Wollten Sie nicht auch schonmal einen Bestseller schreiben? Der Weg dahin ist wahrlich einfacher, als Sie dachten – es braucht nur die richtige Methode!
Dabei ist jahrelanges Recherchieren nicht nötig. Sie brauchen auch nicht neue, völlig unbeackerte Themen zu finden. Und schon gar nicht müssen Sie dazu Experte auf dem jeweiligen Gebiet sein, über das Sie schreiben wollen.
So einfach funktioniert es:
Schreiben Sie ein Buch über ein Thema, das äußerst kompliziert ist und über das schon seit Jahrzehnten diskutiert wird und das ergebnislos immer mal wieder aufflammt. Themengebiete dafür sind: Ausländer, Atomkraft, Hitler, Krieg, Dosenpfand, Mülltrennung oder Benzin- und Bierpreise.
Der Inhalt ist dabei ziemlich egal. Sie müssen nur hier und da ein paar Thesen aufstellen. Auch deren Wahrheitsgehalt ist unbedeutend. Den Rest der Seiten füllen Sie mit Statistiken. Überfluten Sie den Leser damit und geben Sie immer und immer wieder an, dass dies alles offizielle Statistiken seien, wissenschaftlich geprüft, auf dem neuesten Stand, sauber recherchiert – Sie wissen schon. An einigen Stellen fügen Sie nun noch Formulierungen wie „wird totgeschwiegen“ oder „die Wahrheit muss gesagt werden“ ein.
Nun übergeben Sie ein paar der formulierten Thesen an die Bild-Zeitung. Durch den Themenschwerpunkt Ausländer, Atomkraft, Hitler, Krieg, Dosenpfand, Mülltrennung oder Benzin- und Bierpreise wird die Zeitung ihre Thesen drucken. Damit haben Sie es schon fast geschafft! „X sagt, in 170 Jahren kann sich niemand mehr Bier leisten!“
Anschließend geben Sie immer wieder einige neue Thesen als Pressemitteilung an verschiedene Zeitungen und Zeitschriften. Diese können Sie problemlos selbst formulieren: „Berlin, 2. September, X sagt, Bier trinken macht dumm.“ Im Nachhinein können Sie diese Thesen wieder zurückziehen oder auch nicht. Das machen Sie ganz beliebig, um noch mehr Aufmerksamkeit zu erreichen und alle Interessierten zu verwirren. Nun haben Sie bereits den Punkt erreicht, an dem Sie die volle Aufmerksamkeit aller Medien bekommen. Sicher ein schönes Gefühl, nicht wahr?
Einladungen zu Talk-Shows nehmen Sie dankend an. In der jeweiligen Sendung brauchen Sie nur hier und da zu antworten, ein paar Thesen zu wiederholen, insgesamt schläfrig zu wirken, zu nuscheln und möglichst viele „Ähs“ und Unterbrechungen in Ihr Reden einzufügen. Auch die Namen der anderen Gäste systematisch falsch auszusprechen hilft. Sie müssen völlig inkompetent wirken, denn damit grenzen Sie sich von Ihren Gegnern und deren Gefühlsausbrüchen und rhetorischen Fähigkeiten ab. Das brauchen Sie alles nämlich nicht, denn Sie sagen schließlich die Wahrheit. Oder auch nicht – das weiß schließlich niemand so genau.
Ihre Gegner wirken ganz von selbst unsympathisch, denn diese haben sich nicht im Griff, schenken Ihnen zu viel Aufmerksamkeit und merken nicht, dass Sie schon gewonnen haben, allein dadurch, dass Sie im Mittelpunkt der Sendung stehen und in der Unterzahl sind. Kein Argument der Welt kann so etwas nunmehr wegdiskutieren.
Sie haben den Punkt erreicht, an dem es nicht mehr möglich ist, nichts zu Ihnen zu sagen. Die Zuschauer danken es Ihnen – ganz nebenbei – mit dem Interesse für Ihr Buch.





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