von Silben und natürlich zahlreiche Begriffe, die ich noch nicht gelernt habe. Es hilft hier wirklich, mit Kopfhörern zu gucken.

Wo kann man denn nun diese Serie im Internet ansehen? Ganz einfach: bei sina.com.cn. Um euch die Arbeit zu ersparen, habe ich die richtige Adresse herausgesucht, wo man von Folge 1 bis 100 alles sehen kann:

家有儿女 – Staffel 1 – Folgen 1-100

Alle Folgen sind mit chinesischen Untertiteln und so kann man bequem stoppen und nachlesen, wenn man etwas nicht verstanden hat.

Zeitungslektüre Lektion 1: Xinhuanet

In den letzten Tagen habe ich einige chinesischsprachige Online-Zeitungsmeldungen gelesen. Es ist auffällig, wie häufig sich einige Begriffe wiederholen. Einige scheinen schon fast Redewendungscharakter zu haben. Also welche Begriffe braucht man dringend, wenn man derzeit chinesische Pressemeldungen der Nachrichtenagentur Xinhua lesen will?

打砸抢烧事件 Dǎ-zá-qiǎng shāo shìjiàn

So wird der Aufstand offiziell bezeichnet. Auch in Nachrichtensendungen im TV: “Vorfall des Kaputtschlagens, Ausraubens und Verbrennens” – etwas schwierig zu übersetzen. 事件 gibt es einige in der chinesichen Geschichte und meistens hat es eine negative Konnotation, obwohl man es auch einfach mit Ereignis übersetzen könnte. Hier bietet sich aber “Vorfall” eher an.

暴力事件 bàolì shìjiàn
暴力行径 bàolì xíngjìng

Gewaltereignis und Gewaltaktion, ebenfalls eine Bezeichnung für die Ereignisse.

破坏藏传佛教的秩序 yánzhòng pòhuài le zàng chuán Fójiào de zhèngcháng zhìxù

die Ordnung des tibetischen Buddhismus zerstören

谴责 qiǎnzé

Das bedeutet “verurteilen” im Zusammenhang von “die Taten verurteilen”. Das war mir bisher auch völlig neu.

达赖集团 Dálài jítuán

Das ist die Dalai Lama-Clique. 集团 alleine mit der Bedeutung “Gruppe” hat eigentlich keine negative Konnotation.

抵制 dǐzhì

boykottieren

依法处置 yīfǎ chǔzhì

kraft Gesetzes behandeln

暴徒 bàotú

Der Mob. 徒 kommt übrigens auch in 信徒, dem Gläubigen vor. Es könnte mit “der Anhänger” übersetzt werden. Hier ist es ein Anhänger der Gewalt.

分裂活动 fēnliè huódòng
分裂动乱 fēnliè dòngluàn

Ersteres ist “Abspaltungsbewegung” und Letzteres ist eines Verbindung aus “Abspaltung” und “Tumult”. 乱 ist das “Chaos”, was in der chinesischen Politik das absolut Schlimmste ist, was passieren kann. Schon seit Konfuzius ist die Vermeidung des Chaos das Wichtigste, was die Staatsführung zu tun hat.

极少数不法分子 jíshǎoshù bùfǎ fènzǐ

Eine Handvoll Kriminelle. 极少数 ist hier wichtig, denn es drückt durch 极 aus, dass es hier um extrem wenige Kriminelle geht. Die absolute Mehrzahl verhält sich nicht gesetzeswidrig.

Viel Spaß beim Lernen. ;)