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Anhuis Entwicklung

Nachdem die Schwierigkeiten mit dem Visum nun also beseitigt sind, geht es für mich am Samstag nach Wuhu in Anhui. Diese Provinz ist eine der Ärmsten in China. Das Pro-Kopf-BIP liegt bei 10.000元, Peking dagegen hat knapp fünfmal so viel. Ist Anhui ein “Entwicklungsland”?

Beim HDI sieht es so aus:
Peking: 0,882
Anhui: 0,727

Das hilft ohne Vergleichswerte natürlich überhaupt nicht. Deutschland hat einen HDI von 0,935. Anhuis HDI liegt zwischen denen Syriens und Indonesiens. Pekings HDI dagegen ist ähnlich wie der Maltas und sogar Tschechiens. Ich war zwar noch nie in Tschechien, behaupte aber einfach mal, dass man daran klar sieht, dass auch der HDI als Maß für Entwicklung noch nicht perfekt ist. ;)

Interessant ist außerdem die Verteilung nach Arbeit in den jeweiligen Sektoren. Anhui hat mit 72% im Agrarsektor den höchsten Anteil aller chinesischen Provinzen! Nur 9% arbeiten dort in der Industrie.

Ob es ein Entwicklungsland ist, kann man kaum sagen. Schon alleine deswegen, weil es keine klare Definition gibt, was überhaupt ein Entwicklungsland ist. Das BIP liegt deutlich höher als das der berüchtigten afrikanischen Länder, was wohl auch kaum verwundert. Der HDI und die enorme ländliche Struktur schockiert mich allerdings ein bisschen und ich möchte deshalb wirklich ganz ungerne krank werden während dieser sieben Wochen.

Aber das alles ist eigentlich nur Zweidrittel so schlimm, denn ich werde ja in Wuhu sein. Wuhu hat ein BIP/Kopf von 15.000元, also einem Drittel mehr als Anhui im Durchschnitt und damit liegt die Stadt an der Spitze in Anhui und nicht sehr weit weg von Xi’an, wo ich schon gewesen bin und es nicht allzu schlimm fand. :)

Chinesenvisum

Auf nach China
Creative Commons License photo credit: mackz

Aha. Nun gibt es also doch noch größere Probleme mit dem Visum. Wegen der Olympischen Spiele hat die chinesische Regierung bekanntlich die Einreisebedingungen drastisch verschärft. Jeder muss nun z.B. für ein Touristenvisum von 30 Tagen (fürher gab es solche Visa für satte 90 Tage) auch noch, neben den üblichen Unterlagen, Flugticket und eine Hotelbuchung einreichen. Natürlich müssen beide auch unbedingt mit Daten versehen sein, die innerhalb der 30 Tage liegen. Wenn der Rückflug später liegt, wird es nichts – Der Rückflug liegt bei uns aber eben später.

Nun haben wir es aber hier mit Chinesen zu tun und da kann man eigentlich ruhig mal Möglichkeiten ausprobieren, die abseits vom Offiziellen liegen. Also sind wir zur chinesischen Botschaft nach Luxemburg gefahren und wollten dort persönlich und unterwürfig, wie wir nunmal sind, um das Visum bitten. Eigentlich geht das nicht. Man muss im eigenen Land in die Botschaft oder ins Konsulat. Wir haben es dennoch versucht.

Aber nun haben wir es hier mit Chinesen zu tun. Und das bedeutet, dass die Öffnungszeiten der Visumsstelle der Botschaft auch einfach mal von denen auf der jeweiligen Webseite abweichen können. Wir standen also vor verschlossenen Türen. Nur einige Arbeiter werkelten im Garten, der das wirklich protzige Botschaftsgebäude umgibt. Die hätten uns aber wohl nicht weiterhelfen können.

Zurück nach China

Am 12.7. soll es wieder zurück nach China gehen. Diesmal aber nur sechs Wochen. Ich werde dort an Schulen in und um Wuhu in Anhui Kindern Unterricht in Englisch geben. :) Und was liegt genau innerhalb dieser Zeit? Ja, die Olympischen Spiele. Ich hoffe, das mit dem Visum geht dann klar.

Ich bin etwas aufgeregt deswegen. Schließlich habe ich so etwas noch nie gemacht. Und dann auch noch Englisch. Das könnte abenteuerlich werden.

Resteverwertung

Nun habe ich endlich die restlichen Fotos von den letzten Wochen in China etwas herumverwaltet. Eine Auswahl davon könnt ihr auch meinetwegen hier angucken. Dabei bin ich sehr chinesisch vorgegangen und habe einfach alles etwas unsortiert hochgeladen, wie es mir spontan in den Sinn kam.

Die Fotos sind dort oder wer zu Fuß hingehen will, links in der Galerie unter “Letzte Tage”.

HSK-Wunder

Im letzten HSK-Test habe ich wie geschrieben Level 4 bekommen. Nach Umfragen und Nachdenken war ich zu dem Schluss gekommen, dass das für einen Westler ohne Gefühl für Schriftzeichen im Blut eigentlich ziemlich okay ist.

Knappe zwei Monate später gab es dann wieder einen solchen Test, wo ich ein weiteres Mal teilgenommen hatte. Dummerweise stellte sich dabei heraus, dass dieser Test deutlich schwieriger war als der davor. Gerade beim Lesen konnte ich ja schon im vorherigen HSK nicht gerade glänzen, diesmal war es aber wirklich hölle. Es gab Texte, wo ich nicht einmal den groben Inhalt herausgefunden habe und letztlich raten musste. Auch die Lückentextaufgaben und der Hörverständnisteil waren meiner Meinung nicht mit dem vorherigen Test zu vergleichen.

Demnach hatte ich nachher alle Hoffnungen aufgegeben, vielleicht doch etwas besser geworden zu sein und rechnete sogar mit einem schlechteren Ergebnis als vorher. Heute bin ich dann zum Büro gegangen, um mir mein Ergebnis abzuholen – ist ja trotzdem interessant und was steht drauf? Level 6.

Wie bitte? Ein Sprung von zwei Stufen bei mehr Raterei als zuvor? Wahrscheinlich gut geraten. Ich habe aber auch gehört, dass das Endergebnis über den Durchschnitt aller Teilnehmenden errechnet wird. Nur so ergibt das einigermaßen Sinn. Ich glaube weiterhin, es sagt nicht viel aus, aber die Zahl sieht ja trotzdem ganz schön aus auf dem Zettel. :)

Abgeschlossen

Es ist genauso, wie ich es mir schon lange vorgestellt hatte. Je näher der Rückreisetermin rückt, desto mehr schließt man mit dem Leben im Ausland ab und irgendwann kommt dann der Zeitpunkt, wo man es nicht mehr erwarten kann, wieder zurück ins eigene Land zu kommen. Seit dieser Woche habe ich diesen Zeitpunkt erreicht, glaube ich. Recht spät eigentlich.

Ich würde gerne länger bleiben, aber da ich nicht kann, will ich auch nicht. Haha, wenn das mal nicht konfus ist…

Noch morgen, übermorgen und überübermorgen.

China-Kurs für Manager

别一概而论!(Scher nicht alles über einen Kamm!), aber dieser Spiegel-Artikel hier ist trotzdem echt witzig, ganz besonders die Bilder der Designerin Yang Liu. Da ich mich kopierrechtlich nicht auf dünnes Eis bewegen will, darf ich die nicht einfach hier auch veröffentlichen und kann sie deshalb nur zum Original linken.

Bild 1: “Umgang mit Problemen” würde ich auf jeden Fall zustimmen. Als in der alten Wohnung die Heizung mal nicht richtig funktionierte, wurde erst gesagt, es sei doch aber nicht kalt und nach Protesten dann etwas an der Heizung rumgedreht und gesagt es sei “Luft drin”. Zwei Tage später war das Problem schon wieder da. Probleme werden oft nicht gelöst, sondern geflickt. Oder wie im Bild “umgangen”.

Bild 2: “Lebensstil” ist sicher auch nicht völlig an der Realität vorbei. Die Klassen in der Universität machen viele gemeinsame Unternehmungen, treten mit äußerster Ernsthaftigkeit bei Sportveranstaltungen gegeneinander im Team an. Der Zusammenhalt ist viel größer als bei uns, wo jeder alleine sein Ding macht und nur wenige sich bereiterklären auch außerhalb vom Unterricht etwas zu unternehmen. Schade eigentlich.

Bild 3: “Pünktlichkeit” stimme ich nicht zu. Unpünktlichkeit habe ich so eigentlich hier nicht auffällig viel erlebt. Nein, sogar ganz im Gegenteil, der Unterricht fängt z.B. jeden Tag wirklich exakt auf die Minute an. Die Ausländer kommen dann aber zu spät. Oder gar nicht.

Bild 4: “Meinung” verstehe ich nicht ganz. Eine geradlinige Meinung? Eine Meinung, die sich ständig ändert? Ich denke nicht, dass das so ist. Gut, bei Geschäftsbeziehungen “stellt” man sich vielleicht eher mit der Meinung auf den Gegenüber “ein”. Davon hab ich ja keine Ahnung. Ansonsten gibt es aber schon auch klares Pro und klares Contra, wie bei uns.

Bild 5: “Chef” sagt, dass der Chef in China Übermensch ist. Kann ich nicht beurteilen, weil ich ja mit Wirtschaft hier nichts zu tun hatte. Aber es mag vielleicht schon so sein, dass z.B. ein Lehrer größeren Respekt von den Schülern erhält als bei uns, allein aus der Tatsache, dass er oder sie Lehrer ist. Wenn er oder sie dann auch noch gut ist, umso besser.

Diese Klugscheißerei kann ich nun natürlich nicht lassen: Der letzte Satz des Artikels ist falsch. “Prost!” heißt nicht kan-bei, sondern ganbei. Naja, fast.

普法尔茨的猎人 – Ein Jäger aus Kurpfalz

Wie irreal. Ich soll im Unterricht nächte Woche ein deutsches Volkslied präsentieren. Ich habe mir nun “Ein Jäger aus Kurpfalz” ausgesucht, weil das das einzige war, was mir eingefallen ist. Wir haben das sehr oft in der Grundschule (!) gesungen. Ich darf es vorsingen oder eine Kassette mitbringen und habe mich natürlich für Letzteres entschieden. Danach möchte ich den Text auf Chinesisch wiedergeben und noch ein paar wenige Hintergrundinfos zur Geschichte erzählen.

Der Text ist gottseidank recht einfach gehalten. Aber trotzdem frage ich mich jetzt, wie übersetzt man “Mantelsack” (大衣包?) und was schreit der Kuckuck eigentlich für gewöhnlich auf Chinesisch? (“Jetzt reit ich nicht mehr heim, bis das der Kuckuck “Kuckuck” schreit…”) Vielleicht 苦咳苦咳?

Es ist witzig und zugleich total nervig.