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Kabel gefunden: Fotos

Nun, da ich endlich auch mal das notwendige Kabel gefunden habe, das man braucht um Fotos von einer Kamera auf einen Computer zu befördern, gibt es auch endlich Fotos von meinem diesmaligen Aufenthalt im Land. Zu bestauenen sind sie dort.

Liebe Genossen…

Vielleicht ist es ja noch jemandem sonst aufgefallen bei der Schlussfeier vorhin. Liu Qi, der Vorsitzende des Pekinger Organisationskomittees (BOCOG) hatte etwas Probleme mit seinem Text bei seiner Rede vor der Jaques Rogges. Er hat sich an der einen und anderen Stelle versprochen.

Später in seiner Rede möchte er allen danken und sagt dann: “同志…朋友们…!” Leider kann ich mich an den genauen restlichen Text nicht mehr erinnern und die Videos auf den einschlägigen Seiten gibt es noch nicht. Jedenfalls hat er ganz offensichtlich das Wort 朋友们, “Freunde” durch 同志们, “Genossen” ersetzen wollen – Ganz gewohnheitsgemäß also, wie er es nunmal aus dem Politbüro kennt. Lustig. :)

Sicherheitsbilanz: Alles halb so wild

Die Olympischen Spiele sind zu Ende und ich kann feststellen, dass ich kein einziges Mal grundlos kontrolliert wurde. Ich kam auch überall hin, wo ich hinwollte. Sicherheitsleute waren immer freundlich und hilfsbereit. Als ich einmal in die Nähe der Judo-Sporthalle gehen wollte, die hier direkt um die Ecke auf dem Campus der Technologie-Universität liegt, wurde ich am Eingang zum Campus nach meinem Pass gefragt. Als ich ihn dem Offiziellen gab, konnte er natürlich nichts davon lesen, weil mein deutscher Reisepass sich dadurch auszeichnet, dass nicht einmal irgendwo “German”, sondern nur “Deutsch” darauf steht. Ich kann also nicht einmal beweisen, dass ich Deutscher bin, weil dieses Wort keiner kennt. Das hat schon mehrmals zu Verwirrung geführt. :) Der Sicherheitsposten lachte dann nur und ließ mich einfach reingehen. Zum 8.8 war ich auch beim Public Viewing zur Eröffnungsveranstaltung auf der Wangfujing-Straße: Es gab keinerlei Kontrollen. Tatsächlich wäre es problemlos möglich gewesen, sich terroristisch zu betätigen. Ich hätte die Bombe einfach nur in meinen Rucksack stecken müssen.

Sicherheitsvorkehrungen in U-Bahnen waren auf Durchschieben von Taschen durch Geräte beschränkt. Das ging sogar zu Stoßzeiten relativ flott voran. Angeblich sollen später sogar Kontrollen in Bussen durchgeführt worden sein. Auch das ist mir nicht passiert.

Die Darstellung einiger unserer Medien war auch an dieser Stelle übertrieben. Aber auch hier in China haben mich Leute gewarnt, ich sollte aufpassen. Das ließ mich dann auch selbst etwas nervös werden und zunächst eher die Straßenseite mal wechseln, wenn ich ein Polizeiauto sah. Aber wozu erzähle ich das eigentlich noch? Die Spiele sind nun eh zu Ende. Ich glaube in ungefähr drei Tagen spricht kein Mensch mehr darüber.

One world, one dream

Gestern war ich zum ersten Mal im Olympiagebiet und habe dort genau das gesehen, was auch schon durch die Medien gegangen ist: Die Regierung stationierte Boden-Luft-Raketen zur Sicherung des Luftraums nicht weit entfernt vom Stadion. Hier sind zwei Bilder, die ich dort schießen konnte.

Als ob das nicht schon interessant genug wäre, hatte ich aber – wohl ausgelöst durch dieses Erlebnis – in der Nacht einen schrecklichen Albtraum. Und der lief so ab…

Ich und noch zwei Freunde stehen auf einer Art Plateau irgendwo in Peking (in Wirklichkeit gibt es keine “Plateaus” in Peking) und beobachten Soldaten, wie sie ihren Sicherheitsaufgaben nachgehen. Wir waren wahrscheinlich Reporter oder freiwillige Helfer bei den Olympischen Spielen. Nach kurzer Zeit kommt ein Militärhubschrauber angeflogen und ich werde spürbar aufgeregt. Dieser Hubschrauber gehört aber zum chinesischen Militär. Er hat ungefähr das Aussehen eines Apache-Kampfhubschraubers, ist also scheinbar ein chinesischer Nachbau des amerikanischen Originals. Der Hubschrauber lässt mit einem Seil ein Paket hinab. Der Hubschrauber fliegt sehr tief und ich kann klar spüren, welch ungeheuren Wind er erzeugt. Mit fliegen die Haare durch die Gegend (diese Szene habe ich aus einer Third-Person-Perspektive gesehen, wie das ja häufig in Träumen geschieht – Ich sah mich also selbst.) Zwar kann ich nicht sehen, was in diesem Paket ist, ich weiß aber, dass es Geld sein muss. Bargeld. Vielleicht welches zur Finanzierung der Olympischen Spiele. Die Soldaten am Boden nehmen das Paket an. Nun nehme ich wieder die Ich-Perspektive ein und ich bin irre aufgeregt, dass ich sowas interessantes erleben darf.

Nun geht es aber los. Ich drehe mich um, weil ich ein lautes, seltsames Geräusch wahnehme und sehe… ein Raumschiff! Und es sieht zufällig fast genau aus wie dieses!

NCC-1701-D
Creative Commons License photo credit: Ezra F

Ich bekomme schreckliche Angst. Vielleicht ist es feindlich gesinnt und will Peking während der Olympischen Spiele angreifen! Aber es stellt sich sehr schnell heraus, dass es ebenfalls zum chinesischen Militär gehört. Offensichtlich also auch ein chinesischer Nachbau. Nur hat es eine andere Farbe als die Enterprise: Es ist pink.

Meine Freunde (wobei ich nicht weiß, wer die waren – ich habe sie nicht gesehen, sondern wusste nur, dass sie da sind) und ich wundern sich. Sowas haben wir noch nicht gesehen. Was wird nun passieren? Hat die Regierung das Raumschiff geschickt, um die Spiele abzusichern? Das wäre ja super!

Das Raumschiff bewegt sich nach links und dreht sich. Es scheint so, als begäbe es sich in Kampfposition. Was geht hier nur vor?! Ich blicke wieder nach rechts und höre dabei ein weiteres lautes Geräusch. Oh mein Gott, noch eine Art Raumschiff schwebt langsam hinauf zu dem Plateau, auf dem wir stehen. Ich kann noch nicht alles sehen, kann nicht erkennen, was das nun wieder ist. Aber ich glaube tatsäschlich so etwas wie Augen erkennen zu können. Leuchtende, grelle, gelbe Augen. Es schwebt weiter hinauf und ich erkenne, was es ist. Es ist… ein Roboter!

Und dieser Roboter sieht nun wieder zufällig fast genauso aus wie dieser:

Wow! Der Roboter aus dem Beastie Boys-Video!

Ich bin beeindruckt. Aber zugleich schockiert. Die Soldaten werden nervös, erheben die Waffen. Die chinesische Enterprise lädt ihre Laserwaffen. Dieser Roboter ist ganz offensichtlich hier der Böse! Oh Gott, es sind entweder Terroristen oder Außerirdische, die da drin sitzen. Oder sogar außerirdische Terroristen! Er greift sofort an und ich höre tatsächlich (es ist ein Traum, ich erzähle nur, was ich erlebt habe…), dass meine Freunde sagen: “Lauf! Lauf! Er wird zuerst die Chinesen angreifen! Wir müssen schnell weg!”

Und genau das tut der Roboter auch. Aus seinen grellgelben Augen kommen Laserstrahlen, die sich gegen die chinesischen Soldaten richten. Diese verbrennen dadurch. Schrecklich, ich weiß. Aber ich konnte nichts tun, sondern nur weglaufen.

Und dann war der Traum einfach so zu Ende. Nach dem Aufwachen musste ich mich erstmal wieder beruhigen. Ich hatte trotz der Absurdität des Traums richtig Angst bekommen. Als ich wieder etwas zu mir kam, wurde mir klar, dass die chinesische Regierung schon viel für die Sicherheit getan hat, aber eine Sache haben sie ganz bestimmt nicht bedacht: Die Gefahr eines Angriffs durch Außerirdische in kampffähigen Flugrobotern.

Sport?

Whistler's Olympic Rings
Creative Commons License photo credit: keepitsurreal

Gab es in Deutschland eigentlich überhaupt schon Presse- und Medienberichte über die Olympischen Spiele als Sportveranstaltung? Also ich denke da an Berichte, wo z.B. deutsche Sportler vorgestellt werden, solche wo gezeigt wird, wer Chancen auf Medaillen hat oder in welchen Disziplinen Deutschland momentan ganz besonders gut ist. Wenn ja, dann scheint das aber dennoch extrem spärlich zu sein. Mir kommt es so vor als ob wirklich alles, was derzeit in Deutschland die Spiele betrifft, politisch ist.

Vor ein paar Tagen wurde ich im Unterricht gefragt, in welchen Disziplinen Deutschland denn sehr gut sein. Ich musste erstmal nachdenken. Dann fiel mir natürlich Fußball ein, aber zugleich, dass die deutsche Männermannschaft nicht teilnehmen wird, sondern nur die Frauen. Warum das so ist, wusste ich aber nicht. Und das Beste ist, dass ich dieses Halbwissen nicht einmal aus Deutschland, sondern aus einem chinesischen Magazin habe, das ich mir hier extra gekauft habe, um die Sport-Wörter zu lernen. Weitere Disziplinen sind mit nicht eingefallen und die Lehrerin meinte, ich sei wohl schon zu lange in China und bekäme deshalb nichts aus Deutschland mehr mit. Sie wusste nicht, dass ich erst seit knapp zwei Wochen wieder hier bin.

Ich bin nicht gegen die politische Diskussion dieser Sache, aber dass auf der anderen Seite der sportliche Aspekt wirklich komplett wegfällt, finde ich etwas traurig. Die Sportler werden das vielleicht ähnlich sehen.

Gehört

Mein Vorgesetzter heute zu einer potentiellen Kundin am Telefon auf Chinesisch: “… neinnein, Amerika würde ich nicht für Ihre Tochter empfehlen [für einen Auslandsaufenthalt]. Der Anteil an Schwarzen ist da ziemlich hoch. Das ist viel zu gefährlich.”

Ich hätte fast den Tee über den Laptop gespuckt.

变化: Veränderungen

Die ersten paar Veränderungen, die mir aufgefallen sind und die ich auf Digitalfilm festhalten konnte:

Das ist die eine neue Station der U-Bahn-Linie 5. Vergleicht man sie mit einer Linie in Shanghai, ist kaum ein Unterschied festzustellen. Diese selbstmordverhindernde Schutzwand gibt es in Shanghai auch an einigen Stellen. Waren beim Bau der Pekinger U-Bahn vielleicht die selben Leute am Werk?

Staunen über die ungewohnt neue Komplexität.

Liudaokou: Alles ist grüner geworden. Überall stehen Pflanzen. Die Luft ist aber dadurch immer noch nicht besser geworden. Auch dass angeblich nur noch die Hälfte der Autos im Moment fährt, bemerke ich wirklich überhaupt nicht.


In Wudaokou gab es früher eine lustige alte Bahnschranke, die eigentlich nur aus einem Stück Baum bestand. Mit einem irrsinnig lautem Warngeräusch und einer sich mehrmals wiederholenden Lautsprecheransage, die den Eindruck machte, als würde die Welt untergehen, wurde auf durchfahrende Züge aufmerksam gemacht. Die Ansage und das Geräusch gibt es immer noch, aber die Schranke wurde ersetzt durch einen automatischen “Zaun”, der sich vor die Schiene schiebt, wenn ein Zug kommt. Die Wärter, wovon es trotz neuer Technik immer noch genauso viele gibt wie früher, haben außerdem ein schickes neues gelbes Häuschen bekommen.

Mit journalistischem Eifer habe ich dieses Foto über die Absperrwand hinweggeschossen. Eigentlich ist dieser Ort nämlich noch nicht fertig. Was aussieht wie aus einem Film Anfang des 20. Jahrhundert, wird die komplett neu gestaltete Qianmen Dajie südlich des Tiananmen-Platzes sein. Es ist der Nachbau einer traditionellen Straße der Qing-Dynastie. Sogar mit Straßenbahn! Ursprunglich sollte dieses Megaprojekt bis zu den Olympischen Spielen fertig sein, verzögert sich nun aber dennoch. Und das stellt eine Ausnahme dar. Andere Großprojekte solcher Art werden in China und natürlich ganz besonders wenn es um den Termin der Spiele geht, normalerweise schon vor der Deadline fertiggestellt. Der Qianmen-Neubau scheint wirklich extrem aufwändig zu sein.

Update 02.08.08 – Die Straße wird doch fertig. Am 7. ist die Eröffnung. Ich bin gespannt.

Neuigkeiten aus dem Osten

Aus irgendeinem Grund bin ich nun nach einer Zeit in Wuhu und einem Kurzaufenthalt in Shanghai wieder in Peking. Hier werde ich noch ein anderes Praktikum machen und versuchen nebenher auch eine Sprachschule zu besuchen, um etwas fürs Chinesische zu tun.

Heute bin ich zum ersten Mal wieder in meine alte Wohngegend gefahren, um zu schauen, was es neues gibt. Natürlich sind die Straßen alle immer noch da, wo sie vorher waren und auch die Wohngebiete stehen noch genauso entweder bombastisch riesig oder klein und versteckt an ihren alten Stellen. Und trotzdem sieht es anders aus. Viele eher “dreckige” Ecken wurden restlos entfernt und stattdessen durch Kaufhäuser oder einfach nur Mauern oder Plätze ersetzt. Kleinere Läden und Straßenhändler mussten weichen für Zierpalmen an den Straßenseiten für schicke Frisörläden, Nagelstudios oder weitere westlich anmutende Kleidungsgeschäfte.

Ein bisschen Flair ist dadurch sicher verloren gegangen, aber dieser Trend ist nunmal unaufhaltsam.

Das Auffälligste von Allem ist wahrscheinlich die U-Bahn. Es gibt nun ganze acht Linien. Das heißt, seit ich das Land verlassen hatte, sind fünf neue dazu gekommen. Natürlich bin ich noch nicht überall mitgefahren aber zumindest die neue Nord-Süd-Linie 5 hat mich schonmal durch Modernität und technische Raffinessen, wie schicke Flachbildschirme, beeindruckt. Tickets werden auch nicht mehr von Hand an die Fahrgäste weitergegeben und entwertet, sondern das übernehmen nun Ticketmaschinen mit Touchscreen. Weniger Personal braucht man dennoch nicht, weil nun wiederum Leute da stehen müssen, die den Fahrgästen erklären, wie diese Maschinen zu bedienen sind. Einige Leute sind offensichtlich überfordert mit dieser neuen Situation und irren fragend blickend durch die neuen U-Bahnstationen. Es sind mehr geworden und so muss man seine Fahrt viel genauer planen. Die Auswahl an Linien ist größer und damit auch die Anforderungen ans Fahren damit.

Auch der Großteil der Busse wurde erneuert. Mit alten Klapperkisten kann man leider nur noch selten fahren.

Vielleicht werde ich die Veränderungen in der nächsten Zeit mit Bildern versuchen etwas zu dokumentieren.